INTERIOR & DESIGN

Berlins schönste Fundgruben

Unbestreitbar, ich bin auch einer dieser Jäger nach Orten und Läden, die einem dem Atem rauben. Eben atemberaubend schön sind. Wenn jemand eine nennenswert große und vorzeigbare Fangbeute aufweisen kann, dann ist es Anne von AnneLiWest. Sie scheint in Berlin alle Topspots und Geheimtipps zu kennen. 

Den handfesten Beweis gibt es nun in gesammelter und gebundener Form mit einem Namen, der nicht besser passen könnte: Berlin’s Finest – 50 inspirierende Designläden. In dem dritten Band der Berlin’s Finest-Reihe präsentiert Anne ausgewählte Lieblingsläden in Bild und Text.  Ich habe die 160 Seiten  ja innerhalb von einem langen Nachmittag und zwei Kaffees verschlungen! Anne schreibt Seite für Seite so bildhaft von den Läden und ihren Besitzern, dass ich mich nicht halten konnte. Sie erzählt deren persönliche Geschichten – kleine Anekdoten, die man als normaler „Reinschnupperer“ oder stiller Käufer nie zu Ohr bekommen würde. 

Die Konzeption des Buches ist durchweg übersichtlich un doch ab und an mit Überraschungen versehen. Alphabetisch geordnet wird der Leser auf Tour durch alle Läden genommen. Wichtige Infos wie Adresse, Bezirk, Öffnungszeiten und Onlineauftritt werden jeweils auf einem Blick zusammengefasst und Icons zeigen, ob in den jeweiligen Länden eben Möbel, Dekoobjekte oder gar Porzellan/Glas verkauft werden. Außerdem können Shoppinglüsterne mit klarem Beuteziel mit Hilfe des Produktkategorien-Register, welches das Buch abschließt, ihr Fangrevier einkreisen. Unglaublich praktisch! Besonders für alle, die nicht nur auf Besuch in der Stadt sind, sondern hier fest wohnen. Und was sind nun die besagten Überraschungen? Der Flow, von einem schönen Laden zum nächsten zu blättern, wird regelmäßig erfrischt – sei es durch ein spannendes Interview mit „muse store“-Besitzer Jörg Klambt, eine Upcycling-Plädoyer oder eine Übersicht zu Berlins bedeutestens Design Events.

Ich finde ja: Ein toller Überblick über die bunte Kreativszene der Hauptstadt und deren Geschäftsleute! Ein perfekter Guide durch Berlin für Design- und Einrichtungsliebhaber (egal ob Tourist oder  Einheimischer), der dem Wallpaper und Louis Vuitton Guides in Sachen Shopping  durchaus Konkurrenz machen kann. Nur die Buchgestaltung hinkt dem Designpotential des Buchinhaltes weit hinterher. Aber dann doch lieber so: Mehr Sein als Schein.

Berlin’s Finest, 50 inspirierende Designläden
Auswahl, Texte und Fotos von Annemone Schütz
14,95 EUR, Edition Braus, Berlin 2015

www.editionbraus.de
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INTERIOR & DESIGN

Hingesetzt und aufgepasst

Neue Stadt. Neue Wohnung. Ein neues Zuhause ist es längst nicht geworden. Grund dafür ist wahrscheinlich meine Einrichtungssituation. Die ist – ich sag mal – essentiell-minimalistisch. Im Grunde tut dieser Freiraum gerade gut. Dennoch denke ich gerne an die hyggeligkeit rund ums Sofa in meiner Berliner Wohnung zurück. Das Wohnzimmer mit seinem gepolstertem Möbel ist für mich nämlich das Herzstück von Wohnen. Geselligkeit. Gemütlichkeit. Entspannen. Zuhausesein! Genau das bedeutet für mich ein Wohnzimmer und genau diese Eigenschaften gilt es als Designer einem Sofa einzuhauchen. Nebst Qualität und gutem Aussehen natürlich! Dass es leider nur wenige Sofas gibt, die das geschafft haben und dazu noch bezahlbar sind, weiß jeder, der schon einmal auf Suche danach gegangen ist.

