UNTERWEGS

Sleep well: Retrome Barcelona

Vielleicht drei Mal sind wir das Straßenende auf und ab gelaufen. Drei Anläufe um die Eingangstür zu unserem Hotel zu finden. Sie sah einfach zu normal aus. Keine Drehtür, die in die Lobby geführt hat. Kein überdimensioniertes Logo. Wahre Schätze sind eben nicht einfach zu finden. Das Retrome Barcelona war ein ganz besonderer. Ich hatte ja schon kurz davon berichtet: Es ist alles andere als ein Ableger einer seelenlose Hotelkette; keines, in dem man am Abend direkt im Zimmer verschwindet, um es am Morgen schnell wieder zu verlassen.  Im Gegenteil, das Retrome ist ein Ort, um sich in Barcelona wie zu Hause zu fühlen.

Wir hatten vielleicht das schlichteste aller Retrome-Zimmer abbekommen. Doch das war perfekt. Ich habe es geliebt, unter der Kupferlampe im Stil der Danish Modern aufzuwachen, die Fensterladen aufzuklappen und das Sonnenlicht unser Zimmer durchfluten zu lassen.  Wir blickten auf Palmen, einem zartem Apricot an der Hauswand gegenüber und Rattanstühle in coolem Türkies. Die Kombination hätte nicht besser sein können. Zumal wir sie wunderbar vom Bett aus bewundern konnten, das eine so bequeme Matratze hatte… Zum liegen bleiben oder mit nach Hause nehmen komfortabel.

Unübersehbar, das Retrome ist ein Ort, um sich in der Fremde zu Hause zu fühlen. Jedes Detail sorgt dafür. Von den Fliesenspiegeln, dem kleinen Ferrari California Modell oder den gepolsterten 70er Kleiderbügeln wie bei Omma. Frische Blumen auf dem Tisch, ein riesiger Kühlschrank und freier Zugang zur Siebträgermaschine. Ja schon allein im Retrome anzukommen: Man schleicht die schmale Treppe von der Haustür ins erste Geschoss hinauf, um die Hoteltür aufzuschließen, als wäre es die zum eigenen Apartment. Drinnen angekommen steht man im Herzstück des Retromes, einem großzügigen Loungebereich mit maigrünem Sofa, lauter Vinyl zum Selbstauflegen und vor allem eines: beeindruckende Wand- und Bodenfliesen. Wie mir Retrome-Gründer Monti Erdeapel verriet, handelt es sich um Andalusische Fliesen. Mit denen lies der Bauherr, ein Andalusischer General, der wegen seiner Katalanischen Frau nach Barcelona zog, ein Stück Heimat in das Jugendstilhaus einbauen. Als Erdeapel die Etage übernahm, um daraus das Retrome zu machen, war von diesen bunt gemusterten Schätzen noch nichts zu ahnen. Erst während der ausgiebigen Sanierungsarbeiten legte man unerwartet die einzigartigen Keramiken frei. 

Nicht nur in der Lounge, dem damaligen Hauptgästezimmer des Paares, sondern auch in allen Hotelzimmern tauchen die Fliesen wieder auf. Als Erdkabel sie entdeckte,  stand sofort fest, deren geschichtsträchtigen, warmherzigen Charme zum Hotelkonzept zu machen. „Wir wollten den Zeitmaschineneffekt, den die Fliesen und ihre Geschichte bei uns ausgelöst hatten, weitertragen“, plauderte Erdeapel weiter, „Wir wollen unsere Gäste ein wenig Zeit reisen lassen – wenn sie schon an einen anderen Ort reisen.“  Und so stürmte das Interior-Team durch Flohmärkte und Sammlerstuben in Amsterdam, Rome and natürlich Barcelona, um Vintage Möbel und Wohnaccessoires zu finden, die heute das nostalgische Feeling vom Retrome perfekt machen. Meine Favoriten:  der alte Klappkalender über dem Kühlschrank, die knallroten S43er von Mart Stam und der farblich passende Crosley natürlich.  

Genug geschwärmt. Am besten ihr macht euch selbst ein Bild und steigt bei der nächsten Barcelona-Reise dort ab. Oder holt euch den Flair ins eigene Zuhause.


Retrome Barcelona – Urban Retreat
Carrer de Girona 85
ES-08009 Barcelona

  

.

Advertisements
Standard
UNTERWEGS

Bello, bella: Das Beste aus Barcelona

Die grauen Tage haben mir langsam zu viel aufs Gemüt geschlagen. Ich hatte meine Vitamin D-Tabletten satt und wollte wieder echte Sonne sehen. Wie gut, dass meine Freundin A gerade in B wie Barcelona wohnt und mir von den frühlingshaften Temperaturen um die 20°C (im Januar !) vorgeschwärmt hat. Schwups war der easyjet-Flug in die katalonische Hauptstadt gebucht. Drei volle Tage, A als idealen Ratgeber für Insider-Tipps und natürlich den Mann im Gepäck – perfekte Voraussetzungen für ein ebenso perfektes Wochenende. Und das war es. Auch wenn ich gern noch zwei drei Grad Celsius mehr gehabt hätte. Na jedenfalls, kommen hier meine heißesten Tipps für Barcelona, mit denen ihr – abgesehen vom Wetter – eine City-Genussgaranie habt:

ÜBERNACHTEN 
Ich hatte es bei AnneLiWest entdeckt, mich sofort verliebt und musste dort unterkommen: Das Retrome Barcelona ist anders als alle anderen Hotels, die man in Barcelona findet. Statt auf den Trend aufzuspringen, bei dem alle Hotel Interiors wie solche in Skandinavien aussehen, ist das Retrome ein Hotel, das zur Stadt passt, in der es auch liegt. Cooles Vintage-Design mischt sich hier mit einer Prise katalonischen Flair aus bunten Musterfliesen, Stuckdecken und familiärer Atmosphäre. Heraus kommt ein grundsympatisches Hotel mit Zimmern, in denen man den ganzen Tag verbringen könnte. Details kommen bald, sehr bald.

