LEBEN & GENIESSEN

I am listening to: Summer Happiness

Während ich mit dem Mac zusammen nach Abkühlung lechze, laufen Melodien mit dem so schwer in Worte zu fassenden Oh-wie-großartig-ist-es-zu-leben-Effekt in Endlosschleife. Das ist wie Eis, das nie alle wird. Erfrischend wie die saftigste Wassermelone, die mich mit ihrem Rot  jedesmal kräftig anlacht. Wie eine Bombe in den türkiesfarbenen Pool und der erste Schluck vom eisekalten Eiskaffee. Sommer, du bist gut. Immer wieder. Immer noch.


Cold War Kids – First
Steaming Satellites – Witches
Talking To Turtles – Passenger Seat
Will Rutherford – Narrow
Talking To Turtles – Safetyville
Portugal. The Man – Share With Me The Sun
The 88 – How Good It Can Be
The Spinto Band – Shake It Off
Woodlock – The Garden
Porugal. The Man – Sleep Forever
Tom Rosenthal – Watermelon Cage
The Elephant – Cigarette Daydreams

Oder eben alles zusammengefasst unter dem besagten Melodiengefühl: Summer Happiness.

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INTERIOR & DESIGN

Wunschkonzert am Arbeitsplatz

Endlich Semesterende! Endlich Zeit, um sich wieder an mehr Orten als am Schreibtisch oder in der Werkstatt aufzuhalten. Dabei hat die Zeit mich einiges gelehrt. Wegen dem Mix aus halbprovisorischen Wohnen am Studienort und Wochenendleben in der Hauptstadt, hab ich durchlebt, wie ineffizient ein halb eingerichteter, undurchdachter Schreibtisch sein kann. Wie nervig es ist, wenn das Papier oder die spezielle Schere, die ich akut brauchte, gerade in Berlin statt in Halle war. Ja, Ordnung ist das halbe Leben. Hat Mom immer gepredigt. Die Message habe ich mittlerweile in Eigenerfahrung verstanden und betone: „Besonders auf und um den Schreibtisch!“ Eine gute Ausstattung ist dafür unerlässlich. Und da ich den Rückzug nach Berlin antrete, stehen die Wunschpläne für den neuen Arbeitsplatz Dank Eigenerfahrung schon felsenfest: 

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 Werkelbank Gerade bei so vielseitigen Aufgabenbereichen, die ich als Designer im Gestaltungsprozess durchlaufe, muss auch der Tisch viel mitmachen können. Ausreichend Länge für große Papierbahnen macht genauso dankbar wie verstellbare Beinhöhen, wenn man an Modellen doch einmal lieber stehend arbeiten möchte. Eine weiße Tischplatte ist bei mir ein Muss – schnelle Work-in-Progress-Fotos sehen mit weißem Untergrund halt ästhetischer aus. Deshalb hat sich schon lange bei mir der Schreibtischklassiker schlechthin in meine Wunschliste eingebrannt: Egon Eiermanns Tischgestell 1 klingt nicht nur sachlich-funktional, er ist es auch. Und seitdem ich bei Dr. Walter Scheiffele zu Besuch war, dort seinen Eiermann als Esstisch umfunktioniert vorfand, schätze ich diesen Klassiker noch mehr für seine Flexibilität.

 Setz dich Die Mehrheit hat den Dreh-Bürostuhl für sich entdeckt. Ich hingegen weigere mich strikt gegen Rollen an der Beinkonstruktion. Meine Sitzgelegenheit am Arbeitsplatz muss bequem und standhaft zugleich sein. Stefan Diez‘ 404 mag ich wegen seiner unkonventionell-ästhetischen Frische sehr. In Thomas Benzens Entwurf COVER fand ich jedoch einen Formverwandten, der noch eleganter daher kommt und Dank Textilcover und Armlehnen zugleich mehr Komfort verspricht.

 In Reichweite  Nichts ist zeitaufwendiger und nervenzerreibender als ganz dringend spezielle Materialien oder Werkzeuge zu suchen. Griffbereit heißt der Idealzustand. Seit dem Artikel über Lochplatten im Houzz-Magazin, bin ich hin und weg von dem Umzug des Handwerker-Items in das Arbeitszimmer! Am besten eine Variante,  die durch anklemmbare Werkzeughalter und Ablagen ergänz werden kann. Statt Hammer und Schraubenzieher stecken bei mir dann Cutter, Zangen, Stricknadeln & Co.

 Ticktack Gerade in kreativen Prozessen verliert man sich gerne mal im Tüfteln und Tun. Dann schreibt man unbemerkt 1,5 Stunden an einem Text, für den ursprünglich nur 30 min eingeplant waren. Oder mein Perfektionismus treibt Photoshop- und InDesign-Aufgaben bis ins Unendliche. Um mich nicht in Unnützem zu verlieren und einfach effizient zu bleiben, habe ich mir im letzten Jahr den regelmäßigen Blick auf die Uhr antrainiert. Wenn man noch im Zeitfenster liegt, ist es umso schöner, dass von einer Uhr wie PICTO von den Designern Steen Georg Christensen und Erling Andersen gesagt zu bekommen. So funky cool wie ihr Äußeres kann es mit dieser Botschaft beim Arbeiten weitergehen.

