UNTERWEGS

Sleep well: Retrome Barcelona

Vielleicht drei Mal sind wir das Straßenende auf und ab gelaufen. Drei Anläufe um die Eingangstür zu unserem Hotel zu finden. Sie sah einfach zu normal aus. Keine Drehtür, die in die Lobby geführt hat. Kein überdimensioniertes Logo. Wahre Schätze sind eben nicht einfach zu finden. Das Retrome Barcelona war ein ganz besonderer. Ich hatte ja schon kurz davon berichtet: Es ist alles andere als ein Ableger einer seelenlose Hotelkette; keines, in dem man am Abend direkt im Zimmer verschwindet, um es am Morgen schnell wieder zu verlassen.  Im Gegenteil, das Retrome ist ein Ort, um sich in Barcelona wie zu Hause zu fühlen.

Wir hatten vielleicht das schlichteste aller Retrome-Zimmer abbekommen. Doch das war perfekt. Ich habe es geliebt, unter der Kupferlampe im Stil der Danish Modern aufzuwachen, die Fensterladen aufzuklappen und das Sonnenlicht unser Zimmer durchfluten zu lassen.  Wir blickten auf Palmen, einem zartem Apricot an der Hauswand gegenüber und Rattanstühle in coolem Türkies. Die Kombination hätte nicht besser sein können. Zumal wir sie wunderbar vom Bett aus bewundern konnten, das eine so bequeme Matratze hatte… Zum liegen bleiben oder mit nach Hause nehmen komfortabel.

Unübersehbar, das Retrome ist ein Ort, um sich in der Fremde zu Hause zu fühlen. Jedes Detail sorgt dafür. Von den Fliesenspiegeln, dem kleinen Ferrari California Modell oder den gepolsterten 70er Kleiderbügeln wie bei Omma. Frische Blumen auf dem Tisch, ein riesiger Kühlschrank und freier Zugang zur Siebträgermaschine. Ja schon allein im Retrome anzukommen: Man schleicht die schmale Treppe von der Haustür ins erste Geschoss hinauf, um die Hoteltür aufzuschließen, als wäre es die zum eigenen Apartment. Drinnen angekommen steht man im Herzstück des Retromes, einem großzügigen Loungebereich mit maigrünem Sofa, lauter Vinyl zum Selbstauflegen und vor allem eines: beeindruckende Wand- und Bodenfliesen. Wie mir Retrome-Gründer Monti Erdeapel verriet, handelt es sich um Andalusische Fliesen. Mit denen lies der Bauherr, ein Andalusischer General, der wegen seiner Katalanischen Frau nach Barcelona zog, ein Stück Heimat in das Jugendstilhaus einbauen. Als Erdeapel die Etage übernahm, um daraus das Retrome zu machen, war von diesen bunt gemusterten Schätzen noch nichts zu ahnen. Erst während der ausgiebigen Sanierungsarbeiten legte man unerwartet die einzigartigen Keramiken frei. 

Nicht nur in der Lounge, dem damaligen Hauptgästezimmer des Paares, sondern auch in allen Hotelzimmern tauchen die Fliesen wieder auf. Als Erdkabel sie entdeckte,  stand sofort fest, deren geschichtsträchtigen, warmherzigen Charme zum Hotelkonzept zu machen. „Wir wollten den Zeitmaschineneffekt, den die Fliesen und ihre Geschichte bei uns ausgelöst hatten, weitertragen“, plauderte Erdeapel weiter, „Wir wollen unsere Gäste ein wenig Zeit reisen lassen – wenn sie schon an einen anderen Ort reisen.“  Und so stürmte das Interior-Team durch Flohmärkte und Sammlerstuben in Amsterdam, Rome and natürlich Barcelona, um Vintage Möbel und Wohnaccessoires zu finden, die heute das nostalgische Feeling vom Retrome perfekt machen. Meine Favoriten:  der alte Klappkalender über dem Kühlschrank, die knallroten S43er von Mart Stam und der farblich passende Crosley natürlich.  

Genug geschwärmt. Am besten ihr macht euch selbst ein Bild und steigt bei der nächsten Barcelona-Reise dort ab. Oder holt euch den Flair ins eigene Zuhause.


Retrome Barcelona – Urban Retreat
Carrer de Girona 85
ES-08009 Barcelona

  

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INTERIOR & DESIGN

Zuhouzze

2009 wollten das Ehepaar Adi Tatarko und Alon Cohen ihr frisch erworbenes Haus in Kalifornien USA zu renovieren. Dabei erlebten sie den Frust, den auch meine Eltern noch von ihrem Hausbau kennen: in dem Berg teuer bezahlten Wohn- und Einrichtungszeitschriften gab es eine Menge schön gestalteter Wohnungen und Räume, aber vielleicht nur eine Hand voll Bilder davon boten passende Inspiration für die eigenen Interior Styling-Vorhaben. Frustrierend so eine Geld- und Zeitverschwendung. Damals. Denn heute haben wir ein HOME-Board mit tausenden wunderschönen Bildern bei pinterest. Oder noch besser: Houzzdie online-Plattform von Gründerpaar Adi und Alon, die Inspiration rund um Haus und Garten gekonnt mit Fachwissen, direkten Kontakten zu Experten und Designshops verbindet.