Retrome Barcelona – Urban Retreat
Carrer de Girona 85
ES-08009 Barcelona

 

 

CAFÈS ZUM NIEMALS-WIEDER-RAUSGEHEN-WOLLEN 
Nachdem wir gegen 10 Uhr in BCN gelandet waren, hatten wir mächtig Hunger auf ein richtig gutes Frühstück. Das Café Federal hätte dafür nicht besser sein können: Es lag schön nah an einer der drei Haltestationen vom Aerobus, der selbst die Barcelonès (so nennen sich die Einwohner Barcelonas) am günstigsten und bequemsten downtown bringt. Außerdem ist das Federal ganz nach meinem Geschmack – in doppelter Hinsicht: Denn das kulinarische Angebot lässt sich sehen (Schaut euch nur dieses Ricottabrot mit Honig, Zitronenabrieb und Basilikum an!). Genauso wie das – ich geb’s ja zu – eher skandinavisch angehauchte, moderne Ambiente. Wortwörtlich obendrauf gibt es noch eine Sonnenterasse, von der man einen guten Blick ins Kiez hat. Es lässt sich also erahnen: Das Féderal ist beliebt. Solltet ihr dort keinen Tisch mehr ergattern, geht einfach die Straße weiter runter. Carrer Parlament ist die „Hipster Brunch Straße“, wie A sie so schön gesagt hat.

Federal 
Carrer Parlament Fortuny 39
ES-08015 Barcelona

Seid ihr gerade im Stadtteil um den Uniplatz und das Museum für Gegenwartskunst unterwegs? Dann macht unbedingt eine Kaffeepause im Caravelle. Überhaupt, trinkt Kaffee und noch mals Kaffee. In Barcelona kostet der Wachmacher so gut wie nichts.

Caravelle 
Carrer Pintor Fortuny 31
ES-08001 Barcelona

 

 

ANTI-GAUDI-SIGHTSEEING 
Sorry, auch wenn das die meist besuchten Sehenswürdigkeiten in Barcelona sind – es ist irgendwie nicht meine Ästhetik. Deshalb haben wir die Gaudí-Bauten und Plätze einfach übersprungen und uns den (wie wir finden) wirklich sehenswerten Kulturschätzen zugewandt. Erste Station war hier der Parc de la Ciutadella, der mit seinem Brunnen, der Drachenburg und viel Grün als prunkvolle Oase strotzt und inmitten der Stadt für Schatten und Erholung sorgt. Von dort aus sind wir östlich Richtung Strand geschlendert. Am Peix, dem Goldfisch von Frank Gehry,  dann barfuss im Sand weiter bis zur Skultur L’Estel de Ferit von Rebecca Horn.

Stadtspaziergang Nr°2 startete im sonnendurchfluteten Jardine de Rubió i Lurch, dessen Bäume bereits mit Orangen prall gefüllt waren. Nicht dort, aber im Parc de la Ciutadella haben wir heimlich welche stibitzt. Mit bitterer Ausbeute: Barcelonès wissen, dass man mit Bitterorangen Fruchtdiebe abschreckt. Lektion gelernt. Weiter zum Museum d’Art Contemporani. Auf dessen Vorplatz tobt das Leben. Der gehört der Skaterszene – als Fußgänger fühlt man sich hier wie ein störender, gefährdeter Fremdkörper. Deshalb sind wir ins CCCB geflüchtet und haben uns in die Sonderausstellung HUMAN+ gestürzt. Oh, diese Ausstellung! Ich kann sie euch wärmstens ans Herz legen, solltet ihr bis zum 10.April 2016 noch nach Barcelona kommen. Sie zeigt künstlerische Auseinandersetzungen und zukunftsträchtige Ansätze aus den Gebieten Produktdesign bis Chirurgie, die uns in Überlegungen versetzen, wie wir als menschliche Spezies zukünftig geschaffen sind, leben, arbeiten, wohnen. Faszinierend und stellenweise sogar abschreckend. Aber macht euch selbst ein Bild. Und noch ein Tipp: Legt eure Museumsbesuche auf Sonntag Nachmittag. Ab 15 Uhr gibt’s freien Eintritt!

 

 

SHOPPING & DESIGN
Barcelona ist unter Designern mächtig im Aufwind. Das erste was mir dazu einfällt: Tiny Cottons – ein junges Label mit cooler Kids Fashion, für die ich am liebsten schrumpfen würde. Die stylischen Muster und feshen Cuts könnt ihr im Concept Store in der Rambla Catalunya 31 bewundern  – und natürlich shoppen.

Falls ihr auch im Retrome absteigt, braucht ihr nur einmal um die Ecke gehen. Dort in der Aragó 316 liegt der Showroom von Kettal, dem namenhaften Hersteller für Outdoor Furniture. Als BA-Textildesigner habe ich natürlich ein ganz besonderes Auge für die Einbettung strukturierter Oberflächen und Gewebe im Möbelsegment. Hut ab! Kettal schafft es so Gartenmöbel, die durch ihr witterungsresistentes Material sonst eher unsexy daher kommen, endlich mit Pepp und Spaß am Draußensein zu versehen.

 

 

GENÜSSLICH ESSEN
Wir wollten’s gern gemütlich und lokal. Und haben zwei tolle Restaurants gefunden, die auch ohne Chichi überzeugen. Nr°1: Das L’Antic Bocoi del Gòtik, eine Empfehlung von F’s Pa. Zusammengefasst in 3 Wortpaaren: urige Atmosphäre, super sympathischer Service und katalonische Pizzen. Nr°2 ist das Mostassa. In lockerem Interior werden dort überaus bezahlbare Gerichte – – überwiegend vegan oder vegetarisch – aus regionalen Zutaten serviert.  