Als ich vor zwei Jahren selbst Suchende war, habe ich bei einer Freundin ein Sofa entdeckt, das mich vom ersten Anblick an mit seinen Proportionen und dem Bezugstoff beeindruckt hat – TOM von sitzfeldt. Was ich dort sah, ist auch das, womit sich das junge Berliner Unternegmen rühmen kann – nämlich gutes Design in bester Qualität und das zu einem unschlagbaren Preis. Dafür haben sich die Gründer Anna und Clemens Deyerling und Julius Martini mit Sebastian Herkner und Steffen Kehrle renommierte Designer zur Seite genommen, die es verstehen Designersofas mit Charakter zu gestalten. Für die hohe Qualität in der Umsetzung derer Entwürfe sorgt dann eine verantwortungsbewusste Produktion in Europa. Dass sitzfeldt all das noch zu einem moderaten Preis anbietet, liegt an der kundenorientierten Geschäftsidee, Sofas on demand zu produzieren. Über online-Vertrieb wird das sitzfeldt-Stück direkt zum Kunden gebracht – ohne unnötige Kosten für Zwischenhändler, Lager- und Verkaufsflächen. 

Wie die drei Betriebswirtschaftler zum Sitzmöbel gekommen sind, war eine von unzähligen Fragen, die mir Geschäftsführerin Anna Deyerling bei meinem zweistündigen Showroombesuch beantwortet hat. Die Antwort darauf fällt mit dem Apfel nicht weit vom Stamm: durch ihren Vaters, der  in der Position des Zwischenhändlers gearbeitet hat, hatten die Gründergeschwister schon früh Einblicke in das Geschäft mit Möbeln. Von den langjährigen Kontakte ihres Vaters profitiert sitzfeldt. Viele sind Zulieferer und Partner des Unternehmens, teilen die hohen Qualitätsansprüche der sitzfeldter und produzieren alle in Europa. Darin zeigt sich, welchen hohen Stellenwert Nachhaltigkeit bei sitzfeldt einnimmt.

Besonders zeigt sich das Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Wahl der sitzfeldt-Stoffe. So stammen die Lederbezüge von der deutschen Firma Heller, die seit 1920 in vierter Generaton exklusives Leder gerbt und das so umweltbewusst, dass sie als einzige Gerberei weltweit mit dem Blauen Engel ausgezeichnet ist. Schließlich gab es 2013 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für so viel Engagement für eine umweltbewusste Produktion.

Als Produktdesigner mit den Schwerpunkten Textil und Keramik sind die Bezugsmaterialien ein Bereich, den ich gern genauer unter die Lupe nehme. Für mich muss deren Gewebe optisch aus engster Nähe genauso wie aus der Ferne imponieren und darüber hinaus auch haptisch überzeugen. Diesen hohen Anspruch an Textilien teilen die sitzfelder mit mir. Sie achten auf möglichst hohen Anteil von Naturfassern und beziehen ihre Gewebe von einem italienischen Familienbetrieb. Dass sitzfeldt nicht wie alle anderen führenden Möbelproduzenten vom dänischen Trendproduzenten kvadrat bezieht, hat zwei Gründe, die mir Anna verraten hat.  Zum einen haben sie sich die Webereien in Italien angeschaut und waren von Produktion wie Qualität der Stoffe überzeugt. Doch viel mehr wollen die drei Gründer auch durch ihre Stoffwahl sich von anderen Sofas abheben. Einfach sitzfeldt sein. Einfach rundum gute Sofa machen.

Doch wenn man mich fragt, macht sitzfeldt nicht nur gute Sofas. Auch das Drumherum ums Sitzmöbel liegt den sitzfeldtern genauso sehr am Herzen. Darum hat sitzfeldt auch Kissen, Decken aus feinem Merino-Kaschmir-Mix im Heribone-Muster und den stylischen Beistelltisch Game gestaltet. Die zeitgenössische, klare Formensprache des Kehrle-Entwurfs hat mich sofort angesprochen. Seitdem träume ich von Game in meiner Wohnung genauso sehr wie selbst einmal Ideen zu sitzfeldt beizutragen…

Was soll ich noch mehr sagen? Rüberklicken oder am besten Probesitzen in einem der zwei Showrooms von sitzfeldt:

Showroom Berlin
Engeldamm 60
10179 Berlin

Showroom Köln
Im Zollhafen 14
50678 Köln

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Und der Transparenz wegen: Dieser Post ist weder gesponsert, noch aus irgendeiner Kooperation entwachsen. Er entspringt reiner Überzeugung von Design und Qualität der sitzfeldt-Sofas, meiner Sympathie mit der Unternehmensphilosophie und einem spannenden Gespräch mit Gründerin Anna Deyerling. 