 Müllschlucker  Nicht jede Idee ist es wert, umgesetzt zu werden. Das Verwerfen im Kopf geht bei mir Hand in Hand mit dem physischen Ausmisten. Jedes zerknüllte Blatt, jeder Wurf in den Papierkorb – eine kleine Befreiung und Startschuss für bessere Ideen. Konventionelle Papierkörbe aus Draht oder Plastik sind nichts für meinen Materialästhetik-Splin, den mir der Textil- und Oberflächen-Bachelor eingeflöst hat. Die Ordnungstüten aus einem Zellulose-Silikon-Gemisch von MAGAZIN sind im Gegensatz dazu haptisches Balsam. Schließlich krönt der Gedanke „Papier gehört zu Papier“ den Fakt, dass sich die Ordnungstüten bei 30°C waschen lassen. Für den Fall, dass die Wasserfarben auf dem Papier doch noch nicht richtig trocken waren …

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Hab ich eurer Meinung nach etwas Essentielles vergessen, das das Arbeitsleben umso einfacher macht? Oder habt ihr noch bessere Tische, Stühle und Ordnungshüter im Kopf?

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UNTERWEGS

Berlin: Haferkater

Wer sich noch an das Grød in meinen Kopenhagen-Tipps erinnert oder ab und an bei mir auf Instagram vorbeischaut weiß, dass ich ein absoluter Porridge-Liebhaber bin. Was im Deutschen recht unappetitlich klingt (ich schreib es extra kleiner: Haferbrei oder auch Haferschleim), landet bei mir Morgen für Morgen auf dem Frühstückstisch. Viele verbinden damit einen wässrigen Brei; ich kenne Porridge aber in erster Linie cremig und  unendlich vielfältig im Geschmack – Dank Mehrkorn-Flocken, Sojamilch und Toppings von Obst, Sojajoghurt, Spreads, Nüssen bis Samen. Genau deshalb ist es bereits so lange mein Jeden-Morgen-Frühstück, dass ich mich nicht einmal mehr an den ersten Tag der Porridge-Reihe erinenrn kann.

Kein Wunder, dass es für uns kein Halten gab, als der F-Mann über den Galileo-Beitrag vom Haferkater erfahren hat. Porridge, der nur mit Wasser zubereitet und dennoch überaus cremig sein sollte, mussten wir probieren.

In der Tat! Die Kater, so nennt Inhaber Leandro Burguete seine Porridgeportionen, haben eine sehr cremig-breiige Konsistenz und im Vergleich zur Milchvariante eine stark ausgeprägte Textur. Ein Geheimnis um die Rezeptur macht Burguete aber nicht. Denn Porridge auf Wasserbasis ist in Schottland seit jeher ein „Armermannfrühstück“ und besteht eben nur aus zwei Zutaten: Haferflocken und Wasser. Den überraschend cremigen Charakter erzielt Burguete, indem er den Hafer in einer Mühle zu weichen Flocken stampft und ihn dann anröstet, bevor das Ganze aufgekocht wird.

Eine wahre Kraftquelle wird der Porrdige durch Toppings wie die exotische Mischung aus Cranberries, Maul- und Gojibeeren mit Waldhonig, dem Nussmix mit Ahornsirup, Obstsalat oder Schokoladenabrieb.  Zwar sorgen die zahlreichen Ballaststofffe im Porridge für ein lang anhaltendes Sättigunggefühl. Die kleinere Portion Kater als einziges Morgenmahl reicht dafür trotzdem nicht aus. Für den durchschnittlichen Esser ist es eher als Porridge to go-Variante anzusehen. Wer also ein ausgiebiges Frühstück im Haferkater plant, sollte besser zur größeren Portion greifen oder sogar zwei davon bestellen. Außerdem ist noch eines unbedingt zu beachten: der Wetterbericht! Gemütlich eins zwei Stündchen sitzen, kann man dort nämlich nur am statt im Haferkater. Oder mit anderen Worten Orten: Outdoor heißt das Motto! Und das lässt sich mit einer guten Portion Sonnenschein im Gesicht dann doch am besten ausleben.

Haferkater
Boxhagener Str. 76-78
10245 Berlin

Mo – Fr 8:00 – 18:00 Uhr
Sa – So 9:00 – 18:00 Uhr

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INTERIOR & DESIGN

Zum Rumkullern schön: Filzkugelteppiche

Bisher tauchten vor meinem inneren Auge Bilder von Hippis mit Dreadlocks oder Kinderbasteln auf, wenn ich an Filz dachte. Farbenfroh, naturverbunden und verfusselt. Unter diese Assoziation mischt sich die Erinnerung an meinen eigenen Filzversuch – der erste und letzte zugleich. Denn das Geduldsspiel aus nicht endendem Einstechen mit einer Filznadel in ein kleines Wollbündel war einfach kein Handwerk für jemanden Ergebnisorientierten wie mich. Umso sprachloser war ich, als ich zum ersten Mal einen ganzen Teppich aus Filzkugeln sah. Kugel an Kugel: Was für eine beeindruckende Handarbeit! Was für eine geordnet rhythmische Struktur! Da zieh ich den Textildesigner-Hut.