 

 

UNSERE ZWEI HIGHLIGHTS  
Als wäre das nicht schon genug Input für eine dreitägige Reise, habe ich noch zwei weitere Tipps parat. Aber welche, die keiner missen sollte. Denn sie haben unsere Reise unvergesslich gemacht. Da war zum einen einen der Palo Alto Market, der monatlich auf dem alten Fabrikgelände in der Carrer dels Pellaires stattfindet. Zwischen Backsteinmauern und Kakteendschungel haben wir uns dort von einem Foodtruck zum nächsten gegessen und coole Labels wie Hamabi entdeckt.  

Einen Wow-Moment, so einer, in dem man sich nur sehnlichst wünscht, dass die Zeit stehen bliebt, hatten wir auf dem Bunker del Camel. Ein kleiner Wanderweg führte uns an Kakteen und blühenden Kirschbäumen vorbei hinauf zu den übrig gebliebenen Resten der ehemaligen Luftwaffe-Abwehrstation. Schon die bunten Fliesen, die man im Betonkollos hier und da entdeckt, faszinieren. Auch die gelassene Atmosphäre: Lauter junge Barcelonès treiben sich hier rum, genießen den Sonnenuntergang, als würde das Wochenende niemals enden (wir waren übrigens an einem Montagabend dort). Stimmung wie auf dem Mauerpark. Nur noch viel großartiger. Denn Blick auf eine ganze Stadt, das Meer vor der Nase und Berge im Rücken – davon träumen wir Berliner … und fanden ihn etwa 2000 km südlich. ¡Oh, ja!

.

Standard
LEBEN & GENIESSEN, UNTERWEGS

Hello again!

In den letzten Monaten kam Fahrtgeschwindigkeit auf. Da hab ich mir selbstbewusst erlaubt, mich in aller Stille zurück zu ziehen. Doch nun. Luken auf! Herausgestreckt ins neue Jahr. Das hat zwar nur noch 343 weiße Blätter. Doch es zeichnet sich bereits ab: Zwanzigsechzehn wird ein Meilenstein. Der muss allerdings noch ein Semester auf mich warten. Bis dahin schau ich mir die Welt an: Wien war gestern. Barcelona kommt morgen. Und übermorgen geht’s nach Stockholm.

Weil das zu gute Aussichten auf spannende Reiseberichte sind, leg ich gleich mit dem ersten Tipp los: Wien. WU. Einen Ausschnitt des imperialen Universitätsgebäudes seht ihr oben. Als größter Campusneubau Europas hat er sich in die Bücher der Architekturgeschichte geschrieben, mit der Außenfassade vom größten der sechs Gebäude in mein Wiener Reisetagebuch. An der natürlichen Patina der Rostblechfassade und dem unregelmäßigen Muster, das die  Sonnenschutzklappen bilden, kann man sich nicht satt sehen. Und falls doch, liegt der Wiener Prater nur ein paar Schritte entfernt.

 

.

Standard
UNTERWEGS

Berlin: Haferkater

Wer sich noch an das Grød in meinen Kopenhagen-Tipps erinnert oder ab und an bei mir auf Instagram vorbeischaut weiß, dass ich ein absoluter Porridge-Liebhaber bin. Was im Deutschen recht unappetitlich klingt (ich schreib es extra kleiner: Haferbrei oder auch Haferschleim), landet bei mir Morgen für Morgen auf dem Frühstückstisch. Viele verbinden damit einen wässrigen Brei; ich kenne Porridge aber in erster Linie cremig und  unendlich vielfältig im Geschmack – Dank Mehrkorn-Flocken, Sojamilch und Toppings von Obst, Sojajoghurt, Spreads, Nüssen bis Samen. Genau deshalb ist es bereits so lange mein Jeden-Morgen-Frühstück, dass ich mich nicht einmal mehr an den ersten Tag der Porridge-Reihe erinenrn kann.

Kein Wunder, dass es für uns kein Halten gab, als der F-Mann über den Galileo-Beitrag vom Haferkater erfahren hat. Porridge, der nur mit Wasser zubereitet und dennoch überaus cremig sein sollte, mussten wir probieren.

In der Tat! Die Kater, so nennt Inhaber Leandro Burguete seine Porridgeportionen, haben eine sehr cremig-breiige Konsistenz und im Vergleich zur Milchvariante eine stark ausgeprägte Textur. Ein Geheimnis um die Rezeptur macht Burguete aber nicht. Denn Porridge auf Wasserbasis ist in Schottland seit jeher ein „Armermannfrühstück“ und besteht eben nur aus zwei Zutaten: Haferflocken und Wasser. Den überraschend cremigen Charakter erzielt Burguete, indem er den Hafer in einer Mühle zu weichen Flocken stampft und ihn dann anröstet, bevor das Ganze aufgekocht wird.

Eine wahre Kraftquelle wird der Porrdige durch Toppings wie die exotische Mischung aus Cranberries, Maul- und Gojibeeren mit Waldhonig, dem Nussmix mit Ahornsirup, Obstsalat oder Schokoladenabrieb.  Zwar sorgen die zahlreichen Ballaststofffe im Porridge für ein lang anhaltendes Sättigunggefühl. Die kleinere Portion Kater als einziges Morgenmahl reicht dafür trotzdem nicht aus. Für den durchschnittlichen Esser ist es eher als Porridge to go-Variante anzusehen. Wer also ein ausgiebiges Frühstück im Haferkater plant, sollte besser zur größeren Portion greifen oder sogar zwei davon bestellen. Außerdem ist noch eines unbedingt zu beachten: der Wetterbericht! Gemütlich eins zwei Stündchen sitzen, kann man dort nämlich nur am statt im Haferkater. Oder mit anderen Worten Orten: Outdoor heißt das Motto! Und das lässt sich mit einer guten Portion Sonnenschein im Gesicht dann doch am besten ausleben.

Haferkater
Boxhagener Str. 76-78
10245 Berlin

Mo – Fr 8:00 – 18:00 Uhr
Sa – So 9:00 – 18:00 Uhr

.

