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Halle: Hans+Grete im Vintagerausch

Jetzt ist es tatsächlich fast ein Jahr her, dass ich mich von der Stadt an der Saale verabschiedet habe. Wir sind freundschaftlich verblieben, aber von inniger Liebe waren wir weit entfernt. So wird es wohl auch bleiben. Und dennoch, zwei Dinge fehlen mir ganz schrecklich an Halle: das Mitte Ende Mai (mein Lieblingscafé) und der tägliche, lechzende Blick in die Schaufenster von Hans+Grete, das damals noch in der Ludwig-Wucherer-Straße war. Damals wie heute in der neuen Location versammeln sich in diesem feinen Laden die aberschönsten Vintageschätze, liebevoll kombiniert.  Möbelstücke, die einst in Fabriken, Werkstätten, Schulgebäuden und Arztpraxen ihren Dienst geleistet haben und nun gut aufpoliert die besondere Stimmung ihrer Zeit und Orte neu versprühen. 

Die Eltern von Hans+Grete, das sind übrigens Sven Düwel und Helen Schneider. Und lasst euch eines sagen: Wenn jemand eine so schöne Fundgrube mit nostalgischen Schätzen schaffen konnten, dann die beiden. Sven war knapp 10 Jahre lang in der Marketingabteilung von IKEA und damit grundvertraut mit Einrichtungsprodukten. Helen wiederum ist als Kommunikationsdesignerin Geschichtenerzählerin auf visueller Ebene. Irgendwie logisch, dass im Doppelpack ein Möbelgeschäft herauskam, wo man mit jedem Ding gleich drei Bände Geschichte gratis dazu bekommt. Sie erzählen, wie schweißtreibend es für kleine Jungs und Mädels in High Waist Shorts war, mit dem viel zu schweren Medizinball Fitnessübungen zu machen. Oder wie am Milchtag früher die gerade in Glasflaschen abgefüllte, fettreiche Milch mit dem Metallkasten vom Bauern nach Hause getragen wurde. Wie spät wohl noch Opa in seiner Autowerkstatt zu Hause rumgeschraubt hat? Davon verraten die alten Industrielampen und die Werkzeugschränke. Doch alles nur dem, der genauer hinsieht; der tiefer sieht und so viel mehr als nur Form und Material. Ich glaub, ich muss mich korrigieren: Die Dinge erzählen gar nicht. Sie flüstern uns ganz leise ihre Geschichten zu.

So viel Nostalgie und Fantasie nun mal bei Seite. Man traut seinen Augen kaum, auf welche großartigen Schätze man im Ladengeschäft trifft. Jedes einzelne hat Sven auf Märkten entdeckt und mit Herz und Blut wieder aufgemöbelt. Wer einen Blick durch den Laden schweifen lässt, dem fallen sofort die vielen ROWAC-Produkte auf. Für die alten Hocker, Stühle, Werkzeugschränke und Spinde des 1888 gegründeten Unternehmens Robert Wagner Chemnitz – damit übrigens eines der ersten Serienproduzenten von Betriebsinventar – hat Sven anscheinend ein besonders schwarfes Auge. Was für ein Glück! So warten die nun in guter Gesellschaft auf ein zweites oder drittes Leben.  Und machen uns alle Vintagerausch-gleich schwach.

Hans+Grete
Kleine Ulrichstr. 18
06108 Halle (Saale)

Di – Fr 12:00 – 18:00 Uhr
Sa 10:00 – 14.00 Uhr

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Last-Minute-Ostereier

Kaum zu glauben, da ist es in nur wenigen Tagen schon wieder Ostern. Gefühlt war es bei uns nämlich schon seit Anfang Februar. Seit die Ergebnisse zweier DIYs für Houzz unseren Esstisch zierten. Mittlerweile wieder verschwunden – Strauß samt Anhänger und Färbeeiern als auch die österliche Stimmung – wird es Zeit, zum Fest wieder aufzutischen. Also her mit einem superschnellen DIY für frisches Osterfeeling. Meine Highspeed-Empfehlung: Eier mit Nagellack marmorieren! Das geht nicht nur in Windeseile, sondern funktioniert mit Materialien, die ehe zu Hause rumkullern. Das Allerbeste: Die Deko passt zum Fest perfekt zu den Fingernägeln. Oder vice versa… 

WAS DU ALLES BRAUCHST 
• Nagellack (Psst: Das ist die Gelegenheit weniger geliebte Farben
endlich aufzubrauchen und sich neuen zu kaufen. Hehe)
• weiße Bio-Eier, bereits hart gekocht
• altes Einwegglas oder Plastikbecher
• Einweghandschuhe
• Stäbchen zum Umrühren
• Stecknadeln
• ggf. Nagellackentferner

 

UND SO GEHT’S  
1. Als erstes füllst du dein Gefäß mit Wasser voll. Das muss ziemlich genau Raumtemperatur haben, damit dein Nagellack auf der Wasseroberfläche halten bleibt. Nun kannst du Nagellack auf die Wasseroberfläche tropfen lassen. Umso mehr Tropfen es sind, umso intensiver wird die Farbe später auf dem Ei.
Schnell sein, lohnt sich: Lass zwischen den einzelnen Tropfen nicht allzu viel Zeit, sonst kühlt der Nagellackfilm zu schnell aus. Wennd as passiert, kannst du nicht mehr den Lack mit dem Stäbchen zu verrühren, um den Mamoreffekt zu erzeugen.
2. Gib nun behutsam das gekochte Ei vorsichtig ins farbenfroge Wasserbad. Ganz von selbst wird sich der Farblack um das Ei legen und dir einen hübschen Mamore-Effekt bescheren. Den kannst du vollends bestaunen, wenn du es aus dem Gefäß angelst. Und hierbei nie, aber auch niemals die Handschuhe vergessen! Sonst brauchst du nach diesem schnellen DIY dringend ein Handbad aus Nagellackentferner.  