Die Herstellung eines Filzkugelteppichs ist Handwerk- und Kunstwerk zugleich. Echte Schurwolle wird gekämmt und eingefärbt. Die Kammzüge, so nennt man die losen Wollstränge, werden portioniert und zu kleinen Kugeln durch Nassfilzen verdichtet. Schließlich werden bis zu 5000 dieser kleinen Kullern wie Perlen zu einem Teppich aufgefädelt. Klar, dass so aufwendige Produktionen in Billiglohnländer verlagert werden. Doch entgegen den gewohnten Berichten kann die Arbeit dort auch fair ablaufen. FilzKugelTeppiche ist da ein Paradebeispiel: Deren Filzschönheiten werden in Nepal produziert, doch die Mitarbeiter überdurchschnittlich entlohnt und ihnen ermöglich, auch von zu Hause zu arbeiten. Homeworkshop quasi.

 

Die wortwörtlich geballte Ladung innerer Schönheit strahlt natürlich nach Außen. Wie in einer Bienenwabe schmiegt sich Kugel an Kugel und ergibt eine atemberaubende Struktur. Die kann sich nicht nur sehen lassen, sondern auch erspüren. Es fühlt sich wie eine sanfte Massage an, wenn man auf den Filzkugeln steht. Für dieses haptische Erlebnis, mache ich ab und an Umwege durch die Wohnung, um nur ein weiteres Mal darüber laufen zu können.  Ihr merkt: Ich bin verliebt in meinen runden Filzteppich in Dunkelgrau. Und selbst unsere Gäste zieht der textile Kreis mit Optik und Haptik in seinen Bann.

Immer noch SOS
Die Erdbeben im Himalaya von April und Mai diesen Jahres sind bei uns längst vergessen. Die Menschen dort, darunter auch Frauen und Männer, die diese Filzkugelteppiche herstellen, kämpfen aber immer noch mit dem tragischen Verlust von Familienangehörigen und die große Verwüstung; die ehe schon müheseligen Wiederaufbauarbeiten werden von Monsunregen erschwären. FilzKugelTeppiche hilft seinen nepalesischen Mitarbeitern  ihr Leben mit finanziellen Mitteln – wie es eben aus der Ferne am besten geht – neu aufzubauen. Wer das ebenso gut findet, kann die Bemühungen direkt über eine Paypal-Spende (an payments@feltballrug.com) oder über das Rote Kreuz unterstützen.

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Dieser Post ist eine Kooperation aus Überzeugung.

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Kleine Schönheitsentdeckungen

Vom Pendeln zurück nach Hause zu kommen, ist in den letzten Monaten zum schönsten aller Gefühle geworden. Um das Zuhausegefühl bis ins Letzte auszukosten, hole ich mir Woche für Woche einen Sommergruß in die Wohnung. Kornblumen, Kosmeen, Wicken, Fingerhut, Schafgarbe. Je wild-romantischer, umso bezaubernder der Anblick.
Aktuell klebe ich vor Arbeit am MacBook, die Blumenvasen bleiben ungewohnt leer. Und dann kam die kleine Entdeckung. Egentlich immer dagewesen, steht die Petersilie auf dem Balkon nun in ihrer Blüte und hat so meine Aufmerksamkeit geweckt. Schnipp schnapp. Schon steht eine unverhoffte Schönheit auf dem Betttisch. Die Blütenstände der Balkonkräuter als kleine Minibumensträuße – so simpel. So gut. Erst Recht neben dem neuen Strickprojekt… 

Vase: Lyngbyvase von Lyngby Porzellan
Wolle: Marokko Cotton von Gedifra
Weinkiste: unbekannt (Geschenk meiner Tante – wie hab ich sie dafür gern)
Schiefertablett: Slate Plate von Nicolas Vahé 

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LEBEN & GENIESSEN

Croissant mal ganz anders

Kochbücher benutzen wir vermutlich anders als es ihre Autoren sich gedacht haben. Statt stupide nachzukochen oder zu backen, was uns an Bildern und Worten das Wasser im Munde zusammen laufen lässt, lassen wir uns von Rezepten lediglich inspirieren. Die Zutatenliste wird wie wild ergänz und umgeschrieben, manchmal sogar bis das ursprüngliche Gericht kaum noch zu erahnen ist. Oder wie im Fall von Fannys Patisserie (Fanny Zanotti bloggt übrigens auch),  als aus einem zuckersüßen Croissant pain perdu zum Frühstück  bei uns ein herzhafter Starter für einen sommerlich leichtes Abendessen wurde:

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Zutaten
2 Croissants
2 Eier
2  Zweige frischer Rosmarin
Salz & Pfeffer
50ml Vollmilch 3,8%
Butter
Parmigiano-Reggiano

Zubereitung
Eier und Milch zusammen mit Salz, Pfeffer und dem Rosmarin verquirlen.
Die Croissants halbieren und in einem flachen Gefäß in der Eiermischung
für etwa 1 min von jeder Seite einweichen lassen.
Butter in einer Pfanne zerlassen und die Croissants darin
beidseitig backen bis sie mit ihrem Gold locken.
Angerichtet mit Parmesan verfeinern
und jauchzend genießen.