Standard
UNTERWEGS

Berlin: Patisserie Latodolche

Wenn der F-Mann sein Mitten-in-der-Woche-Wochenende feiert, durchstreifen wir regelmäßig Berlin auf der Suche nach seinen süßesten Plätzen. Das eigentliche Ziel hieß letztlich Anna Durkes. Eher enttäuscht über den fettigen Geschmack des Gelato, ließ ich meine Blicke nach Besserem schweifen und entdeckte dabei eine unscheinbare Patisserie schräg gegenüber. Ja, ich musste meine Augen spitzen, um Latodolche zu entdecken. Wegen ihrem zart-weißem Branding und lauter Glasscheiben ist die italienische Patisserie eher unauffällig. Eben ein echter Geheimtipp! Denn wer die delikaten Gebäcke und Törtchen probiert, meint einen Goldschatz am Ende des kulinarischen Regenbogens gefunden zu haben.

Kleine Törtchen schwebten auf Porzellan trapiert im Schaufenster. Von Pistaziencreme bis Lemon Meringue reichte die Palette der Minis. Sie sind tatsächlich nur Babyhand-groß. Aber das sagt nichts über ihre wahre Größe aus. Ganz im Gegenteil: Der Lemoncheesecake im Quadrat (der F-Mann stupst ihn gerade an) hat auf 4cm x 4cm x 2 cm alles an Geschmack, was sonst ein Kuchenviertel zusammenbringt. Vollste Kontentration an sonnengeküsster Zitrone und cremigem Weichkäse (schäzungsweise Mascarpone oder Ricotta, schließlich ist es eine Patisseria Italiania) par excellence. Neben diesen Geschmacksbomben fertigt Latodolche auch klassisch italienische Leckereien wie z.B. Tiramisu, italienische Brioche (die lustigen Hutbrötchen, in denen manche Italiener ihr Eis essen) und Canestrelli.

Auch wenn Latodolche noch ein Geheimtipp sein dürfte, da es die Patisserie erst seit etwa 3 Wochen gibt, macht sie kein Geheimnis darum, wie produziert wird. Alles passiert direkt hinter Schaufensterglas. Wer durchlugt entdeckt also typische Edelstahlflächen, Backutensilien und eine Kitchenaid neben der anderen. Wie alles in Aktion ist, können alle Neugierigen am Vormittag bestaunen; den Latodolche-Patissiers auf die Finger schauen, wenn sie ihre Kostlichkeiten herstellen.  Auch wenn wir das Showbanking verpasst hatten, waren wir nach der Gelato-Panne englich auf unseren Geschmackssinn gekommen und drehten deshalb schon an der Türschwelle für italienischen Nachschub um. Das allein ist doch bereits ein Statement für sich.

LATODOLCHE
Paticceria Italiania
Gräfestr. 11
10967 Berlin

Do – So 13:00 – 20:00 Uhr

.

Standard
UNTERWEGS

Milano: Gelato Dreams

Was Eis angeht, kann man mir nichts mehr vormachen. Seit vier Jahren liegt das geliebte Hokey Pokey nur 7 min Laufweg von meinem Zuhause entfernt und über 1 Jahr lang kann man mich dort ab und an hinter der Vitrine entdecken. Dieses Deluxe-Eis hat meine Zunge geprägt. Und im Umkehrschluss alle Freude an dem Kühl geraubt, das vorher noch ziemlich nett war (ich sag nur Ben & Jerries und Florida Eis). Auch was italienisches Gelato betrifft, das alle Welt so lobt und bei dem ein oder anderen Totschlagargument für einen Urlaub in Bella Italia sein kann, bin ich vorbelastet. Patisseriemütze Niko und F haben mir eingetrichtert, dass Gelato ein cremiger Einheitsbrei aus Pulver- und Aromaeimern der Großindustrie sei. Mit unspektakulären Erinnerungen an das Eis in Kalabrien hatte ich die Message geschluck. Ich hege seither absolute Skepsis gegenüber Gelato.

Als mir in Mailand zum Salone Hanna und Romin von FAMOS in hohen Tönen von einem sagenhaft guten Eis in der Nähe von Cadorna vorgeschwärmten, konnte ich meine besagte Skepsis nicht unterdrücken. Doch ich hab mit den beiden den Schritt ins Shockolat gesetzt, hab bei ihrem Eis probieren dürfen und promt eine Gelato-Bekehrung erlebt. Was in meinem Mund dahin schmolz, war iatlienisch cremig. Ohne Stücke. Typisch Gelato. Doch geschmacklich soo soo gut, dass ich meine Einheitsbrei-Meinung über Board warf.  100% chocolate waren erdkerntief schokoladig und die kleinen Nibs darin ein haptischer Kontrast, der auf der Zunge einfach Spaß machte. Im Pistazien-Eis konnte man jeden Sonnenstrahl erschmecken, den die grünen Fruchtsteine darin je gesehen haben. Das hat tatsächlich einen Wettkampf mit dem Hokey Pokey-Pistazieneis entfacht, den das Shockolat – so ehrlich muss ich sein – gewinnt. 

Doch egal wie gut man den Geschmack eines sagenhaft leckeren Eises beschreiben kann, nichts überzeugt mehr als es selbst zu probieren. Also ab in das Shockolat, wenn ihr in Mailand seid! Für 2,50 € gibt es zwei Sorten zum Dahinschmelzen gutes Gelato in Becher oder Waffel inmitten eines stilvollen Ambientes. Um die Mittagszeit werden übrigens auch Pannini und Tramezzini angeboten, nachmittags und abends saftige Kuchen. 

Shockolat
Via Giovanni Boccaccio 9
20123 Mailand (IT)

Mo-Fr: 07:30 – 01:00 Uhr
Sa: 08:00 – 01:00 Uhr
So: 10:00 – 01:00 Uhr

.