3. Die nassen Eier lässt du schließlich auf einer cleveren Nadelstütze trocknen. Dafür steckst du –  am besten schon vor dem Färben – einfach pro Ei vier Stecknadeln im Recheck auf halber Länge in die Eierpappe. Falls deine Nadeln sehr dünn sind und schon mit leichtem Druck in die Pappe reinrutschen, kannst du einfach etwas Altpapier in das Innere der Eierpappe stopfen.

Et voilà! So schnell ist ein farbenfroher Ostergruß für die Tafel gezaubert. Bei uns ligen sie in einer meiner Porzellanschalen – in bester Gesellschaft von den Betoneiern, die ich vor zwei Jahren gegossen hatte. Wenn die mamorierten Schwestern nicht bis Sonntag aufgenascht sind, werden sie beim traditionellen Eiertrudeln den Berg runter rollen und mir hoffentlich den stylishsten Sieg ever holen.  

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Berlins schönste Fundgruben

Unbestreitbar, ich bin auch einer dieser Jäger nach Orten und Läden, die einem dem Atem rauben. Eben atemberaubend schön sind. Wenn jemand eine nennenswert große und vorzeigbare Fangbeute aufweisen kann, dann ist es Anne von AnneLiWest. Sie scheint in Berlin alle Topspots und Geheimtipps zu kennen. 

Den handfesten Beweis gibt es nun in gesammelter und gebundener Form mit einem Namen, der nicht besser passen könnte: Berlin’s Finest – 50 inspirierende Designläden. In dem dritten Band der Berlin’s Finest-Reihe präsentiert Anne ausgewählte Lieblingsläden in Bild und Text.  Ich habe die 160 Seiten  ja innerhalb von einem langen Nachmittag und zwei Kaffees verschlungen! Anne schreibt Seite für Seite so bildhaft von den Läden und ihren Besitzern, dass ich mich nicht halten konnte. Sie erzählt deren persönliche Geschichten – kleine Anekdoten, die man als normaler „Reinschnupperer“ oder stiller Käufer nie zu Ohr bekommen würde. 

Die Konzeption des Buches ist durchweg übersichtlich un doch ab und an mit Überraschungen versehen. Alphabetisch geordnet wird der Leser auf Tour durch alle Läden genommen. Wichtige Infos wie Adresse, Bezirk, Öffnungszeiten und Onlineauftritt werden jeweils auf einem Blick zusammengefasst und Icons zeigen, ob in den jeweiligen Länden eben Möbel, Dekoobjekte oder gar Porzellan/Glas verkauft werden. Außerdem können Shoppinglüsterne mit klarem Beuteziel mit Hilfe des Produktkategorien-Register, welches das Buch abschließt, ihr Fangrevier einkreisen. Unglaublich praktisch! Besonders für alle, die nicht nur auf Besuch in der Stadt sind, sondern hier fest wohnen. Und was sind nun die besagten Überraschungen? Der Flow, von einem schönen Laden zum nächsten zu blättern, wird regelmäßig erfrischt – sei es durch ein spannendes Interview mit „muse store“-Besitzer Jörg Klambt, eine Upcycling-Plädoyer oder eine Übersicht zu Berlins bedeutestens Design Events.

Ich finde ja: Ein toller Überblick über die bunte Kreativszene der Hauptstadt und deren Geschäftsleute! Ein perfekter Guide durch Berlin für Design- und Einrichtungsliebhaber (egal ob Tourist oder  Einheimischer), der dem Wallpaper und Louis Vuitton Guides in Sachen Shopping  durchaus Konkurrenz machen kann. Nur die Buchgestaltung hinkt dem Designpotential des Buchinhaltes weit hinterher. Aber dann doch lieber so: Mehr Sein als Schein.

Berlin’s Finest, 50 inspirierende Designläden
Auswahl, Texte und Fotos von Annemone Schütz
14,95 EUR, Edition Braus, Berlin 2015

www.editionbraus.de
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Wunschkonzert am Arbeitsplatz

Endlich Semesterende! Endlich Zeit, um sich wieder an mehr Orten als am Schreibtisch oder in der Werkstatt aufzuhalten. Dabei hat die Zeit mich einiges gelehrt. Wegen dem Mix aus halbprovisorischen Wohnen am Studienort und Wochenendleben in der Hauptstadt, hab ich durchlebt, wie ineffizient ein halb eingerichteter, undurchdachter Schreibtisch sein kann. Wie nervig es ist, wenn das Papier oder die spezielle Schere, die ich akut brauchte, gerade in Berlin statt in Halle war. Ja, Ordnung ist das halbe Leben. Hat Mom immer gepredigt. Die Message habe ich mittlerweile in Eigenerfahrung verstanden und betone: „Besonders auf und um den Schreibtisch!“ Eine gute Ausstattung ist dafür unerlässlich. Und da ich den Rückzug nach Berlin antrete, stehen die Wunschpläne für den neuen Arbeitsplatz Dank Eigenerfahrung schon felsenfest: 

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 Werkelbank Gerade bei so vielseitigen Aufgabenbereichen, die ich als Designer im Gestaltungsprozess durchlaufe, muss auch der Tisch viel mitmachen können. Ausreichend Länge für große Papierbahnen macht genauso dankbar wie verstellbare Beinhöhen, wenn man an Modellen doch einmal lieber stehend arbeiten möchte. Eine weiße Tischplatte ist bei mir ein Muss – schnelle Work-in-Progress-Fotos sehen mit weißem Untergrund halt ästhetischer aus. Deshalb hat sich schon lange bei mir der Schreibtischklassiker schlechthin in meine Wunschliste eingebrannt: Egon Eiermanns Tischgestell 1 klingt nicht nur sachlich-funktional, er ist es auch. Und seitdem ich bei Dr. Walter Scheiffele zu Besuch war, dort seinen Eiermann als Esstisch umfunktioniert vorfand, schätze ich diesen Klassiker noch mehr für seine Flexibilität.