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Die Croissants von einer kleinen, aber höchstfeinen Boulangerie in der Lettestraße 2 am Helmholzplatz, Berlin, liebe ich wie verrückt. Seit unserem Pain Perdu-Experiment kaufe ich dor immer auf  Vorrat ein. Die französische Variante des armen Ritters war zu sehr geglückt! Hach, wenn ich jetzt schon allein an den herzhaften und doch leicht süßen Geschmack zurück denke, huschen mir unbemerkt Mmmhms über die Lippen. Diese kleine Leckerei könnte es jeden Abend geben! Denn im Nu sind die Croissants geschnitten, Eier verschlagen und ein Deluxeessen mit kleinem Aufwand, aber großer Gaumenfreude auf dem Tisch gelandet.

In dem Sinne: Essen ist fertig!

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LEBEN & GENIESSEN

Zickzack für die kleinsten Füße

Wahre Stricker kennen keine Sommerpause! Diesen Ehrencodex treu zu bleiben, fällt bei diesem kühlen Sommer (kann man das überhaupt so betiteln?) ziemlich leicht. Ich persönlich mag es auch lieber, wenn das Garn sommerlich dünn ist, das durch meine Finger läuft, während die Nadeln wild zappeln. Socken sind da von Juni bis September ideale Strickprojekte ! 

Und wie hab ich mich letztlich unsterblich in dieses graphischen Paar verliebt! Doch weil aktuell nur Zeit für Kurzprojekte und stash-Aufbrauchen bleibt, musste eine Babyversion draus werden. Gesagt getan – zwei Muster schnell  zusammengeworfen, hier und da etwas abgeändert. Klapper klapper und nach wenigen Abenden war sie fertig: Meine Graphic Chevron Baby Socks-Abwandlung, die bald die zarten Füße eines kleinen Mega-Bootsbauers umzickzacken und beringeln.

Zum Nachstricken gibt es eine englische Anleitung mit Infos wie Nadelstärke und verwendeter Wolle hier im pdf. In dem Sinne: Happy summer knitting!

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Berlin: Patisserie Latodolche

Wenn der F-Mann sein Mitten-in-der-Woche-Wochenende feiert, durchstreifen wir regelmäßig Berlin auf der Suche nach seinen süßesten Plätzen. Das eigentliche Ziel hieß letztlich Anna Durkes. Eher enttäuscht über den fettigen Geschmack des Gelato, ließ ich meine Blicke nach Besserem schweifen und entdeckte dabei eine unscheinbare Patisserie schräg gegenüber. Ja, ich musste meine Augen spitzen, um Latodolche zu entdecken. Wegen ihrem zart-weißem Branding und lauter Glasscheiben ist die italienische Patisserie eher unauffällig. Eben ein echter Geheimtipp! Denn wer die delikaten Gebäcke und Törtchen probiert, meint einen Goldschatz am Ende des kulinarischen Regenbogens gefunden zu haben.

Kleine Törtchen schwebten auf Porzellan trapiert im Schaufenster. Von Pistaziencreme bis Lemon Meringue reichte die Palette der Minis. Sie sind tatsächlich nur Babyhand-groß. Aber das sagt nichts über ihre wahre Größe aus. Ganz im Gegenteil: Der Lemoncheesecake im Quadrat (der F-Mann stupst ihn gerade an) hat auf 4cm x 4cm x 2 cm alles an Geschmack, was sonst ein Kuchenviertel zusammenbringt. Vollste Kontentration an sonnengeküsster Zitrone und cremigem Weichkäse (schäzungsweise Mascarpone oder Ricotta, schließlich ist es eine Patisseria Italiania) par excellence. Neben diesen Geschmacksbomben fertigt Latodolche auch klassisch italienische Leckereien wie z.B. Tiramisu, italienische Brioche (die lustigen Hutbrötchen, in denen manche Italiener ihr Eis essen) und Canestrelli.

Auch wenn Latodolche noch ein Geheimtipp sein dürfte, da es die Patisserie erst seit etwa 3 Wochen gibt, macht sie kein Geheimnis darum, wie produziert wird. Alles passiert direkt hinter Schaufensterglas. Wer durchlugt entdeckt also typische Edelstahlflächen, Backutensilien und eine Kitchenaid neben der anderen. Wie alles in Aktion ist, können alle Neugierigen am Vormittag bestaunen; den Latodolche-Patissiers auf die Finger schauen, wenn sie ihre Kostlichkeiten herstellen.  Auch wenn wir das Showbanking verpasst hatten, waren wir nach der Gelato-Panne englich auf unseren Geschmackssinn gekommen und drehten deshalb schon an der Türschwelle für italienischen Nachschub um. Das allein ist doch bereits ein Statement für sich.

