LEBEN & GENIESSEN

Gut gesagt: Liebevoller Spiegelblick

„Ich träume davon, dass wir uns alle mit mehr Großzügigkeit und mit Liebe zur Andersartigkeit betrachten können.“

Das las ich eben von Schauspielerin Rosalie Thomass im letzten ZEIT Magazin (Nr. 14, S. 35) zum Thema stereotype Frauenbilder und – ideale. Dort hat sie verraten, dass sie beim morgentlichen Blick in den Spiegel manchmal denkt: „Oh Gott, wie siehst du denn aus!“. 


Ich ertappe mich in letzter Zeit selbst dabei, wie ich andere Frauen beobachte. Sie spazieren an mir auf der Straße vorbei und ich bleibe mit meinen Augen an ihnen kleben. Analysiere ihre Gestalt und das, was sie kleidet. Ich bewundere sie: ihre Aura, die fließenden Handbewegungen oder auch den irre strengen „What ever“-Blick. Zu Hause lese ich über selbstständige Moms, deren Erfolg scheinbar nicht ein Fünkchen dem Familienglück Abbruch tut. Ja, da werde ich auch ohne eigene Familie ein wenig neidisch. Neidisch, wie ich darauf bin, mit welchem Selbstvertrauen und rotzfrecher Eleganz Nike Jane Socken in den schlimmsten Gucci-Schuhen (abgesehen von dem Korallrot) durch Berlin trägt. In solchen Momenten bin ich – wie vermutlich viele andere weibliche Beobachter – irre fasziniert und zugleich voller brodelnder Gedanken. Ja, in mir fängt es dann tatsächlich an zu kochen, weil in solchen Momenten kurzer
Weib-zu-Weib-Blicke unausgesprochene Fragen  rüber auf die andere Straßenseite oder die rosane Homepage schwirren:  Würde ich jemandem, so wie ich jetzt heute hier und jetzt bin, auffallen? Was bitte machst du, um das zu haben, was du hast, und auszusehen, wie du aussiehst? Brauche ich auch Tamtam und Socken in offenen Schuhen? …
Ich bin von mir selbst überrascht. Denn ich weiß: Das sind verflixte Fragen, die wir im Mariannengraben versenken sollten. Lasst uns endlich die Thomass’sche Brille aufsetzen, durch die wir uns selbst ungeschminkt mit mehr Liebe zum eigenen Sein und Eigensein anblicken können. Weil nur dem Zufriedensein mit uns selbst die edelste Form von Attraktrivität entspringt. So is’es, so schmalzig es auch klingt.

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