UNTERWEGS

Pfaulterrain betreten

Letztlich haben  wir den ersten Picknickkorb des Jahres gepackt. Als das Wetter noch schön war! Zusammen mit unseren hanseatischen Berlinerfreunden ging’s auf zur Pfaueninsel. Oder Pfauleninsel wie ein Kind uns auf der Fähre dorthin eingeweiht hat.

Gleich nach dem Übersetzen kam ein farbenfroher Empfang entgegen. Leuchtendes Kobaltblau und Aqua. Aber alles nur Bluff! Die kristalline Struktur lässt sie strahlend leuchtend – keine Pigmente. Räder schlagen, das haben sie nur ganz selten gemacht. Dafür haben sie unsere Krümel vom Picknicken als Gage fürs Fotoshooting vertilgt. Oder den Salat aus dem Inselgarten.

Ich bin ein Pfau.
In meinen weißen Schwingen fängt sich das Schleierlicht der Sonne ein.
Und alle Frauen, die vorübergingen,
liebkosten mit dem Blick den Silberschein.

Ich weiß, dass ich sehr schön bin.
Meine Feder auf meinem Kopf stell ich oft kapriziös…
Ich hab das weißeste von allen Pfauenrädern;
ich bin sehr teuer, selten und nervös.

Ich habe leider ziemlich große Krallen,
und wenn ich fliege, sieht es kläglich aus.
Doch, wer mich liebt, dem werde ich gefallen,
und alle Welt steht vor dem Vogelhaus.

Klug bin ich nicht. Klugheit ist nicht bei allen,
viel liegt nicht hinter meiner Vogelstirn.
Ich will gefallen – immer nur gefallen –
Ich bin ein schöner Pfau. Ich brauche kein Gehirn.

Nur singen darf ich nicht. Das ordinäre
Gekrächz ist nicht zu sehen – wie mein Bildnis zeigt.
Ich bin ein Pfau.
Und eine schöne Lehre: Wer dumm und schön ist, setzt sich. Siegt. Und schweigt.

Theobald Tiger alias Kurt Tucholsky

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