LATODOLCHE
Paticceria Italiania
Gräfestr. 11
10967 Berlin

Do – So 13:00 – 20:00 Uhr

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Farbenfrohe Möbel: outforspace

Seine Surflust trieb ihn immer wieder nach Indonesien. Doch Julian Reuter fand dort mehr als nur Spaß auf dem Wasser. Kurz vor seinem Bachelorabschluss in Produktdesign entdeckte er eine in Indonesien weit verbreitete Palme für sich. Und damit sein nächstes gestalerisches Projekt, eine Materialinnovation. Im Grunde seine Zukunft und die von Peter Kraft, Tobias Esser, Moritz Fuhrmann und Miriam Bröckel.
Zusammen sind die Fünf outforspace und haben Julians Rattan-Entdeckugen zu farbenfrohen Möbeln, Wohnaccesoires und Spielzeug weiterentwickelt, die es wortwörtlch in sich haben. Nämlich ein farbiges Wachsgemisch, das in einem mit dem Innovation Center Lichtenfels und der Universität Coburg entwickelten Patentverfahren in die Kapillarstränge der Rattanpalme injiziert wird. Damit werden die Hohlfasern der Pflanze vollständig gefüllt, das Naturmaterial gegen Wasser und folglich auch gegen Modern ressistent, wie es bisher in den feucht-tropischen Anbauregionen unumgänglich war. Dank Wachsinjektion ist Naturrattan jetzt endlich im Außenbereich nutzbar – eben outforspace.

Ihre Materialinnovation nennen nennen die outforspacer karrun. Die wächst vergleichbar schnell wie Bambus und ist auch mit Farbfülung rundum nachhaltig. Theoretisch kann karuun im hauseigenen Kompost neben Kartoffelschalen und Salatblättern abgebaut werden. Doch soweit kommt es mit sicherheit nicht. Die Produkte von outforspace sind viel viel zu schön dafür. Ihre Superior Ästhetik – wie outforspace sie selbst beschreibt – gründet sich in modern-bauhäuslierischer Formexzellent und Materialoptik. Letztere entsteht durch die Füllung aus farbigem Wachs, die im Rattan hauchfeine, linienartige bzw. punktierte Strukturen hervorruft– je ob Quer- oder Längsschnitt im Ratten. Ihre ästhetische Vollendungen finden die Strukturen in der Kombination miteinander, so potenzieren sie ihren eigenen Reiz. Vom Sofa rest bis zur Uhr time – alle Produkte spielen mit dieser Farbe- und Strukturkombination. Verbreiten Farbenfreude.

Oder kurz gefasst: Ich ziehe als Textil- und Produktdesigner meinen Hut vor der Leistung der outofspacer. Ihr Produkte sehen nicht nur wie tausend andere einfach gut aus. Sie belegen darüber hinaus eine bewusste Auseinandersetzung mit dem genutzten Material, seine funktionale und ästhetische Optimierung. Genau das ist meiner Meinung nach Design auf höchstem Niveau: Innovativ, nachhaltig, überzeugend schön. Deshalb kann ich nicht anders und möchte bitte play, hang und time in Rot als auch Schwarz auf einmal. 

Dieser Post ist keine Kooperation, kein bezahlter Artikel, nur ein Lob ab die Designleistung von outofspace. Peter und Julian haben mich in das Geheimnis von karuun an ihrem Stand auf dem Salite 2015 in Mailand eingeweiht und eben begeistert. Falls ihr beiden diesen Post lesen solltet: Tausend Dank noch mal für die Salone di Mobile-Eintrittskarten-Leihgabe – you made my day!

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LEBEN & GENIESSEN

365-Tage-Melodien

Du hast meine Neugier geweckt, da haben wir uns noch nie gesehen, nur über den halben Globus voneinander gehört. Und als du endlich den Raum betreten hast, hat deine Lebensfreude, dein breites Lächeln eine stille Kettenreaktion in mir ausgelöst, von der meine beste Freundin mehr wusste als ich selbst.
365+ und du bringst du mein Leben weiterhin zum Strahlen. Nie hab ich so gelacht wie mit dir, nie so tiefsinnig gut die süßen Seiten des Lebens geschmeckt. Mein Feinschmecker, mein Privatenternainer, Lebensberater, Endschleuniger und Motivator, Liebhaber, Designkritiker und großartigster Teampartner, den ich mir ausmalen konnte – take my love and take my time; tell your love she’s dear! 

