INTERIOR & DESIGN

Halle: Hans+Grete im Vintagerausch

Jetzt ist es tatsächlich fast ein Jahr her, dass ich mich von der Stadt an der Saale verabschiedet habe. Wir sind freundschaftlich verblieben, aber von inniger Liebe waren wir weit entfernt. So wird es wohl auch bleiben. Und dennoch, zwei Dinge fehlen mir ganz schrecklich an Halle: das Mitte Ende Mai (mein Lieblingscafé) und der tägliche, lechzende Blick in die Schaufenster von Hans+Grete, das damals noch in der Ludwig-Wucherer-Straße war. Damals wie heute in der neuen Location versammeln sich in diesem feinen Laden die aberschönsten Vintageschätze, liebevoll kombiniert.  Möbelstücke, die einst in Fabriken, Werkstätten, Schulgebäuden und Arztpraxen ihren Dienst geleistet haben und nun gut aufpoliert die besondere Stimmung ihrer Zeit und Orte neu versprühen. 

Die Eltern von Hans+Grete, das sind übrigens Sven Düwel und Helen Schneider. Und lasst euch eines sagen: Wenn jemand eine so schöne Fundgrube mit nostalgischen Schätzen schaffen konnten, dann die beiden. Sven war knapp 10 Jahre lang in der Marketingabteilung von IKEA und damit grundvertraut mit Einrichtungsprodukten. Helen wiederum ist als Kommunikationsdesignerin Geschichtenerzählerin auf visueller Ebene. Irgendwie logisch, dass im Doppelpack ein Möbelgeschäft herauskam, wo man mit jedem Ding gleich drei Bände Geschichte gratis dazu bekommt. Sie erzählen, wie schweißtreibend es für kleine Jungs und Mädels in High Waist Shorts war, mit dem viel zu schweren Medizinball Fitnessübungen zu machen. Oder wie am Milchtag früher die gerade in Glasflaschen abgefüllte, fettreiche Milch mit dem Metallkasten vom Bauern nach Hause getragen wurde. Wie spät wohl noch Opa in seiner Autowerkstatt zu Hause rumgeschraubt hat? Davon verraten die alten Industrielampen und die Werkzeugschränke. Doch alles nur dem, der genauer hinsieht; der tiefer sieht und so viel mehr als nur Form und Material. Ich glaub, ich muss mich korrigieren: Die Dinge erzählen gar nicht. Sie flüstern uns ganz leise ihre Geschichten zu.

So viel Nostalgie und Fantasie nun mal bei Seite. Man traut seinen Augen kaum, auf welche großartigen Schätze man im Ladengeschäft trifft. Jedes einzelne hat Sven auf Märkten entdeckt und mit Herz und Blut wieder aufgemöbelt. Wer einen Blick durch den Laden schweifen lässt, dem fallen sofort die vielen ROWAC-Produkte auf. Für die alten Hocker, Stühle, Werkzeugschränke und Spinde des 1888 gegründeten Unternehmens Robert Wagner Chemnitz – damit übrigens eines der ersten Serienproduzenten von Betriebsinventar – hat Sven anscheinend ein besonders schwarfes Auge. Was für ein Glück! So warten die nun in guter Gesellschaft auf ein zweites oder drittes Leben.  Und machen uns alle Vintagerausch-gleich schwach.

Hans+Grete
Kleine Ulrichstr. 18
06108 Halle (Saale)

Di – Fr 12:00 – 18:00 Uhr
Sa 10:00 – 14.00 Uhr

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Standard

Ein Gedanke zu “Halle: Hans+Grete im Vintagerausch

  1. Oh der Laden sieht gut aus! Deine lila Bilder von neulich auch, mag ich sehr. Aber du, wir sprechen uns in ein paar Jahren, ob Nippelcreme peinlich ist oder nicht ;) Kann auch lebensrettend sein, hehe. Hier werden die Radieschen rot. Liebe Grüße!

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