Standard
UNTERWEGS

Vom Glück der Langeweile

Man hat nie Zeit, wenn man sich nicht Zeit nimmt, sich die Zeit zu nehmen

Dieser Spruch mag noch so affig klingen. Wie wahr er sein kann, hat vermutlich jeder schon einmal am eigenen Leib erfahren. Sich in einer Phase von hohem Workload und Zeitdruck eine Woche Urlaub zu gönnen, klingt nach einem unlogischen Plan. Denoch hab ich es gewagt. Ich hab mich frei von meinen hohen Ambitionen gemacht. Ich habe alle Aufgaben wie nasse, schwere Kleider von mir gestriffen. Das Ziel war klar: Sich leicht machen vom mentalen Muskelkater, die Gedanken lüften und neue Kraft tanken. Keine Frage – dieser Schritt hat Mut gekostet. Für ein Nein gegen die Erwartungen anderer und die eigenen Leistungsansprüche greift man tief in die Tasche. Doch das Preis-Leistung-Verhältnis stimmt. Wer sich die Zeit nimmt, sich Zeit zu nehmen, hat auf einmal eine Menge Zeit.

Ich hatte sie genau genommen vier Tage lang. 2 x 6 plus 2 x 24 Stunden. Auf Usedom. In Zinnowitz. Dort wo sich Anfang Mai 60 Stunden noch wie ein halbes Jahr anfühlt. Das Wetter wechselhaft und der Strand für Ostsee quasi leer. Die Mustsee-Liste war kurz (Strand, Düne, Seebrücke) und die Tage bestimmt davon, dass uns nicht mehr Aktivitäten als Spazierengehen und Faul-am-Strand-Liegen einfielen. Wir waren alsogelandet  in einer Oase des Nichtstun und Getriebensein ausschließlich von Langsamkeit und Zweisamkeit. Fast hatte ich vergessen, wie sich dieser Zustand anfühlt. Es war nur noch eine nebelige Erinnerung, wie ich als Schulkind während der Ferien nach meinem durchgelesenen Buch zu Tode gelangweilt habe. Damals hätte ich nie gewagt zu sagen, dass sich Langeweile so gut anfühlen kann. Glücksselig weich.

Glückselig weich ganz besonders dann, wenn ich barfuß durch den Sand spazierte. Oder auf dem unendlichen Moosteppich im frühlingsfrisch saftigen Wäldchen vor der Düne. Egal, wo wir lang liefen und hin sahen, wir durschreiteteten und erblickten nicht viel. Nur viel Leere: Leere Strandkörbe, eine leere Seebrücke, leere Dünenaufgänge, leere Waldwege. So viel natürliche Leere tat besser als jedes minimalistisch eingerichtete Apartment. Oder jedes weiße Blatt Papier. Sie ordnet Gedanken, fokussiert, holt mich wieder zu mir selbst zurück. Sie bringt ins innere Lot. 

Warum wagen wir die Schritte dort hinaus in die zweisame Einöde so wenig? Haben wir das Glück der Langeweile zu sehr vergessen?
Meine persönliche Antwort versteckt sich hinter meiner inneren Panik, nicht rechtzeitig zu schaffen, was geschafft werden muss. Angst hinterher zu hinken, Angst vor dem dicken Null auf dem Konto und der Jobkrise nach dem Studium. Typisch Generation Y? Maybe. In jeden Fall stelle ich mir die Warum-Frage. Denke um. Und so bekommt das typische „Aber ich muss doch …“ aktuell die Endung „… einfach mal nichts tun.“ Nur frei sein wie ein Vogel und ohne Gewissensbisse das Glück der Langeweile genießen. Ooooh ja! 

.

Standard
INTERIOR & DESIGN, UNTERWEGS

Das Beste zum Schluss

Vielleicht ist euch das tannengrüne Poster mit dem versteckten großen D darauf in Erinnerung geblieben, als mich MiMa damals gebeten hat ein paar Fotos aus meiner Wohnung zu zeigen. Das D von PLAYTYPE war Liebe auf den ersten Blick – ästhetisch-minimalistische Typo und Farbgespür haben mich sofort gecatcht. Da lässt sich gut ausmalen in welchem Wall an Hochgefühlen ich den Store in CPH betreten habe! 

Den kleinen Laden hatte ich am letzten Tag des Kurztrips zufällig auf dem Weg zum Bäcker entdeckt. Ich wusste zwar, dass PLAYTYPE dort sitzt, war aber dennoch überrascht den unscheinbaren Store erkannt zu haben. Wahrscheinlich weil das Corporate Identity gut gewahrt ist: Drinnen sieht es aus wie auf der Homepage selbst – sehr weiß, sehr grafisch, eine Menge Buchstaben. Zu schön.
Auf den non-virtuellen Ladenregalen findet sich jedenfalls neben einer Auswahl aktueller Poster und Prints auch Mode, RAINS-Regencapes im PLAYTYPE-Style, Laptopcases, Papiere, Notizbücher und Becher, die an die Letter Cups von Arne Jacobsen erinnern.  Auch wenn es eindeutige Unterschiede zwischen der Jacobsen- und der PLAYTYPE-Variante gibt (Stapelkante und langgestreckte Typo bei ersterem, Kantenrundung und breitere Typo bei letzerem), selbst das Packaging weist eindeutige Parallelen auf. Das muss wohl der unveränderliche Spirit der Stadt sein …

Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin oder her, ein Stop in dem kleinen Store lohnt sich. Und alle die es in nächster Zeit nicht nach CPH schaffen, können hier schon einmal den virtuellen Concept Store betreten.

Playtype™ Concept Store
Værnedamsvej 6
1619 Copenhagen V
Dänemark 

.