Für den F-Mann / Last Love: Matrimony

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INTERIOR & DESIGN

Jedes Detail zählt: Weißes Gold von Barbara Schmidt zu sehen

Unsere Wege kreuzten sich erstmalig in Weißensee, als ich für meinen Bachelorarbschluss in ihr Semesterprojekt wechselte. Damals hatte ich noch keinen blassen Schimmer, welche Persönlichkeit sich hinter dem Namen verbirgt. Ich wusste nur eines: Wer Projekte zum Thema „Mahlzeit“ anbietet und in seinem Projekttext ausschreibt, Essen mit allen Sinnen zu erforschen, bespielen und durch Produkte aus Porzellan, Glas und/oder Metal mitzugestalten, ist – wie sagt man so schön – near and dear to my heard. Unsere Gemeinsamkeiten wurden um eine mehr, seitdem ich an der Burg Giebichenstein Halle/Saale mein Masterstudium angefangen habe. Denn etwa Ende der 1980er Jahre hat Barbara Schmidt die Ausbildung in dem Fachgebiet Glas-Keramik-Porzellan genossen. Unter dem selben Lehrer wie auch ich. Seit 1991 arbeitet sie bei KAHLA Thüringen Porzellan, wo sie immer wieder neue Essgewohnheiten in ihren Entwürfen aufgegriffen und so das Unternehmen auf neue, erfolgreiche Wege gelenkt hat. Ihren mehrfach preisgekröhnten Designs (meist KAHLA Produktionen) mit Gespür für Feinheiten, Sinnlichkeit und cleveren Benutzungsmöglichkeiten ist nun eine ganze Ausstellung in der Kunststiftung Sachsen-Anhalt gewidmet. 

Unter dem Motto „Fünf Sinne – Jedes Detail zählt“ sind in der Einzelausstellung zahlreiche Service aus dem KAHLA Sortiment und ein paar wenige Arbeiten aus dem Berliner Atelier, das übrigens im Kollwitzkiez liegt, zu sehen. Wer die einzelnen Entwürfe vergleicht und mit dem Auge durchdringt, entdeckt Barbaras Leidenschaft für Funktion, Japanisches, Köstliches, Poetisches. So deckeln sich in mehreren Serien verschiedene Einzelteile untereinander ab – was die Untertasse des einem war ist der Deckel des anderen (z.B. Update). Oder die langgezogenen Tellerkanten bei Elixyr, die Barbara als modernen Henkel begreift. Letztes Jahr hat hat sie mir in der Metallwerkstatt der UdK verraten, dass sie der Gedanke, jeder Löffel sei eine kleine Schüssel mit Griff, zum Elixyr-Enwurf inspirierte. So poetisch und sinnlich wie dieser Ansatz sind auch ihre Atelierporzellane: Zylindrische Becher mit einem Bodenrelief, das wortwörtlich von Glück und anderem Wohlergehen erzählt. Strahlend weißes Obst und Gemüse als Tischaccessoires. Und ein Ring mit Korkdiamant, befüllbar mit dem feinsten Parfum, auf dass seine Trägerin immer und überall verführerisch gut riecht.

Mit offenen Augen durch die Ausstellung zu gehen. Das ist mein großer Rat an alle Besucher. Wer in kindlicher Manier unter die Tische mit seinem Blick kriecht, entdeckt Gießformen, Gipskerne und andere Dokumente des Entwurf- und Produktionsprozesses. Wer genau in die Schüsseln sieht, findet feines Süß aus Japan. Und auch die Vitrine im Eingang, die Barbara Schmidt mit ausgewählten Designklassikern bestückte, die sie persönlich als Designerin prägten, geben Einblicke in die Arbeits- und Denkweise dieser bedeutenden deutschen Gestalterin der jüngsten Vergangenheit. 

Wen es also bald nach Halle verschlägt, sollte unbedingt alle Sinne spitzen und hier auf Entdeckung des weißen Goldes gehen:

Fünf Sinne: Die Burg-Absolventin Barbara Schmidt im Kontext des 100. Jubiläums der Kunsthochschule Halle
25.04. – 17.06.2015

Kunststiftung Sachsen-Anhalt
Neuwerk 11
06112 Halle/Saale
Mi-So 14:00 – 18:00 Uhr
Eintritt 3€ /Ermäßigt 1€

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Milano: Gelato Dreams

Was Eis angeht, kann man mir nichts mehr vormachen. Seit vier Jahren liegt das geliebte Hokey Pokey nur 7 min Laufweg von meinem Zuhause entfernt und über 1 Jahr lang kann man mich dort ab und an hinter der Vitrine entdecken. Dieses Deluxe-Eis hat meine Zunge geprägt. Und im Umkehrschluss alle Freude an dem Kühl geraubt, das vorher noch ziemlich nett war (ich sag nur Ben & Jerries und Florida Eis). Auch was italienisches Gelato betrifft, das alle Welt so lobt und bei dem ein oder anderen Totschlagargument für einen Urlaub in Bella Italia sein kann, bin ich vorbelastet. Patisseriemütze Niko und F haben mir eingetrichtert, dass Gelato ein cremiger Einheitsbrei aus Pulver- und Aromaeimern der Großindustrie sei. Mit unspektakulären Erinnerungen an das Eis in Kalabrien hatte ich die Message geschluck. Ich hege seither absolute Skepsis gegenüber Gelato.