Was 2009 als kleines Projekt vor Ort in Palo Alta startete und sich über Nachbarn, Freunde und Familie per Mundpropaganda verbreitete, ist heute mit über 4 Millionen hochauflösenden Fotos die größte Bilddatenbank für Interior und Landscape Design geworden. Hinten dran eine rege Community von 25 Millionen Nutzern im Monat. Lokal gestartet, ist diese heute auf den gesamten Globus verteilt. Auch wenn Bilder eine Sprache sprechen, die man überall auf der Welt versteht, wuchs der Wunsch nach mehr Lokalität unter den Houzz-Nutzern. Weil es einfach mehr gibt als Wohnen im American Style, großen Häusern und riesigen Gärten. Weil uns Deutschen oftmals nur wenige Quadratmeter zum Einrichten zur Verfügung stehen, der Balkon unsere Miniausgabe des amerikanischen Gartenimperiums ist und wir einfach gerne ökologisch und nachhaltig houzzen. Genau deshalb gibt es seit Mittwoch offiziell Houzz Deutschland und damit eine Version der amerikanischen Erfolgsapp, die nicht nur auf Deutsch ist, sondern auch Inspiration mit lokalen Trends bietet und ihre User mit Experten und Shops vor Ort verbindet.

Gelaunched wurde das ganze in den sagenhaften GORKI APARTMENTS am Rosenthaler Platz, die man by the way von einer Nacht oder wenn man mag auch ein halben Leben lang mieten kann. Ich durfte mit dabei sein, das Penthouse unterm Dach inspizieren und dabei die frisch gebackene deutsche Houzz-App testen. Nebenbei: Gründerin Adi Tatarko ausfragen. Bloggerfreundin Anne  wiedersehen. Neue Blogger wie Jules mit ihrem beglückenden Herz&Blut-Blog kennenlernen.

Was bringt mir Houzz, wenn ich doch bereits pinne und bei solebich angemeldet bin? Das war meine große Frage, die sich nach 5 Minuten Stöbern in der Houzz-App wie in Luft aufgelöst hat. Denn die deutsche App-Version ist nicht nur große Photothek, die den „deutschen“ Geschmack beim Einrichten und Renovieren anspricht. Sie ist zugleich connector zu Experten, Produkt-Shops und anderen Einrichtungsliebhabern als auch Magazin mit Portraits, DIYs und Fachwissen. 

Das erste, was mich bei Houzz überzeugt hat, war das Einbetten von grünen Tags an die Möbel, Tapeten und Co. in den Bildern. Mit einem Klick darauf  bekomme ich alle Informationen zum getaggten Produkt angezeigt und kann direkt zum verlinkten online-Shop weitergehen. Wo ich bisher hoffen musste, dass der Stuhl, den ich in einem Foto so toll finde, vom Blogger im Text dazu erwähnt oder gar verlinkt wird, weiß ich bei Houzz mit einem Blick und Klick Bescheid. Genauso praktisch scheint mir die Unterteilung in der Bildsuche sowohl nach Kategorien (Bad, Schlafzimmer,…) als auch Stil. Damit hat das ewige überscrollen von unrelevanten Bildern bei pinterest ein Ende! Und darüber hinaus hilft Houzz, Experten von A wie Architekt bis Z wie Zaunspezialist in meiner Umgebung zu finden und aufgrund von Rezensionen gut einschätzen zu können, ob diese meine Wünsche und meinen eigenen Stil umsetzten können.  

Ich lese mich seit dem Deutschland-Start letzte Woche begierig durch das Houzz-Magazin. Wie großartig 25qm unter einem Berliner Dach werden können! staune ich und lass mich danach in erste Gedanken an die Vorweihnachtszeit schubsen.

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Das Bild mit der Houzz-App fürs iPad stammt von © Houzz , bei denen ebenfalls die Bildrechte liegen. Alles andere wie immer von mir.