 Setz dich Die Mehrheit hat den Dreh-Bürostuhl für sich entdeckt. Ich hingegen weigere mich strikt gegen Rollen an der Beinkonstruktion. Meine Sitzgelegenheit am Arbeitsplatz muss bequem und standhaft zugleich sein. Stefan Diez‘ 404 mag ich wegen seiner unkonventionell-ästhetischen Frische sehr. In Thomas Benzens Entwurf COVER fand ich jedoch einen Formverwandten, der noch eleganter daher kommt und Dank Textilcover und Armlehnen zugleich mehr Komfort verspricht.

 In Reichweite  Nichts ist zeitaufwendiger und nervenzerreibender als ganz dringend spezielle Materialien oder Werkzeuge zu suchen. Griffbereit heißt der Idealzustand. Seit dem Artikel über Lochplatten im Houzz-Magazin, bin ich hin und weg von dem Umzug des Handwerker-Items in das Arbeitszimmer! Am besten eine Variante,  die durch anklemmbare Werkzeughalter und Ablagen ergänz werden kann. Statt Hammer und Schraubenzieher stecken bei mir dann Cutter, Zangen, Stricknadeln & Co.

 Ticktack Gerade in kreativen Prozessen verliert man sich gerne mal im Tüfteln und Tun. Dann schreibt man unbemerkt 1,5 Stunden an einem Text, für den ursprünglich nur 30 min eingeplant waren. Oder mein Perfektionismus treibt Photoshop- und InDesign-Aufgaben bis ins Unendliche. Um mich nicht in Unnützem zu verlieren und einfach effizient zu bleiben, habe ich mir im letzten Jahr den regelmäßigen Blick auf die Uhr antrainiert. Wenn man noch im Zeitfenster liegt, ist es umso schöner, dass von einer Uhr wie PICTO von den Designern Steen Georg Christensen und Erling Andersen gesagt zu bekommen. So funky cool wie ihr Äußeres kann es mit dieser Botschaft beim Arbeiten weitergehen.

 Müllschlucker  Nicht jede Idee ist es wert, umgesetzt zu werden. Das Verwerfen im Kopf geht bei mir Hand in Hand mit dem physischen Ausmisten. Jedes zerknüllte Blatt, jeder Wurf in den Papierkorb – eine kleine Befreiung und Startschuss für bessere Ideen. Konventionelle Papierkörbe aus Draht oder Plastik sind nichts für meinen Materialästhetik-Splin, den mir der Textil- und Oberflächen-Bachelor eingeflöst hat. Die Ordnungstüten aus einem Zellulose-Silikon-Gemisch von MAGAZIN sind im Gegensatz dazu haptisches Balsam. Schließlich krönt der Gedanke „Papier gehört zu Papier“ den Fakt, dass sich die Ordnungstüten bei 30°C waschen lassen. Für den Fall, dass die Wasserfarben auf dem Papier doch noch nicht richtig trocken waren …

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Hab ich eurer Meinung nach etwas Essentielles vergessen, das das Arbeitsleben umso einfacher macht? Oder habt ihr noch bessere Tische, Stühle und Ordnungshüter im Kopf?

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Zum Rumkullern schön: Filzkugelteppiche

Bisher tauchten vor meinem inneren Auge Bilder von Hippis mit Dreadlocks oder Kinderbasteln auf, wenn ich an Filz dachte. Farbenfroh, naturverbunden und verfusselt. Unter diese Assoziation mischt sich die Erinnerung an meinen eigenen Filzversuch – der erste und letzte zugleich. Denn das Geduldsspiel aus nicht endendem Einstechen mit einer Filznadel in ein kleines Wollbündel war einfach kein Handwerk für jemanden Ergebnisorientierten wie mich. Umso sprachloser war ich, als ich zum ersten Mal einen ganzen Teppich aus Filzkugeln sah. Kugel an Kugel: Was für eine beeindruckende Handarbeit! Was für eine geordnet rhythmische Struktur! Da zieh ich den Textildesigner-Hut.

Die Herstellung eines Filzkugelteppichs ist Handwerk- und Kunstwerk zugleich. Echte Schurwolle wird gekämmt und eingefärbt. Die Kammzüge, so nennt man die losen Wollstränge, werden portioniert und zu kleinen Kugeln durch Nassfilzen verdichtet. Schließlich werden bis zu 5000 dieser kleinen Kullern wie Perlen zu einem Teppich aufgefädelt. Klar, dass so aufwendige Produktionen in Billiglohnländer verlagert werden. Doch entgegen den gewohnten Berichten kann die Arbeit dort auch fair ablaufen. FilzKugelTeppiche ist da ein Paradebeispiel: Deren Filzschönheiten werden in Nepal produziert, doch die Mitarbeiter überdurchschnittlich entlohnt und ihnen ermöglich, auch von zu Hause zu arbeiten. Homeworkshop quasi.

 

Die wortwörtlich geballte Ladung innerer Schönheit strahlt natürlich nach Außen. Wie in einer Bienenwabe schmiegt sich Kugel an Kugel und ergibt eine atemberaubende Struktur. Die kann sich nicht nur sehen lassen, sondern auch erspüren. Es fühlt sich wie eine sanfte Massage an, wenn man auf den Filzkugeln steht. Für dieses haptische Erlebnis, mache ich ab und an Umwege durch die Wohnung, um nur ein weiteres Mal darüber laufen zu können.  Ihr merkt: Ich bin verliebt in meinen runden Filzteppich in Dunkelgrau. Und selbst unsere Gäste zieht der textile Kreis mit Optik und Haptik in seinen Bann.