Standard
UNTERWEGS

Copenhagen Summa(e)ry

Dass nach dem Abschlussendspurt mit Präsentationen und Ausstellung ein Trip in meine Herzensstadt København die Belohnung für alles Mühen sein würde, hatte ich schon erwähnt. Vor Abflug habe ich mich gefragt, ob man bei einer Reise in die Stadt, in der man bereits ein halbes Jahr gelebt hat, von Urlaub sprechen kann (erst recht, wenn es nur vier Tage sind). Wird es den Erholungsfaktor auch im Rummel einer Stadt geben? Und schließt sich der per se aus, wenn man seinen Laptop und Arbeitspflichten mit in den Koffer packt? 
Meine Antwort steht fest: In der Stadt Urlaub zu machen, die man bereits wie seine Westentasche kennt, entschlackt das Programm. Spannende Museen waren ja bereits besucht; die Must-See-Liste längst abgehackt. Damit blieb ausgiebig Zeit, um in Nostalgie zu schweben, alle alten Lieblingsorte zu besuchen und das feeling der Stadt auszukosten. Dank der vielen schönen Parks, die Ostsee in Fahrradfahrnähe (!) und kulinarischem Genuss lies die Erholung nicht lange auf sich warten. Am Ende ist das entscheidende am Urlaub ja doch, dass man das Gewohnte verlässt und den Gedanken wieder freien Lauf gibt. Das haben selbst eins zwei Stunden Arbeit am Laptop jeden Morgen nicht durchkreuzen können – Arbeit im Bett ist nur halbe Arbeit und mit Kaffee auf dem Nachttisch eigentlich schon Frühstück. Sag ich mal.

.

Hier die Zusammenfassung meiner vier sommerlichen Tage in der Herzensstadt, kategorisiert in Verben:

OVERNATTE Übernachten 
ist für mich eigentlich keine große Sache. Wichtig ist mir nur ein einigermaßen bequemes Bett – den restlichen Tag ist man ehe so gut wie nie in der Unterkunft. Da Einzelzimmer im Hostel und Hotelzimmer sich kaum merklich im Preis unterscheiden, hab ich mir dieses Mal den Luxus gegönnt, in einem Hotel abzusteigen. Nach Empfehlung von Freunden ist es das Axel Guldsmeden geworden, das in Preis-Leistungs unschlagbar ist. Inklusive ist ein allmorgentlicher Bio-Äpfel und -kaffee und die hauseigene Bio-Pflegeproduktlinie. Dank Batterieproblem im Feuermelder gab es sogar ein Zimmerupgrade bekommen. Besser hätte es nicht sein können.

KOMME SIG  Erholen 
lässt sich in Kopenhagen am besten am Strand in Amager oder Klampemborg. Wenn das Wetter mal wieder weniger sonnig und warm ist, können auch die idyllischen Parks herhalten. Am hyggeligsten finde ich es im Frederiksberg Havne oder im zentral gelegenen Botanischen Garten

SPISE  Schlemmen 
kann man bestens in ganz København. Auch wenn man der Versuchung widerstehen sollte, von dänischen Kronen in Euro umzurechnen… Für ein gesundes Frühstück kann ich jedenfalls das Grød in der Jægersbroggade 50 wärmstens empfehlen. Der porridge ist nicht nur eine leckere Alternative zu boller und kanelsnegl (die würde ich dann bei der Meyers Bageri kaufen), es ist ernährungstechnisch ein optimaler Tagesstart, um einen Tag lang durch CPH zu radeln oder zu schlendern.

Kaffee danach und zwischendurch gibt’s an der Ecke vom Rosenborg Park im kleinsten Café der Stadt. Für eine längere Kaffeepause oder das nächste Frühstück sollte man unbedingt das Kompan’9 besuchen – mein absolutes und deshalb so viel beschriebenes Lieblingscafé.
Am Abend speist es sich modern und edel im Höst. Dort ist das Menü ein echtes Event  – jeder einzelne Gang wird wie ein Star vorgestellt, Kartoffeln dampfend serviert und Soßen vor den Augen über das Gericht gegossen. Alles sinnlich angerichtet auf feinster Keramik von New Norm und Menu-Glas. Wer sich durch die Links klickt, versteht, warum man dort einen Tisch reservieren muss.

Nachdem ich Eis-verwöhnt vom Hokey Pokey bin, war es schwer in der Herzensstadt wirklich gutes Eis zu finden. Als einziges crème-Eis hat mich das von Social Food im Gammel Kongevej 115 zufrienstellen können, auch wenn es qualitativ nicht an das von Hokey Pokey herankommt. Doch sowohl konzeptionell als auch geschmacklich überzeugt haben mich ENGMARK, die einen kleinen Stand an den Travernehallen haben.  Dort bekommt man Jersey Milk Popsicles mit Bio-Zutaten ausschließlich aus Dänemark; in verrückten Kombinationen wie Minze mit Kornblumen, Kartoffeleis mit Kürbiskernen und Rosmarin oder Rhabarber mit Engelwurz. So lækker!

.

Standard
UNTERWEGS

Weites Grün: Volkspark Blankenfelde

Mittlerweile ist es wieder über drei Wochen her, dass Freunde und ich uns die Fahrräder geschnappt haben und dem Berliner Rand entgegen geradelt sind. Der Volkspark Blankenfelde war unser Ziel und ist ein echter Ausflugstipp für Feiertage wie am Montag wieder einer kommt. Mit dem ersten Schritt in den Park blickt man einem Gewächshaus entgegen, das das Café mint beherbergt. Zwischen Pflanzen lässt sich dort ein Stück der sagenhaften Kuchen und Torten vernaschen, die der Café-Besitzer Tom Rolleston zaubert. Mein Zitronen-Holunderblüten-Cheesecake war jedenfalls Augen- und Gaumenschmaus zugleich! Zum Jauchzen gut! Und auch die Scones, die im Café eines waschechten Iren mit Rotschopf natürlich nicht  fehlen dürfen, sind wärmstens zu empfehlen.

Gut gestärkt vom mint lässt es sich gleich noch entspannter durch den Park schlendern. Grün überall. Saftiges. Dazu Weitblick im Vollformat – man könnte denken, bereits mitten im Brandenburgischen zu sein. 

