LEBEN & GENIESSEN

Nach dem Aufbrausen: Lebensweisheit und eine Frage

Es tut mir Leid, dass ich mich so lange vorm Bloggen gedrückt hab. Für euch. Für mich selbst. Dieser unbegeh- und doch besuchbare Ort hier war und ist immer Ladestation meines Herzens. Ich hab abgeben, was das mich bewegt, beschwingt, erquickt, erfreut, und das tausendfache zurück bekommen: Freude am Schreiben, Bewusstwerden des Guten, Gedankenaustausch und vor allem ermutigende virtuelle Begegnungen. 

Bis jetzt ging es nicht. Keine Kraft, absolut keine Besinnlichkeit für einen Post. Ich war in den letzten Monaten eine andere Spezies: Human working statt human being. Das viele Arbeiten war – wie es sonst eher typisch für die arbeitende Männerwelt ist –meine Kompensation zu den vielen Veränderungen im Leben. Neue Stadt. Neues Studium. Dauerhaftes Wochenendpendeln. Sich auftuende Türen, in die ich sofort meinen Fuß setzte. Schließlich ein Grafikauftrag hier und ein Contributor-Job da. Im Nacken noch die blauen Flecken der Kraftlosigkeit aus dem Bachelor-Marathon. Bewerten kann man nun meinen Workload so schlecht wie man will. Er hat etwas mit sich gebracht, dass alles aufwiegt: wertvolle Lebenserkennnis!

„25 is the year when a women finally knows what she wants in life“ zitierte Molly aus einer cosmo girl-Ausgabe und hat sich bei mir ins Gedächtnis eingebrannt. Es sind noch vier einhalb Monate bei mir. Doch Dank des letzten halbes Jahres, hab ich tatsächlich herausgefunden, was ich im Leben will. Ich weiß, wer und wie ich sein will, wohin ich will und wen ich bei all dem als Gefährden ernenne. Ich will Leidenschaft in all meinem Tun (umgangssprachlich auch ganz simpel mit Arbeitsleben zusammengefasst), Never-ending-Optimismus und Vorwärtsstreben dabei. Und trotz allem Aufblühen in der Arbeit  immer human being bleiben. Die letzten Monate haben gezeigt, dass ich dafür ausreichend Platz für das aller wichtigste im Leben freihalten muss: enge Beziehungen! Voller Vertrauen, Ehrlichsein-Können und Lachen bis der Bauch wackelt. Und genauso wie ich Platz für andere halte, muss ich ihn für mich selbst halten und mich selbst wie meine Liebsten mit allem Wohlwollen umgarnen. Diese Lektion war wohl die schwerste, die ich bis jetzt lernen musste. Deshalb sind die folgenden Gedankenfetzen extra fett geschrieben, damit ich sie nicht wieder vergesse: Ich darf in mich hinein hören und tun, was meiner Seele Balsam ist. Ganz viel Unsinniges, das nur dazu da ist, mir Freude zu machen. Musik laut aufdrehen. Blumen kaufen, die ehe verwelken. Beim Spazieren nach oben gucken und neues in der bekannten Umgebung entdecken.  Ein Cabrio mieten, nur um die Haare im Wind flattern zu lassen. Eben das Leben rundum genießen – ich habe auf dieser Erde schließlich nur dieses eine im Jetzt und Hier. Das hat mir das Leben im Vorbeigehen zugeflüstert. Zum Glück hab ich noch hingehört.

Nur eines haben mir die letzten Monate noch nicht gezeigt, nämlich wo es mit diesem Blog hingehen soll. In den letzten Jahren war es ein buntes Sammelsurium an all dem, was mir im Leben über die Füße gefallen ist. Von Anekdoten, Designberichten, Lebensgedanken, Rezepten, Musikempfehlungen bis hin zu zahlreichen Kopenhagentipps war alles dabei. Akut geht es mir ein bisschen wie dem Fräulein: „Wo ist mein Fokus?“. Also, wo ist er hier? Wie soll es auf dieser Seite  weiter mit Text und Bild gehen? Gibt es schon so etwas wie Blogberater? Wo ist die Blogmuse, die mich küssen kann?

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6 Gedanken zu “Nach dem Aufbrausen: Lebensweisheit und eine Frage

  1. Blogberater bin ich nicht. Und auch mit der Blogmuse, die dich küsst, kann ich nicht dienen. Nur so viel: Ich fänd’s schade, meingefangen nicht mehr einzufangen. Wie wär’s damit: Hör auf dich. Alles kann, nichts muss. Schreib, wenn und wann du Lust dazu hast. Textpausen verübelt dir niemand. Zu wissen, dass du nicht wiederkommst, würde mich traurig stimmen. Eine Pause könnte ich verkraften. Gerade noch.

  2. eni schreibt:

    deine worte, so wunderbar. so ehrlich. so echt. so gut.
    hab dank dafür und fürs erinnern.
    ich weiß genau, wie es dir gerade geht mit dem blog.
    bei mir ist es ähnlich. oft fehlt mir die zeit, die muse oder einfach nur der schlaf um zu schreiben, was sich in meinen gedanken dreht.
    und nach unendlichen zeiten des inneren drucks, schreibe ich nunmehr – für mich.
    worte, die hinauswollen, dann, wenn die zeit dafür da ist.
    wenn du muse mich küsst und meine müden augen noch eine weile offen bleiben können. was mein blog nun ist? ich weiß es nicht.
    vielleicht einfach nur ein ort an dem ich worte sammle und gedanken auf die reise schicke. vielleicht. vielleicht.
    aber eines weiß ich, es ist gut so wie es ist.
    es fühlt sich gut an.
    richtig.
    es passt zu dem wie mein leben gerade ist. wie ich bin.

    vielleicht ist der blog einfach nur ein buch mit leeren seiten, die gefüllt werden können. wann ich will. wie ich will.

    ich mag deinen blog. sehr.
    und zwar genau so wie er ist.
    weil das so echt ist.

    stress dich nicht, hör auf deinen bauch.
    es ist doch dein ort.
    du allein bestimmst, was und wie er ist.

    ich jedenfalls, bin gerne hier.
    sehr gerne!

    <3

  3. Blumen kaufen!!! Ja ja ja! Obwohl sie verwelken! Oder gerade weil, denn dann kann man neue koofen!
    Blog doch einfach wie, über was und wann du willst. Konzepte sind leider nie authentisch. Und die sehr große Mischung an Unterschiedlichem machen dich in ihrer Summe doch erst aus! Und entschuldige Dich nie für blogpausen! Du solltest kein schlechtes Gewissen gegenüber den Lesern haben! Und mehr Zeit für Freunde- Na da kann ich doch gar nüscht dagegen haben…

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