Immer noch SOS
Die Erdbeben im Himalaya von April und Mai diesen Jahres sind bei uns längst vergessen. Die Menschen dort, darunter auch Frauen und Männer, die diese Filzkugelteppiche herstellen, kämpfen aber immer noch mit dem tragischen Verlust von Familienangehörigen und die große Verwüstung; die ehe schon müheseligen Wiederaufbauarbeiten werden von Monsunregen erschwären. FilzKugelTeppiche hilft seinen nepalesischen Mitarbeitern  ihr Leben mit finanziellen Mitteln – wie es eben aus der Ferne am besten geht – neu aufzubauen. Wer das ebenso gut findet, kann die Bemühungen direkt über eine Paypal-Spende (an payments@feltballrug.com) oder über das Rote Kreuz unterstützen.

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Dieser Post ist eine Kooperation aus Überzeugung.

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Kleine Schönheitsentdeckungen

Vom Pendeln zurück nach Hause zu kommen, ist in den letzten Monaten zum schönsten aller Gefühle geworden. Um das Zuhausegefühl bis ins Letzte auszukosten, hole ich mir Woche für Woche einen Sommergruß in die Wohnung. Kornblumen, Kosmeen, Wicken, Fingerhut, Schafgarbe. Je wild-romantischer, umso bezaubernder der Anblick.
Aktuell klebe ich vor Arbeit am MacBook, die Blumenvasen bleiben ungewohnt leer. Und dann kam die kleine Entdeckung. Egentlich immer dagewesen, steht die Petersilie auf dem Balkon nun in ihrer Blüte und hat so meine Aufmerksamkeit geweckt. Schnipp schnapp. Schon steht eine unverhoffte Schönheit auf dem Betttisch. Die Blütenstände der Balkonkräuter als kleine Minibumensträuße – so simpel. So gut. Erst Recht neben dem neuen Strickprojekt… 

Vase: Lyngbyvase von Lyngby Porzellan
Wolle: Marokko Cotton von Gedifra
Weinkiste: unbekannt (Geschenk meiner Tante – wie hab ich sie dafür gern)
Schiefertablett: Slate Plate von Nicolas Vahé 

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Farbenfrohe Möbel: outforspace

Seine Surflust trieb ihn immer wieder nach Indonesien. Doch Julian Reuter fand dort mehr als nur Spaß auf dem Wasser. Kurz vor seinem Bachelorabschluss in Produktdesign entdeckte er eine in Indonesien weit verbreitete Palme für sich. Und damit sein nächstes gestalerisches Projekt, eine Materialinnovation. Im Grunde seine Zukunft und die von Peter Kraft, Tobias Esser, Moritz Fuhrmann und Miriam Bröckel.
Zusammen sind die Fünf outforspace und haben Julians Rattan-Entdeckugen zu farbenfrohen Möbeln, Wohnaccesoires und Spielzeug weiterentwickelt, die es wortwörtlch in sich haben. Nämlich ein farbiges Wachsgemisch, das in einem mit dem Innovation Center Lichtenfels und der Universität Coburg entwickelten Patentverfahren in die Kapillarstränge der Rattanpalme injiziert wird. Damit werden die Hohlfasern der Pflanze vollständig gefüllt, das Naturmaterial gegen Wasser und folglich auch gegen Modern ressistent, wie es bisher in den feucht-tropischen Anbauregionen unumgänglich war. Dank Wachsinjektion ist Naturrattan jetzt endlich im Außenbereich nutzbar – eben outforspace.

Ihre Materialinnovation nennen nennen die outforspacer karrun. Die wächst vergleichbar schnell wie Bambus und ist auch mit Farbfülung rundum nachhaltig. Theoretisch kann karuun im hauseigenen Kompost neben Kartoffelschalen und Salatblättern abgebaut werden. Doch soweit kommt es mit sicherheit nicht. Die Produkte von outforspace sind viel viel zu schön dafür. Ihre Superior Ästhetik – wie outforspace sie selbst beschreibt – gründet sich in modern-bauhäuslierischer Formexzellent und Materialoptik. Letztere entsteht durch die Füllung aus farbigem Wachs, die im Rattan hauchfeine, linienartige bzw. punktierte Strukturen hervorruft– je ob Quer- oder Längsschnitt im Ratten. Ihre ästhetische Vollendungen finden die Strukturen in der Kombination miteinander, so potenzieren sie ihren eigenen Reiz. Vom Sofa rest bis zur Uhr time – alle Produkte spielen mit dieser Farbe- und Strukturkombination. Verbreiten Farbenfreude.

Oder kurz gefasst: Ich ziehe als Textil- und Produktdesigner meinen Hut vor der Leistung der outofspacer. Ihr Produkte sehen nicht nur wie tausend andere einfach gut aus. Sie belegen darüber hinaus eine bewusste Auseinandersetzung mit dem genutzten Material, seine funktionale und ästhetische Optimierung. Genau das ist meiner Meinung nach Design auf höchstem Niveau: Innovativ, nachhaltig, überzeugend schön. Deshalb kann ich nicht anders und möchte bitte play, hang und time in Rot als auch Schwarz auf einmal. 

Dieser Post ist keine Kooperation, kein bezahlter Artikel, nur ein Lob ab die Designleistung von outofspace. Peter und Julian haben mich in das Geheimnis von karuun an ihrem Stand auf dem Salite 2015 in Mailand eingeweiht und eben begeistert. Falls ihr beiden diesen Post lesen solltet: Tausend Dank noch mal für die Salone di Mobile-Eintrittskarten-Leihgabe – you made my day!

