LEBEN & GENIESSEN

Der kuratierte Bessergeschmack

Mit der Freundin hatte ich letztes Wochenende eine guided tour in der Boros Collection gebucht. Für mich war es zunächst ein genaueres Anschauen der Werke, bei deren Ausstellungsaufbau ich vor zwei Jahren selbst mit Hand angelegt hatte. Mit dem kleinen Abstecher danach ins smart deli, wurde der Ausstellungsbesuch dann zum Anlass über das kuratierte Wesen unserer Lebensstile zu philosophieren. Wir sind nämlich beide handfeste „Besserbürger“ wie sie Matthias Stolz in seinem ZEITmagazin-Artikel beschreibt. 

Denn: Ich geh in eine private Kunstsammlung, mit ausgewählten Gegenwartskünstlern, deren Arbeiten ich schon vorher kannte. Ihre Arbeiten entsprechen meinem Geschmack und meiner Kunstauffassung, die Ausstellungsräumlichkeiten natürlich inbegriffen. Ich habe einen Schreibtisch, auf dem alle Dinge so exakt positioniert sind, dass es scheint, als würde ich nie darauf arbeiten. Ich kaufe eine Handcreme, die eigentlich nicht meinem Budget entspricht. Aber weil ich woanders gerne verzichte, leiste ich mir meine hohe Ansprüche an den Dingen, die mich umgeben, geschweige denn meine Haut berühren.

„Das Milieu, in dem ich lebe, kauft nicht mehr nur ein, es wählt aus. Man kuratiert seinen Besitzstand.“ Ich fühlte mich mit jeder Zeile, die ich von Stolz‘ Artikel las, neu ertappt. Spätestens bei dem Absatz über die Kaiser Idell, die auch mein kleine Ausstellung an Besitztümern ins rechte Licht rückt und mich damit als (ein)gebildeter Besserbürger outet. Mein geliebtes Berlin, das hast du also aus mir gemacht. High-Quality-Coffee-Nerd, Designfanatiker, Bikini-Haus- und Nur-Biomarkt-Shopper. Kurz Besserbürger. Ich dank’s dir trotzdem. Es fühlt sich irgendwie gut an, erst Recht mit Aēsop auf den Händen.

Als Gegenmittel verabreiche ich mir nun ein Wochenende in Halle, wo das Besserbürgertum erst zu wachsen beginnt. Mir dafür ein bisschen mehr Niveauflexibilität und euch einfach nur ein

HAPPY WEEKEND!
.

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Ein Gedanke zu “Der kuratierte Bessergeschmack

  1. Marie schreibt:

    Sehr schön :) den Artikel habe ich auch am Wochenende gelesen und dabei mich selber ertappt. Vorallem da ich ein paar Tage vorher kurz in Paris war und in dafür ganz typischen Läden war… (und auch am Aesop-Stand in den Galeries Lafayette)
    Aber wenigstens kann ich auch meinen Eltern ein wenig die Schuld geben. Lohas der frühen Sorte :)
    Aber es ist doch auch was schön, die Dinge die einen umgeben mit Sorgfalt zu wählen und auch zu genießen.
    Grüße von einer Ertappten

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