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INTERIOR & DESIGN, UNTERWEGS

Das Beste zum Schluss

Vielleicht ist euch das tannengrüne Poster mit dem versteckten großen D darauf in Erinnerung geblieben, als mich MiMa damals gebeten hat ein paar Fotos aus meiner Wohnung zu zeigen. Das D von PLAYTYPE war Liebe auf den ersten Blick – ästhetisch-minimalistische Typo und Farbgespür haben mich sofort gecatcht. Da lässt sich gut ausmalen in welchem Wall an Hochgefühlen ich den Store in CPH betreten habe! 

Den kleinen Laden hatte ich am letzten Tag des Kurztrips zufällig auf dem Weg zum Bäcker entdeckt. Ich wusste zwar, dass PLAYTYPE dort sitzt, war aber dennoch überrascht den unscheinbaren Store erkannt zu haben. Wahrscheinlich weil das Corporate Identity gut gewahrt ist: Drinnen sieht es aus wie auf der Homepage selbst – sehr weiß, sehr grafisch, eine Menge Buchstaben. Zu schön.
Auf den non-virtuellen Ladenregalen findet sich jedenfalls neben einer Auswahl aktueller Poster und Prints auch Mode, RAINS-Regencapes im PLAYTYPE-Style, Laptopcases, Papiere, Notizbücher und Becher, die an die Letter Cups von Arne Jacobsen erinnern.  Auch wenn es eindeutige Unterschiede zwischen der Jacobsen- und der PLAYTYPE-Variante gibt (Stapelkante und langgestreckte Typo bei ersterem, Kantenrundung und breitere Typo bei letzerem), selbst das Packaging weist eindeutige Parallelen auf. Das muss wohl der unveränderliche Spirit der Stadt sein …

Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin oder her, ein Stop in dem kleinen Store lohnt sich. Und alle die es in nächster Zeit nicht nach CPH schaffen, können hier schon einmal den virtuellen Concept Store betreten.

Playtype™ Concept Store
Værnedamsvej 6
1619 Copenhagen V
Dänemark 

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UNTERWEGS

10 perfekte Stunden in Antwerpen

Eingereiht

Letzten Sonntag – so lange ist es schon wieder her – hatte es mich gepackt. Und ich einen Tagesrucksack nach Antwerpen. Das belgische Glück liegt nah und so hat mich schon nach anderthalb Stunden Zugfahrt eine reichlich verschlafene Stadt empfangen. Mit einem Gang durchs Rubenhuis hab ich mich ganz langsam ins Stadtinnere vorgetastet und mich anschließend in den vielen schmalen und breiteren Gassen Richtung Fluss verloren. Der Blick dabei immer wieder nach oben, weil es dort mehr als nur Himmel zu sehen gibt. Und durch das Glas der Fenster, weil dahinter die geheimen Schätze schlummern.
Ich brauch es, durch fremde Städte zu schleichen und ganz viel zu gucken. Ich muss durch die leeren, verlassenen Gassen gehen, um den Vibe der Stadt aufzuspüren. Ohne den, würde ich eine Stadt nur als gesehen abhacken. Ich will Orte erlebt haben und ein Bauchgefühl dafür bekommen, wie es wohl wäre dort für ein bisschen länger zu leben.

Linienkreuz

Weiß

Citytrips machen ganz schön hungrig. Und so erprobe ich Orte immer auch mit meinem Geschmackssinn. Die kulinarischen Tipps aus meinen 10 Stunden Antwerpen:

* Céleste (Hoogstraat), wo man draußen am Sonntag so schön den Trubel auf dem Antikmarkt gegenüber beobachten kann
* Dellafaille (Museumstraat 2) – gebackene Spezialitäten für lauter Mmhs und Ohhhs
* Cupcakes (Reynderstraat 37) – klein und fein
* einen der Supermärkte in der Antwerpener Chinatown betreten und sich von der Farbenpracht überfluten lassen