Dort draußen zu sein, war ein catching up mit 2014. Zu sehen, wie weit der Frühling fortgeschritten ist, wie der Sommer schon laut Hallo ruft, hat mich mehr im Jetzt ankommen lassen. Ich hab aufgerückt, nachdem ich gedanklich noch im Jahresbeginn stecken geblieben bin. Ich denke endlich Sommer! Und das ist so gut, dass wir Purzelbäume in der kniehohen Wiese geschlagen haben. Und Räder dazu. Wenn das Leben so gut ist, muss man für einen Augenblick wieder Kind sein.

.

Standard
UNTERWEGS

Immer einen Besuch wert

Das Wochenende wirkt in mir weiter nach. Endlich wieder einmal weiter weg gewesen zu sein, tat gut. Richtig gut. Die lange Bahnfahrten brachte unglaublich viel freie Zeit mit sich. So viel ungewohnt freie Zeit konnte ich gar nicht mehr einschätzen und habe viel zu viel Unterhaltungsprogramm eingepackt. Den Mac hatte ich noch nicht mal eingeschaltet, die Stricknadeln blieben still. Nur ein bisschen Lesen und ich war bereits in Köln. Bitte sagt, es geht euch ebenso!

Für das Wochenende eigentlich nur Umsteigeort gewesen, hab ich mir in Köln eine dreistündige Aufenthaltsdauer gebucht. Um noch mal ins Museum Ludwig zu gehen. Ein Besuch dort ist für mich mittlerweile Pflicht aller Kölnaufenthalte geworden. Egal wie lange die sind. 

Das Museum wurde 1976 im Zuge einer vertraglichen Schenkung des Sammlerpaares Ludwig an die Stadt Köln gegründet. Kontinuierlich erweitert durch weitere Schenkungen der Ludwigs, anderer Stifter und durch Ankäufe, umfasst die Sammlung des Museums bedeutende Werke von der klassischen Moderne bis hin zu solchen aus aktueller Kunstproduktion. Nicht umsonst gehört es damit zu den bedeutendsten europäischen Museum für Gegenwartskunst.

Da es gerade für alles ein Slow gibt, behaupte ich Slow Visitor zu sein. Ich schaue mir lieber weniger an, dafür mit Tiefenblick. In meinen letzten Museum Ludwig-Besuchen hatte ich mich eher den Werken aus Expressionismus, russischer Avantgarde, Popart und der Picassosammlung der Ludwigs gewidmet, für die das Museum bekannt ist. Diesmal galt mein Blick jedoch den fotographischen Arbeiten. Besonders angetan war ich von Bruce Naumans „Studien für Hologramme“ (Lippenfotos) von 1970 und Allen Sekulas „Diasequenz ohne Titel“ (SW-Arbeiten), ebenfalls aus den 70er Jahren. Während Naumans unglaublich humorvolle Arbeit so sehr dem aktuellen Instagram-Duplex-Style entspricht, dass man sich die Fotografie gern ins Wohnzimmer hängen würde, ist Sekulas Serie eine Art fotographischer Roman. Einmal eingedacht in seine Bilder eröffnen sich Welten aus Charakteren, Emotionen und Nostalgie. Das allein und der Blick auf Dom, Innenstadt und Rhein, den man von den Dachterassen des Museums eröffnet bekommt, ist allein einen Kurzbesuch wert gewesen. 

Museum Ludwig
Hein­rich-Böll-Platz
50667 Köln

Öffnungszeiten:
Di­en­s­tag bis Son­n­tag (in­kl. Fei­er­tage): 10 – 18 Uhr

.

Standard
UNTERWEGS

Zickerschen Berge: Ein Traum von Natur

Meine kleine Blogpause hat sich irgendwie ergeben. Keineswegs geplant und daher nicht angekündigt. Aber ich bin mir sicher, auch ihr habt die Ruhe zwischen den Jahren genossen. Diese ganz besondere Zeit geht dort, wo ich aufgewachsen bin, immer bis zum 06.Januar. Das fehlt mir, seitdem ich in Berlin wohne. Doch dieses Jahr sind die Tage so gut gefallen, dass die Seele-Baumeln-und-neue-Kraft-fürs-neue-Jahr-tanken-Zeit selbst ohne Feiertag (fast) genauso lang war.

_MG_1476a

Ja, die Seele konnte ich richtig baumeln lassen. Der eine und ich sind ganz spontan zu seiner Schwester nach Rügen, um dort jeden Tag ganz langsam anzugehen und vorüberziehen zu lassen. Und ich hatte noch ein weiteres Vorhaben für Rügen: Den Ort besuchen, der zu meinen liebsten auf der Welt zählt.
Ganz im Süden der Insel liegt er. Oder sagen wir sie – die Zickerschen Berge. Gleich hinter einem gemütlichen, alten Fischerdorf fangen sie an. Wenn man die Hügel in aller Ruhe erklommen hat, kann der Blick weit schweifen. Von West-Nordwest bis Süd erstreckt sich der Greifwalder Bodden, und in den restlichen Richtungen die geliebte Ostsee. Zwischendrin begegnet man kleinen Baumfamilien, an geschäftigen Tagen eine Hand voll Spaziergänger und außerhalb der winterlichen Jahreszeit ganz, ganz viele Schafe. Wer sich das weiter ausmalt, dem wird klar, warum ich einmal im Jahr in dieses hyggelige Ländchen muss. Und warum man dort selbst das Bloggen unbemerkt vergisst. 

_MG_1471

_MG_1408

_MG_1451a

Damit zurück in die Alltagsfreuden. Auf in ein neues spannendes Jahr! Zwanzigvierzehn. Euch (und auch mir) das beste dafür!

Flatter this

Standard
INTERIOR & DESIGN, UNTERWEGS

Tritt ins Glück herein: Harvest & Co

Harvest

Ich hatte euch ein paar Fotos vom Harvest & Co. versprochen. Ein paar sind jetzt ein paar mehr. Es war einfach zu beeindruckend dort. Jeder Millimeter war ein Foto wert. Und so kommt hier meine Sturmflut an Impressionen aus dem Shop&Café. Ganz unkommentiert, weil die Bilder Bildbuchbände sprechen.