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Jedes Detail zählt: Weißes Gold von Barbara Schmidt zu sehen

Unsere Wege kreuzten sich erstmalig in Weißensee, als ich für meinen Bachelorarbschluss in ihr Semesterprojekt wechselte. Damals hatte ich noch keinen blassen Schimmer, welche Persönlichkeit sich hinter dem Namen verbirgt. Ich wusste nur eines: Wer Projekte zum Thema „Mahlzeit“ anbietet und in seinem Projekttext ausschreibt, Essen mit allen Sinnen zu erforschen, bespielen und durch Produkte aus Porzellan, Glas und/oder Metal mitzugestalten, ist – wie sagt man so schön – near and dear to my heard. Unsere Gemeinsamkeiten wurden um eine mehr, seitdem ich an der Burg Giebichenstein Halle/Saale mein Masterstudium angefangen habe. Denn etwa Ende der 1980er Jahre hat Barbara Schmidt die Ausbildung in dem Fachgebiet Glas-Keramik-Porzellan genossen. Unter dem selben Lehrer wie auch ich. Seit 1991 arbeitet sie bei KAHLA Thüringen Porzellan, wo sie immer wieder neue Essgewohnheiten in ihren Entwürfen aufgegriffen und so das Unternehmen auf neue, erfolgreiche Wege gelenkt hat. Ihren mehrfach preisgekröhnten Designs (meist KAHLA Produktionen) mit Gespür für Feinheiten, Sinnlichkeit und cleveren Benutzungsmöglichkeiten ist nun eine ganze Ausstellung in der Kunststiftung Sachsen-Anhalt gewidmet. 

Unter dem Motto „Fünf Sinne – Jedes Detail zählt“ sind in der Einzelausstellung zahlreiche Service aus dem KAHLA Sortiment und ein paar wenige Arbeiten aus dem Berliner Atelier, das übrigens im Kollwitzkiez liegt, zu sehen. Wer die einzelnen Entwürfe vergleicht und mit dem Auge durchdringt, entdeckt Barbaras Leidenschaft für Funktion, Japanisches, Köstliches, Poetisches. So deckeln sich in mehreren Serien verschiedene Einzelteile untereinander ab – was die Untertasse des einem war ist der Deckel des anderen (z.B. Update). Oder die langgezogenen Tellerkanten bei Elixyr, die Barbara als modernen Henkel begreift. Letztes Jahr hat hat sie mir in der Metallwerkstatt der UdK verraten, dass sie der Gedanke, jeder Löffel sei eine kleine Schüssel mit Griff, zum Elixyr-Enwurf inspirierte. So poetisch und sinnlich wie dieser Ansatz sind auch ihre Atelierporzellane: Zylindrische Becher mit einem Bodenrelief, das wortwörtlich von Glück und anderem Wohlergehen erzählt. Strahlend weißes Obst und Gemüse als Tischaccessoires. Und ein Ring mit Korkdiamant, befüllbar mit dem feinsten Parfum, auf dass seine Trägerin immer und überall verführerisch gut riecht.

Mit offenen Augen durch die Ausstellung zu gehen. Das ist mein großer Rat an alle Besucher. Wer in kindlicher Manier unter die Tische mit seinem Blick kriecht, entdeckt Gießformen, Gipskerne und andere Dokumente des Entwurf- und Produktionsprozesses. Wer genau in die Schüsseln sieht, findet feines Süß aus Japan. Und auch die Vitrine im Eingang, die Barbara Schmidt mit ausgewählten Designklassikern bestückte, die sie persönlich als Designerin prägten, geben Einblicke in die Arbeits- und Denkweise dieser bedeutenden deutschen Gestalterin der jüngsten Vergangenheit. 

Wen es also bald nach Halle verschlägt, sollte unbedingt alle Sinne spitzen und hier auf Entdeckung des weißen Goldes gehen:

Fünf Sinne: Die Burg-Absolventin Barbara Schmidt im Kontext des 100. Jubiläums der Kunsthochschule Halle
25.04. – 17.06.2015

Kunststiftung Sachsen-Anhalt
Neuwerk 11
06112 Halle/Saale
Mi-So 14:00 – 18:00 Uhr
Eintritt 3€ /Ermäßigt 1€

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Zuhouzze

2009 wollten das Ehepaar Adi Tatarko und Alon Cohen ihr frisch erworbenes Haus in Kalifornien USA zu renovieren. Dabei erlebten sie den Frust, den auch meine Eltern noch von ihrem Hausbau kennen: in dem Berg teuer bezahlten Wohn- und Einrichtungszeitschriften gab es eine Menge schön gestalteter Wohnungen und Räume, aber vielleicht nur eine Hand voll Bilder davon boten passende Inspiration für die eigenen Interior Styling-Vorhaben. Frustrierend so eine Geld- und Zeitverschwendung. Damals. Denn heute haben wir ein HOME-Board mit tausenden wunderschönen Bildern bei pinterest. Oder noch besser: Houzzdie online-Plattform von Gründerpaar Adi und Alon, die Inspiration rund um Haus und Garten gekonnt mit Fachwissen, direkten Kontakten zu Experten und Designshops verbindet.

Was 2009 als kleines Projekt vor Ort in Palo Alta startete und sich über Nachbarn, Freunde und Familie per Mundpropaganda verbreitete, ist heute mit über 4 Millionen hochauflösenden Fotos die größte Bilddatenbank für Interior und Landscape Design geworden. Hinten dran eine rege Community von 25 Millionen Nutzern im Monat. Lokal gestartet, ist diese heute auf den gesamten Globus verteilt. Auch wenn Bilder eine Sprache sprechen, die man überall auf der Welt versteht, wuchs der Wunsch nach mehr Lokalität unter den Houzz-Nutzern. Weil es einfach mehr gibt als Wohnen im American Style, großen Häusern und riesigen Gärten. Weil uns Deutschen oftmals nur wenige Quadratmeter zum Einrichten zur Verfügung stehen, der Balkon unsere Miniausgabe des amerikanischen Gartenimperiums ist und wir einfach gerne ökologisch und nachhaltig houzzen. Genau deshalb gibt es seit Mittwoch offiziell Houzz Deutschland und damit eine Version der amerikanischen Erfolgsapp, die nicht nur auf Deutsch ist, sondern auch Inspiration mit lokalen Trends bietet und ihre User mit Experten und Shops vor Ort verbindet.