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INTERIOR & DESIGN

Volle Blicke

Das Wetter ist so herrlich. Sonnig. Mich treibt es beständig ans Fenster. Ich muss raus gucken. Runter gucken. Dem Frühling zugucken und beobachten wie alles wach wird und aufblüht. Die Hasenfamilie im Hinterhof ist wieder draußen. Und zur Nachbarsfamilie hat sich eine Fünf dazugesellt. Sitzt im MaxiCosi genauso vorm Fenster wie ich. Genauso guckend, neugierig, beobachtend und herzerfreut. Der Kleine (meine Intuition sagt mir: It’s a boy!) ist mir sympathisch.

So ein Beobachten aus unbemerkter Vogelperspektive ist Seelenbalsam. Und – wie es im Essay „The Idler“ in der Kinfolk Issue Nine zum Zitieren gut geschrieben stand – verbindet uns mit unserer Umgebung. Es ist eine Tätigkeit ohne viel Tun aber großer Wirkung. „And finding more time to do absolutely nothing is perhaps exactly what we all need.“

Für die Seele sollen auch die drei Giveaways sein, die ich für euch hab: Ein echtes meingefangen-Kissen aus 50% Bio-Baumwolle  und 50% Leinen (dem Gewinner nähe ich eines in Wunschgröße) sowie zwei Frühlingsgeeignete Tücher aus 100% französischer Bio-Baumwolle. Allesamt von mir gewebt im so viel benannten und verlinkten TextielMuseum. Und oben drauf leg ich jeweils eine Klitzekleinigkeit von RawColor. Hinterlasst dazu bis zum 19.März 2014 einen Kommentar mit eurer textilen Präferenz. Sagt es weiter, teilt es. Dann kann das beste kommen: die Glücksfee mit Post für euch.

Alle Regeln für die Verlosung gibt es übrigens hier.

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INTERIOR & DESIGN

Und Kunst an jeder Wand

Aua Aua Zwischendrin

Ich befinde mich gerade in einem ungesunden Zwischen, kurz hinter gesund und doch schon nah vor Erkältung. Ich will wieder einen Schritt zurück . Und deshalb ist meine Kampfansage noch bis morgen: Schonen. In der Heimeligkeit. Zuhause.
Was gerade mein Zuhause ist, ist eigentlich das eines niederländischen Architekten. Irgendwann in den 80ern hatte er das alte Haus Baujahr 18-irgendwas-sechzig gekauft, weil sein Studio im alten Haus zu klein geworden ist. Das ursprünglich von einer Keramikfirma als Ausstellungsraum genutzte Vorderhaus wurde nach einer Sanierung der Wohnsitz der Architektenfamilie. Das Hinterhaus – ursprüngliche Lager der Firma- nutz mein landlord als Werkstatt und dritten Büroraum. Nicht mehr die Keramiken füllen dort die alte Holzregale, sondern ein paar ausgefallene Architekturmodelle und ein Teil einer großen Kunstsammlung. Der andere Teil, der verteilt sich im Wohnhaus. In jedem Raum. An jeder Wand.

Hängend. Oben und rechts und links

Wonderwalls

Runterlunschen

Ich fühl mich wohl. Ein bisschen wie bei den Eltern früher. Ich mag das Knacksen der alten Treppe. Das Quietschen jeder Tür. Ich mag selbst die geschäftige Straße an meinem Zimmer. Sie versprüht so viel Leben! Ganz besonders jedoch mag ich die Tür, die zu dieser Straße führt. Weil die Briefe jeden Tag neu so schön auf den Boden plumpsen, wenn sie es durch den großen Schlitz in der Tür geschafft haben. Und weil man durch die kleine Luke darüber, Schultern – vielleicht eins zwei Dezimeter weit weg – an der Tür entlang schreiten sieht.

DIE Tür

Das fördert das Gesundwerden! Morgen muss ich ja fit sein für das letzte Mal Amsterdam in 2013, das Bon Iver-Konzert und ein Treffen mit Juju und Mim.

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INTERIOR & DESIGN, LEBEN & GENIESSEN

Bettflucht

Schattenseiten

Die Sonne schien in den letzten Tagen so herrlich in 【köbenhau】. Ihre Wärme tat gut, doch dann fiel Schatten auf mich: Zum einen entpuppten sich meine beiden polstermøbel Dozenten als große Luftnummer. Nie anwesend und damit für 8 Austauschstudenten, von denen 6 noch nie Möbel gemacht haben, absolut keine Hilfe. Doch viel schlimmer war das felsenfeste NO meiner landlady, als ich angefragt habe, ob der Orangenbär hier übernachten kann, wenn er mich besuchen kommt. Das saß. Verletzte. Machte mich traurig, weil wir in den 5 Monaten räumlicher Trennung auch dann separated sein werden, wenn er mich besuchen kommt.

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Da verkrieche ich mich unter der Bettdecke. Mach noch einmal die Augen zu, weil im Traumland eben alles traumhaft ist. Herrlich warm ist es dort auch. Aber ohne Schattenseiten.

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