_MG_1461a

meingefangen_Harvest & Co2

_MG_1442a

Insight

_MG_1450a

Private

Wäre das Kinnfolk Magazine begehbar, wäre es sicherlich das Harvest & Co. Es die Fundgrube für Nostalgiger und alle, die es gerne raw mögen. Der Folkstyle steckt in jedem Detail: In jeder alten Industrielampe. In den Gebrauchspuren auf den alten Kisten. In jeder textilen Faser. Und schon allein, dass sich hier und da echtes Grün finden lässt! Da freuen sich nicht nur die Augen, sondern auch die Nase. Wenn der große Lilienstrauß seinen süßen Duft versprüht.

Workshop. Open!

meingefangen_Harvest & Co

meingefangen_Harvest & Co3

Helmerstr. 90-96

Wer auch in dieses Augenglück hinein treten mag:

Harvest & Co.
Tweede Helmersstraat 90-96
1054 CN Amsterdam

Mon & Wed- Fri: 7-7
Sat & Sun: 9-7

Flatter this

Standard
UNTERWEGS

Where I can loose myself

Amsterdam ist mir immer noch ein urbanes Rätsel. Selbst nach dem dritten Besuch fordert die Stadt meinen Orientierungssinn aufs neue heraus. Egal in welche Straße ich einbiege, sie ist genauso (schön) wie die davor: Kanal. Brücke. Parkende, klingelnde oder an einem vorbei sausende Fietsen. Und vor allem die alten Backsteinhäuser.
Zusammen mit den zwei Schwestern hab ich das Wochenende in der quirrligen Stadt verbracht. Ich bin mit den beiden höchst entspannt durch die vielen Straßen geschlendert und hab mich verloren. Zum Glück nur in den viel zu schönen Läden, die sich hinter dem Backstein verstecken.

_MG_1343c

meingefangen_Amsterdam5

Als erstes haben wir uns im Penelope in der Kerkstraat 117 verlaufen, zwischen all den feinen Garnen. Irgendwo zwischen Holst und Cascade oder  Madelinetosh und Malabrigo. Die Besitzerin vom Penelopes ist unglaublich herzlich und gern für einen Plausch zu haben. Auch über ihre Freundschaft zu Stephen West, der sich übrigens auch in Amsterdam sesshaft gemacht hat.
Ich hatte gar nicht genug Zeit, um mir auszumalen in welchem Backsteinhaus er wohl wohnt und Maschen um Masche strickt. Denn vom Wollladen aus kamen wir nicht weit. Schon am Ende der Kerkstraat haben uns im Schaufenster vom Stach die riesigen Cookies (übrigens ein überdimensionaler, runder Spekulatius) und andere typisch holländische Bäckereien angelacht. Der Laden ist unglaublich schmal. Doch es lohnt sich, die Klaustrophobie für drei Sekunden zu unterdrücken und sich schnell ein Leckerli zu holen.

meingefangen_Amsterdam4

Mit unserer Wolle in der Tasche und dem letzten Krümel an den Lippen wurde es Zeit für einen koffie verkeerd. Oder mal wieder einen Chai Latte. Locals hatten Mim das Cotton Cake empfohlen. Es ist eigentlich ein kleiner Konzeptstore für Womenswear, hat auf halber Raumhöhe aber noch eine kleine Caféecke. Alles ist herrlich weiß im CottonCake. ganz wie die Baumwollblüte. Das lenkt alle Aufmerksamkeit auf liebevolle Details wie die Backsteinwand, die alten Apothekerschränke, die zarten Stoffe, … Lustschlösser lassen sich in Shop & Café eben kinderleicht bauen.

_MG_1381aa

_MG_1364e

_MG_1372aa

meingefangen_Amsterdam7

_MG_1387aa

Neben einem kleinen Shoppingstop im Hutspot – eine Kombination aus Barbershop und Conceptstore unten und Café oben – und dem Bon Iver Konzert im Paradiso, haben wir den letzten Tag im Harvest & Co verbracht. Mim hat uns dort mit zu einem Blogger MeetUp genommen, das von ihrer Klassenkameradin aus dem ecourse bei decor8 organisiert wurde.

MeetUp

Der Shop mit Café (die Kombination scheint ein ewiges Erfolgsrezept zu sein) ist DER Amsterdam Tipp. There, I completely lost myself. Warum zeig ich euch in den nächsten Tagen.

Flatter this

Standard
UNTERWEGS

Auf Heimatboden unterwegs

orbit_10

Seit dem ich Berlin Ende Januar verlassen habe, wird die Welt in meinen Augen immer kleiner und kleiner.  Mal schnell nach Antwerpen. Eine Freundin in Utrecht und Amsterdam treffen. Und dieses Wochenende geht es zu einer Studienkonferenz nach Bonn, doch Übernachten in Düsseldorf. Was sind schon 75 km, wenn mich rund 680 km von dem Zuhause trennt, was mein Herz Heimat nennt. Ein ganz schön seltsames Wort, diese Heim(at). Ein paar Wände an einem bestimmten Ort. Und dennoch so viel mehr: Private Schätze. Gelebte Momente mit geliebten Menschen. Ein Ort, an dem ich mein Herz verloren habe, weil er mein Herz erobert hat.

Ich geb‘ den Gedanken noch ein wenig Raum nach oben. Dort, wohin auch mein Blick im Ständehaus gerichtet ist – zu der wolkenleichten Himmelslandschaft Inorbit von Tomás Saraceno. Ich würde so gern über die Drähte laufen und das Brausepulverkribbeln im Bauch spüren. Doch ich habe das Museum einfach zu spät entdeckt und hätte so lange anstehen müssen, dass ich meinen Zug verpassen würde. Aber das ist ok. Denn selbst von unten, mit dem Füßen sicher auf dem Boden, komme ich ins Schwanken, umso länger ich hinauf gucke.

orbit_05

orbit_03 

Flatter this

Standard