Gelaunched wurde das ganze in den sagenhaften GORKI APARTMENTS am Rosenthaler Platz, die man by the way von einer Nacht oder wenn man mag auch ein halben Leben lang mieten kann. Ich durfte mit dabei sein, das Penthouse unterm Dach inspizieren und dabei die frisch gebackene deutsche Houzz-App testen. Nebenbei: Gründerin Adi Tatarko ausfragen. Bloggerfreundin Anne  wiedersehen. Neue Blogger wie Jules mit ihrem beglückenden Herz&Blut-Blog kennenlernen.

Was bringt mir Houzz, wenn ich doch bereits pinne und bei solebich angemeldet bin? Das war meine große Frage, die sich nach 5 Minuten Stöbern in der Houzz-App wie in Luft aufgelöst hat. Denn die deutsche App-Version ist nicht nur große Photothek, die den „deutschen“ Geschmack beim Einrichten und Renovieren anspricht. Sie ist zugleich connector zu Experten, Produkt-Shops und anderen Einrichtungsliebhabern als auch Magazin mit Portraits, DIYs und Fachwissen. 

Das erste, was mich bei Houzz überzeugt hat, war das Einbetten von grünen Tags an die Möbel, Tapeten und Co. in den Bildern. Mit einem Klick darauf  bekomme ich alle Informationen zum getaggten Produkt angezeigt und kann direkt zum verlinkten online-Shop weitergehen. Wo ich bisher hoffen musste, dass der Stuhl, den ich in einem Foto so toll finde, vom Blogger im Text dazu erwähnt oder gar verlinkt wird, weiß ich bei Houzz mit einem Blick und Klick Bescheid. Genauso praktisch scheint mir die Unterteilung in der Bildsuche sowohl nach Kategorien (Bad, Schlafzimmer,…) als auch Stil. Damit hat das ewige überscrollen von unrelevanten Bildern bei pinterest ein Ende! Und darüber hinaus hilft Houzz, Experten von A wie Architekt bis Z wie Zaunspezialist in meiner Umgebung zu finden und aufgrund von Rezensionen gut einschätzen zu können, ob diese meine Wünsche und meinen eigenen Stil umsetzten können.  

Ich lese mich seit dem Deutschland-Start letzte Woche begierig durch das Houzz-Magazin. Wie großartig 25qm unter einem Berliner Dach werden können! staune ich und lass mich danach in erste Gedanken an die Vorweihnachtszeit schubsen.

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Das Bild mit der Houzz-App fürs iPad stammt von © Houzz , bei denen ebenfalls die Bildrechte liegen. Alles andere wie immer von mir.

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Hingesetzt und aufgepasst

Neue Stadt. Neue Wohnung. Ein neues Zuhause ist es längst nicht geworden. Grund dafür ist wahrscheinlich meine Einrichtungssituation. Die ist – ich sag mal – essentiell-minimalistisch. Im Grunde tut dieser Freiraum gerade gut. Dennoch denke ich gerne an die hyggeligkeit rund ums Sofa in meiner Berliner Wohnung zurück. Das Wohnzimmer mit seinem gepolstertem Möbel ist für mich nämlich das Herzstück von Wohnen. Geselligkeit. Gemütlichkeit. Entspannen. Zuhausesein! Genau das bedeutet für mich ein Wohnzimmer und genau diese Eigenschaften gilt es als Designer einem Sofa einzuhauchen. Nebst Qualität und gutem Aussehen natürlich! Dass es leider nur wenige Sofas gibt, die das geschafft haben und dazu noch bezahlbar sind, weiß jeder, der schon einmal auf Suche danach gegangen ist.

Als ich vor zwei Jahren selbst Suchende war, habe ich bei einer Freundin ein Sofa entdeckt, das mich vom ersten Anblick an mit seinen Proportionen und dem Bezugstoff beeindruckt hat – TOM von sitzfeldt. Was ich dort sah, ist auch das, womit sich das junge Berliner Unternegmen rühmen kann – nämlich gutes Design in bester Qualität und das zu einem unschlagbaren Preis. Dafür haben sich die Gründer Anna und Clemens Deyerling und Julius Martini mit Sebastian Herkner und Steffen Kehrle renommierte Designer zur Seite genommen, die es verstehen Designersofas mit Charakter zu gestalten. Für die hohe Qualität in der Umsetzung derer Entwürfe sorgt dann eine verantwortungsbewusste Produktion in Europa. Dass sitzfeldt all das noch zu einem moderaten Preis anbietet, liegt an der kundenorientierten Geschäftsidee, Sofas on demand zu produzieren. Über online-Vertrieb wird das sitzfeldt-Stück direkt zum Kunden gebracht – ohne unnötige Kosten für Zwischenhändler, Lager- und Verkaufsflächen. 

Wie die drei Betriebswirtschaftler zum Sitzmöbel gekommen sind, war eine von unzähligen Fragen, die mir Geschäftsführerin Anna Deyerling bei meinem zweistündigen Showroombesuch beantwortet hat. Die Antwort darauf fällt mit dem Apfel nicht weit vom Stamm: durch ihren Vaters, der  in der Position des Zwischenhändlers gearbeitet hat, hatten die Gründergeschwister schon früh Einblicke in das Geschäft mit Möbeln. Von den langjährigen Kontakte ihres Vaters profitiert sitzfeldt. Viele sind Zulieferer und Partner des Unternehmens, teilen die hohen Qualitätsansprüche der sitzfeldter und produzieren alle in Europa. Darin zeigt sich, welchen hohen Stellenwert Nachhaltigkeit bei sitzfeldt einnimmt.

Besonders zeigt sich das Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Wahl der sitzfeldt-Stoffe. So stammen die Lederbezüge von der deutschen Firma Heller, die seit 1920 in vierter Generaton exklusives Leder gerbt und das so umweltbewusst, dass sie als einzige Gerberei weltweit mit dem Blauen Engel ausgezeichnet ist. Schließlich gab es 2013 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für so viel Engagement für eine umweltbewusste Produktion.