Als mir in Mailand zum Salone Hanna und Romin von FAMOS in hohen Tönen von einem sagenhaft guten Eis in der Nähe von Cadorna vorgeschwärmten, konnte ich meine besagte Skepsis nicht unterdrücken. Doch ich hab mit den beiden den Schritt ins Shockolat gesetzt, hab bei ihrem Eis probieren dürfen und promt eine Gelato-Bekehrung erlebt. Was in meinem Mund dahin schmolz, war iatlienisch cremig. Ohne Stücke. Typisch Gelato. Doch geschmacklich soo soo gut, dass ich meine Einheitsbrei-Meinung über Board warf.  100% chocolate waren erdkerntief schokoladig und die kleinen Nibs darin ein haptischer Kontrast, der auf der Zunge einfach Spaß machte. Im Pistazien-Eis konnte man jeden Sonnenstrahl erschmecken, den die grünen Fruchtsteine darin je gesehen haben. Das hat tatsächlich einen Wettkampf mit dem Hokey Pokey-Pistazieneis entfacht, den das Shockolat – so ehrlich muss ich sein – gewinnt. 

Doch egal wie gut man den Geschmack eines sagenhaft leckeren Eises beschreiben kann, nichts überzeugt mehr als es selbst zu probieren. Also ab in das Shockolat, wenn ihr in Mailand seid! Für 2,50 € gibt es zwei Sorten zum Dahinschmelzen gutes Gelato in Becher oder Waffel inmitten eines stilvollen Ambientes. Um die Mittagszeit werden übrigens auch Pannini und Tramezzini angeboten, nachmittags und abends saftige Kuchen. 

Shockolat
Via Giovanni Boccaccio 9
20123 Mailand (IT)

Mo-Fr: 07:30 – 01:00 Uhr
Sa: 08:00 – 01:00 Uhr
So: 10:00 – 01:00 Uhr

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Vom Glück der Langeweile

Man hat nie Zeit, wenn man sich nicht Zeit nimmt, sich die Zeit zu nehmen

Dieser Spruch mag noch so affig klingen. Wie wahr er sein kann, hat vermutlich jeder schon einmal am eigenen Leib erfahren. Sich in einer Phase von hohem Workload und Zeitdruck eine Woche Urlaub zu gönnen, klingt nach einem unlogischen Plan. Denoch hab ich es gewagt. Ich hab mich frei von meinen hohen Ambitionen gemacht. Ich habe alle Aufgaben wie nasse, schwere Kleider von mir gestriffen. Das Ziel war klar: Sich leicht machen vom mentalen Muskelkater, die Gedanken lüften und neue Kraft tanken. Keine Frage – dieser Schritt hat Mut gekostet. Für ein Nein gegen die Erwartungen anderer und die eigenen Leistungsansprüche greift man tief in die Tasche. Doch das Preis-Leistung-Verhältnis stimmt. Wer sich die Zeit nimmt, sich Zeit zu nehmen, hat auf einmal eine Menge Zeit.

Ich hatte sie genau genommen vier Tage lang. 2 x 6 plus 2 x 24 Stunden. Auf Usedom. In Zinnowitz. Dort wo sich Anfang Mai 60 Stunden noch wie ein halbes Jahr anfühlt. Das Wetter wechselhaft und der Strand für Ostsee quasi leer. Die Mustsee-Liste war kurz (Strand, Düne, Seebrücke) und die Tage bestimmt davon, dass uns nicht mehr Aktivitäten als Spazierengehen und Faul-am-Strand-Liegen einfielen. Wir waren alsogelandet  in einer Oase des Nichtstun und Getriebensein ausschließlich von Langsamkeit und Zweisamkeit. Fast hatte ich vergessen, wie sich dieser Zustand anfühlt. Es war nur noch eine nebelige Erinnerung, wie ich als Schulkind während der Ferien nach meinem durchgelesenen Buch zu Tode gelangweilt habe. Damals hätte ich nie gewagt zu sagen, dass sich Langeweile so gut anfühlen kann. Glücksselig weich.

Glückselig weich ganz besonders dann, wenn ich barfuß durch den Sand spazierte. Oder auf dem unendlichen Moosteppich im frühlingsfrisch saftigen Wäldchen vor der Düne. Egal, wo wir lang liefen und hin sahen, wir durschreiteteten und erblickten nicht viel. Nur viel Leere: Leere Strandkörbe, eine leere Seebrücke, leere Dünenaufgänge, leere Waldwege. So viel natürliche Leere tat besser als jedes minimalistisch eingerichtete Apartment. Oder jedes weiße Blatt Papier. Sie ordnet Gedanken, fokussiert, holt mich wieder zu mir selbst zurück. Sie bringt ins innere Lot. 

Warum wagen wir die Schritte dort hinaus in die zweisame Einöde so wenig? Haben wir das Glück der Langeweile zu sehr vergessen?
Meine persönliche Antwort versteckt sich hinter meiner inneren Panik, nicht rechtzeitig zu schaffen, was geschafft werden muss. Angst hinterher zu hinken, Angst vor dem dicken Null auf dem Konto und der Jobkrise nach dem Studium. Typisch Generation Y? Maybe. In jeden Fall stelle ich mir die Warum-Frage. Denke um. Und so bekommt das typische „Aber ich muss doch …“ aktuell die Endung „… einfach mal nichts tun.“ Nur frei sein wie ein Vogel und ohne Gewissensbisse das Glück der Langeweile genießen. Ooooh ja! 