Cupcakes

Deliafail

Yummi

In der Nähe vom Antikmarkt – Plantinkaai Ecke Sint-Jansvliet – hatte überraschender- und erfreulicherweise der Vitrapoint geöffnet. Das war der Wendepunkt meines bisher relaxten Vormittages in Antwerpen – ab da an hieß es den A.track folgen! Das war das fünfte mal in Folge ein Design Parcours durch Antwerpen,  wegen dem alle nennenswerten Interior Design Stores der Stadt geöffnet hatten. Vieles war für mich nur wie eine kleine Schwester der Showrooms aus Kopenhagen. Doch einige Neuentdeckungen und Highlights waren auch dabei.

 

Republic of Fritz Hansen –  De Burestraat 7a
Wenn ich in Showrooms gehe, dann schau ich überall drunter, fasse an, probiere aus. Schließlich will ich wissen, wie die Möbel gemacht wurden. Bei Fritz Hansen Antwerpen wurde für mich vorgedacht: Kleine Skizzen an der Wand haben mir die Konstruktion der Möbel verraten (und mich beruhigt, dass meine Fähigkeiten im Zeichnen wohl doch ausreichen) und Spiegel, auf denen die Ausstellungsstücke standen, das Druntergucken erleichtert.

A.track

Mutmacher

Kaaidesign –  Vlaamse Kaai 45
Hier hat mich vor allem die tolle Ausstellung an Gartenmöbeln im Hinterhof überrascht. Mein Liebling war jedoch ein Teppich in Doppelgewebekonstruktion!


Textielmöbel

Antwerpen_03

Auf den Teppich geblieben

Viabizzuno –  Graaf Van Egmontstraat 39
Die italienische Marke steht für modernes Leuchtendesign und individuelle Lighting Solutions im architektornischen Kontext. Der Showroom in Antwerpen ist klein, aber sehenswert! Schon allein wegen den tausend Ordnern, die so gut sortiert eine neue Wand bilden.

A.Track

espoo –  Vlaamse Kaai 57
Espoo ist definitiv ein Must-see, wenn es um junges Design geht. Der Laden verkauft ausgewählte Sachen von HAY, Muuto, Ferm Living, Norman Copenhagen,… Eben alle Namen, die gerade auf dem Designmarkt wimmeln. Plus ein bisschen Alvar Aalto. Trendmäßig gibt es immer noch viel „Candy Design“ in Pastelltönen und im Kontast dazu minimalistisches Design, bei dem das Material im Vordergrund steht. Eigentlich Zeit für Neues.

espoo

Candy Sweet

HAY Antwerpen –  Ijzerenwaag 12a
Im Laufe des Sommers hat HAY einige Stores in Europa eröffnet. Neben Berlin und Amsterdam eben auch in Antwerpen. HAY ist seiner CI ganz treu geblieben – der Store im Hinterhof des Ijzerenwaag sieht genauso aus wie das HAY House in Kopenhagen. Jedoch viel kleiner, übersichtlicher und umso gemütlicher. Ich bin nicht ohne was gegangen und freu mich nun über zwei weitere japanische Scheren und die Copper Hanger. Jippi jay HAY!

HAY Antwerpen

Hej HAY
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INTERIOR & DESIGN

Voller Design: FREDERICIA

Fredericia_02

Für meinen ersten Kurs an der Designskole habe ich mich in das furniture department eingeschlichten. Und in einen Masterkurs, um gleich noch eins drauf zu setzen. Jetzt mache ich also polstermøbel. Eines. Das reicht reicht. Erst einmal.
Um uns inspirieren zu lassen [und festzustellen, was wir nicht machen brauchen, weil es das schon gibt], haben wir alle furniture stores und showrooms in Kopenhagen inspiziert. Einer meiner Lieblinge war FREDERICIA. Aalglatte, schneeweiße Wände, alte Fenster zum Hinterhof und eine große Flügeltür, das musste mir gefallen. Neben großen Designklassikern wie das 1789 oder das 2214 Sofa von Børge Morgensen findet man dort auch schlichte Keramiken oder brauchbare Objekte aus Edelhölzern. Großes und Kleines für Anspruchsvolle und Materialverliebte wie mich.

2214Fredericia_08

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