Als Produktdesigner mit den Schwerpunkten Textil und Keramik sind die Bezugsmaterialien ein Bereich, den ich gern genauer unter die Lupe nehme. Für mich muss deren Gewebe optisch aus engster Nähe genauso wie aus der Ferne imponieren und darüber hinaus auch haptisch überzeugen. Diesen hohen Anspruch an Textilien teilen die sitzfelder mit mir. Sie achten auf möglichst hohen Anteil von Naturfassern und beziehen ihre Gewebe von einem italienischen Familienbetrieb. Dass sitzfeldt nicht wie alle anderen führenden Möbelproduzenten vom dänischen Trendproduzenten kvadrat bezieht, hat zwei Gründe, die mir Anna verraten hat.  Zum einen haben sie sich die Webereien in Italien angeschaut und waren von Produktion wie Qualität der Stoffe überzeugt. Doch viel mehr wollen die drei Gründer auch durch ihre Stoffwahl sich von anderen Sofas abheben. Einfach sitzfeldt sein. Einfach rundum gute Sofa machen.

Doch wenn man mich fragt, macht sitzfeldt nicht nur gute Sofas. Auch das Drumherum ums Sitzmöbel liegt den sitzfeldtern genauso sehr am Herzen. Darum hat sitzfeldt auch Kissen, Decken aus feinem Merino-Kaschmir-Mix im Heribone-Muster und den stylischen Beistelltisch Game gestaltet. Die zeitgenössische, klare Formensprache des Kehrle-Entwurfs hat mich sofort angesprochen. Seitdem träume ich von Game in meiner Wohnung genauso sehr wie selbst einmal Ideen zu sitzfeldt beizutragen…

Was soll ich noch mehr sagen? Rüberklicken oder am besten Probesitzen in einem der zwei Showrooms von sitzfeldt:

Showroom Berlin
Engeldamm 60
10179 Berlin

Showroom Köln
Im Zollhafen 14
50678 Köln

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Und der Transparenz wegen: Dieser Post ist weder gesponsert, noch aus irgendeiner Kooperation entwachsen. Er entspringt reiner Überzeugung von Design und Qualität der sitzfeldt-Sofas, meiner Sympathie mit der Unternehmensphilosophie und einem spannenden Gespräch mit Gründerin Anna Deyerling. 

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Rückschau

Im mutigen Abenteuer angekommen, umgeben mich nun wieder Gipswerkstatt, Glasurlabor und Brennöfen. Nur eben alles vierfach so gut ausgestattet! Dennoch denke ich gerne an die kleine Keramikwerkstatt in Weißensee zurück. Gerade wenn der Ofen noch abkühlte, war es so gemütlich warm dort drinnen. Die Erinnerung ist ein guter Anlass, um auf mein Abschlussprojekt zurück zu blicken. Und endlich davon zu zeigen!

Ausgangspunkt des Projektes waren meine Beobachtungen, wie Kaffee und Kuchen am Sonntag aktuell stattfindet. Auffällig war dabei der Einzug der Buffetkultur. Sie löste die strikte Ordnung von Geschirr und Schlemmereien auf der klassischen Kaffeetafel auf. Heute stehen meist nur noch Kaffee und Gebackenes auf dem Tisch – nebst Stapel an Tassen, Tellern und Besteck, an denen die Gäste sich selbst bedienen. Gegessen wird deshalb meist im Stehen oder im Sitzen auf der Couch.

Das OFF THE TABLE Set aus Teller, Unterteller, Tasse und Kuchengabel passt sich diesen veränderten Gewohnheiten an. Der Porzellanteller fasst bequem ein großes Stück Kuchen und Tasse zugleich. Aufgrund des voluminösen Bodens des Untertellers aus Ahorn lässt sich das Set problemlos in verschiedenen Positionen in einer Hand halten oder kann auf dem Schoß beim Sitzen abgestellt werden. Der Teller wird also zum neuen Tisch. Kuchengabel und Kaffeetasse sind dabei so konzipiert, dass sie kleinere Postionen bedingen und auf diese Weise auch bewusstes Genießen. Ist man mit dem Kaffee und Kuchen fertig, lässt sich der Porzellanteller abnehmen und der Ahornteller für einen leichten nachfolgenden Gang nutzen – Baguette, Käse und Trauben eignen sich dafür perfekt.

Hier ein kleiner Einblick in das Making-Of der Porzellanteile: 

Einen vollständigen Einblick in die Entwicklung meiner Arbeit gibt’s in der digitalen Version des OFF THE TABLE Buches – von der Ausgangsidee, über Entwurfsprozess und Umsetzung bis hin zu den finalen Fotos.  Allerdings auf Englisch.

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INTERIOR & DESIGN, UNTERWEGS

Das Beste zum Schluss

Vielleicht ist euch das tannengrüne Poster mit dem versteckten großen D darauf in Erinnerung geblieben, als mich MiMa damals gebeten hat ein paar Fotos aus meiner Wohnung zu zeigen. Das D von PLAYTYPE war Liebe auf den ersten Blick – ästhetisch-minimalistische Typo und Farbgespür haben mich sofort gecatcht. Da lässt sich gut ausmalen in welchem Wall an Hochgefühlen ich den Store in CPH betreten habe! 