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LEBEN & GENIESSEN

Trommelwirbel und Konfettiregen

Meine Erinnerungen an meine Geburtstage als Kind und Jung-Teenager sind noch ganz plastisch: Verschlafen bin ich am Morgen in meinen Nachtsachen die Treppe herunter geschlurft. Mit den Fingern den Schlaf aus den Augen reibend. Manch einen Abend war ich vorher so aufgeregt, dass ich vor lauter Gedankenreisen gar nicht einschlafen konnte. Umso größer waren meine Augen, als ich auf dem letzten Treppenabsatz angekommen den Geburtstagstisch entdeckte. Typischerweise stand dort eine Kerze, ein Paar zarte Blumen aus dem Garten meiner Eltern und ein kleiner, aber feiner Geschenkeberg. Noch ganz benommen von der Neugier überwältigten mich dann immer warme Umarmung, Geburtstagsküsse- und wünsche von meiner Mutter. Für sie war mein Ehrentag wahrscheinlich ein noch besonderer Tag als für mich. Ein war, ist und bleibt der Tag, an dem sich mit meinem Leben ihr Leben änderte. An dem sie Mutter wurde und seither ihren ungebrochen starken Liebesstrom an mich verschenkt. Tag für Tag. Doch an meinem Geburtstag in ganz besodnerer Weise. Sichtbar in einem liebevoll gedeckten Geburtstagstisch.

So muss es sein. So gebe ich den Geburtstagsliebesstrom auch weiter. Und genau deshalb war ich so aufgeregt vor dem Heute. Das erste Jahr, wo ich dem F einen Tisch bestücke. Seinen Lieblingskuchen heimlich backe, die Geschenke schöner als ihren Inhalt verpacke, Ballons auf der Karte hinhänge, auf die Pauke haue. Geburtstagskinder gehören gefeiert! Ihr Dasein macht unser Leben bunter; zaubert Grinsebacken und Gefühlshochs. Gibt es einen passenderen Anlass als ihren Geburstag, um zeigen, wie wertvoll sie für uns sind… Genau deshalb kommt nun der Konfettisegen. Jeder einzelne davon ein herzensguter Wunschpunkt. Für den größten davon wünsche ich mir, dass er nie vergisst, wie wertvoll er ist.

Wie feiert ihr eure Lieben? Habt ihr ein Geburtstagsritual? 
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LEBEN & GENIESSEN

Pure Wortpoesie

Freunde sind für einiges gut. Manche ganz besonders für Überraschungen. So landete ich während meines Wochenende in der Pfalz auf einmal in einem Minikonzert: Kleiner Saal. Gemischtes Publikum mit Jeanshemden-Faible. Die Musik nicht so wirklich nach meinem außergewöhnlichen Geschmack. Doch auf dem Klavier drückte ein Wortpoet in die Tasten. Seine Texte trafen ins Mark. Sie rüttelten Gedanken auf, waren ein Seelensprachrohr. Und sie klingen in mir tonlos nach: 

Es gibt 1000 Etappen, auf der Route ins unbekannte Land.
Wer kennt die Gefahren? Wer hat sich schon auf dem Weg verrannt?
Wer weiß, wohin die Reise geht?
Wer kann mir sagen wohin?
Wer weiß, wohin dieses Leben führt?

Wir lassen uns fallen und fliegen nach oben.
Es gibt keine Grenzen, alles leicht verschoben.
Vom Dach der Welt mit den Füßen auf den Boden.
Der Schwerkraft enthoben, alles nicht gelogen.

Ich bau uns eine neue Welt, genauso wie es uns gefällt.
Ich bau uns eine neue Welt, genauso wie’s gedacht war.
Genauso wie’s gedacht war.

Im siebten Himmel
ist alles noch unbewohnt.
Ein Haus am Meer
ist auch noch frei.
In meiner neuen Welt
sind die dünnen Jahre vorbei.

Ich hab lieber nasse Füße vom über’s Wasser gehen.
Anstatt aus ’nem trockenen Boot dem Leben hinterherzusehen.
ich will lieber raus und nicht nur im sicheren Hafen bleiben.
Wer wirklich frei sein will, muss auf’s offene Meer,
auf’s offene Meer raustreiben.

Ich hab lieber nasse Füße vom über’s Wasser gehen.
Und nehme es in Kauf auch manchmal unterzugehen.
Ich will nicht nur fühlen, ob der Boden unter den Füßen trägt,
sondern auch blind vertrauen, wenn der Verstand mir im Wege steht.

Ich bin geboren, um zu leben,
um den Himmel hier auf der Erde zu finden.
Bin geboren, um zu leben,
um zu lieben und Liebe weiterzugeben,
Zu geben, um zu leben.

Wir stecken doch allein einem Kartenhaus, das sich Leben nennt
und schauen zum Fenster raus.
Die Vergangenheit spült versunkene Schätze ans Land.
Und die Zukunft liegt vor uns wie ein unbekanntes Blatt auf der Hand.

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