Den kleinen Laden hatte ich am letzten Tag des Kurztrips zufällig auf dem Weg zum Bäcker entdeckt. Ich wusste zwar, dass PLAYTYPE dort sitzt, war aber dennoch überrascht den unscheinbaren Store erkannt zu haben. Wahrscheinlich weil das Corporate Identity gut gewahrt ist: Drinnen sieht es aus wie auf der Homepage selbst – sehr weiß, sehr grafisch, eine Menge Buchstaben. Zu schön.
Auf den non-virtuellen Ladenregalen findet sich jedenfalls neben einer Auswahl aktueller Poster und Prints auch Mode, RAINS-Regencapes im PLAYTYPE-Style, Laptopcases, Papiere, Notizbücher und Becher, die an die Letter Cups von Arne Jacobsen erinnern.  Auch wenn es eindeutige Unterschiede zwischen der Jacobsen- und der PLAYTYPE-Variante gibt (Stapelkante und langgestreckte Typo bei ersterem, Kantenrundung und breitere Typo bei letzerem), selbst das Packaging weist eindeutige Parallelen auf. Das muss wohl der unveränderliche Spirit der Stadt sein …

Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin oder her, ein Stop in dem kleinen Store lohnt sich. Und alle die es in nächster Zeit nicht nach CPH schaffen, können hier schon einmal den virtuellen Concept Store betreten.

Playtype™ Concept Store
Værnedamsvej 6
1619 Copenhagen V
Dänemark 

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INTERIOR & DESIGN

Bissi Bissi

Arbeitsplätze sind schöne Spiegelbilder des Alltags. So voll wie es auf meinem Schreibtisch aussieht, ist auch meine To-Do-Liste. Um es bildlich zu nehmen: Es stapelt sich alles und wartet auf Be- oder noch besser Abarbeitung. Doch statt Arbeitsfrust hege ich weiterhin Arbeitslust. Warum das so ist, bringen diese 6 Indikatoren bei Chapter Friday auf einen Nenner: I’m a wok-lova-holic. Punkt. 

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A k u t e   I n s p i r a t i o n 
Bonanza Coffee Hero Yumi Choi
Kirstie van Noort
Hanne Willmanns Vase
Luca Nichetto’s Sucabaruca
ORB von FAMOS
Glasarbeiten Ruby von Milena Kling 

W a s    i m m e r    i n s p i r i e r t
Nendo
This is paper
FLOAT

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In dem Sinne: Frohes Schaffen am Tag der Arbeit!

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Glaedelig Påske!

Als Kind dachte ich immer, Weihnachten und Ostern liegen kalendarisch ganz dicht beieinander. Vielleicht nur 3 oder 4 Wochen auseinander. Auch wenn ich längst verstanden hab, dass zwischen den großen Festen eher 3 bis 4 Monate liegen – mir kommt es vor, als sei diese Zeit dazwischen dieses Jahr besonders zusammen geschrumpft. Ich hänge 2013 noch sehr an. Gerade reisen meine Gedanken viel zurück nach Kopenhagen. In Erinnerung an meine Zeit in der Herzensstadt hab ich das Rezept aus meinem Betongieß-Kurs wieder herausgeholt und statt strukturierte Fließen Ostereier gegossen. Das Betonrezept weckt Sandkastenkuchen-Erinnerungen und geht kinderleicht:

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M a t e r i a l i e n
Eier
1 Teil Zement
2 Teile feiner Sand
Wasser
1 kleiner Eimer
1 Trichter

C o n c r e t e   E g g s
Die Eier unten wie am Sonntagmorgen köpfen,
so dass eine Öffnung von etwa einer Fingerspitze entseht.
Eigelb und -weiß herausschütteln und zum Backen verwenden.
Für den Beton in einem Eimer Wasser geben (für 6 Eier groß geschätzt 0,5 L).
Im Verhältnis 1:2 Zement und Sand so hinzufügen und verrühen,
bis eine Masse wie flüssiger Teig entsteht.
Mit Hilfe eines Trichters die Betonmasse in die Eierschalen gießen.
Gut austrocknen lassen und dann schälen.
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Für alle, die noch mehr Kurz-vor-zu-spät-Inspirationen brauchen – weitere großartige Ideen rund um das Osterei gibt es hier:
Black ’n‘ White Easter Eggs bei Obviously Sweet
Golden Glitter Eggs, entdeckt bei Float
Confetti Covered Easter Eggs von She Makes a Home
Little Egg Planter von Paper Mama 

Ich verstecke mich nun für ein paar Tage hinter den Feiertagen. Und damit: Glaedelig Påske! Happy Easter!Oder einfach nurfrohe Ostern!

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Volle Blicke

Das Wetter ist so herrlich. Sonnig. Mich treibt es beständig ans Fenster. Ich muss raus gucken. Runter gucken. Dem Frühling zugucken und beobachten wie alles wach wird und aufblüht. Die Hasenfamilie im Hinterhof ist wieder draußen. Und zur Nachbarsfamilie hat sich eine Fünf dazugesellt. Sitzt im MaxiCosi genauso vorm Fenster wie ich. Genauso guckend, neugierig, beobachtend und herzerfreut. Der Kleine (meine Intuition sagt mir: It’s a boy!) ist mir sympathisch.

So ein Beobachten aus unbemerkter Vogelperspektive ist Seelenbalsam. Und – wie es im Essay „The Idler“ in der Kinfolk Issue Nine zum Zitieren gut geschrieben stand – verbindet uns mit unserer Umgebung. Es ist eine Tätigkeit ohne viel Tun aber großer Wirkung. „And finding more time to do absolutely nothing is perhaps exactly what we all need.“

Für die Seele sollen auch die drei Giveaways sein, die ich für euch hab: Ein echtes meingefangen-Kissen aus 50% Bio-Baumwolle  und 50% Leinen (dem Gewinner nähe ich eines in Wunschgröße) sowie zwei Frühlingsgeeignete Tücher aus 100% französischer Bio-Baumwolle. Allesamt von mir gewebt im so viel benannten und verlinkten TextielMuseum. Und oben drauf leg ich jeweils eine Klitzekleinigkeit von RawColor. Hinterlasst dazu bis zum 19.März 2014 einen Kommentar mit eurer textilen Präferenz. Sagt es weiter, teilt es. Dann kann das beste kommen: die Glücksfee mit Post für euch.

Alle Regeln für die Verlosung gibt es übrigens hier.

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