FOOD, GO THERE

Berlin: Haferkater

Wer sich noch an das Grød in meinen Kopenhagen-Tipps erinnert oder ab und an bei mir auf Instagram vorbeischaut weiß, dass ich ein absoluter Porridge-Liebhaber bin. Was im Deutschen recht unappetitlich klingt (ich schreib es extra kleiner: Haferbrei oder auch Haferschleim), landet bei mir Morgen für Morgen auf dem Frühstückstisch. Viele verbinden damit einen wässrigen Brei; ich kenne Porridge aber in erster Linie cremig und  unendlich vielfältig im Geschmack – Dank Mehrkorn-Flocken, Sojamilch und Toppings von Obst, Sojajoghurt, Spreads, Nüssen bis Samen. Genau deshalb ist es bereits so lange mein Jeden-Morgen-Frühstück, dass ich mich nicht einmal mehr an den ersten Tag der Porridge-Reihe erinenrn kann.

Kein Wunder, dass es für uns kein Halten gab, als der F-Mann über den Galileo-Beitrag vom Haferkater erfahren hat. Porridge, der nur mit Wasser zubereitet und dennoch überaus cremig sein sollte, mussten wir probieren.

In der Tat! Die Kater, so nennt Inhaber Leandro Burguete seine Porridgeportionen, haben eine sehr cremig-breiige Konsistenz und im Vergleich zur Milchvariante eine stark ausgeprägte Textur. Ein Geheimnis um die Rezeptur macht Burguete aber nicht. Denn Porridge auf Wasserbasis ist in Schottland seit jeher ein “Armermannfrühstück” und besteht eben nur aus zwei Zutaten: Haferflocken und Wasser. Den überraschend cremigen Charakter erzielt Burguete, indem er den Hafer in einer Mühle zu weichen Flocken stampft und ihn dann anröstet, bevor das Ganze aufgekocht wird.

Eine wahre Kraftquelle wird der Porrdige durch Toppings wie die exotische Mischung aus Cranberries, Maul- und Gojibeeren mit Waldhonig, dem Nussmix mit Ahornsirup, Obstsalat oder Schokoladenabrieb.  Zwar sorgen die zahlreichen Ballaststofffe im Porridge für ein lang anhaltendes Sättigunggefühl. Die kleinere Portion Kater als einziges Morgenmahl reicht dafür trotzdem nicht aus. Für den durchschnittlichen Esser ist es eher als Porridge to go-Variante anzusehen. Wer also ein ausgiebiges Frühstück im Haferkater plant, sollte besser zur größeren Portion greifen oder sogar zwei davon bestellen. Außerdem ist noch eines unbedingt zu beachten: der Wetterbericht! Gemütlich eins zwei Stündchen sitzen, kann man dort nämlich nur am statt im Haferkater. Oder mit anderen Worten Orten: Outdoor heißt das Motto! Und das lässt sich mit einer guten Portion Sonnenschein im Gesicht dann doch am besten ausleben.

Haferkater
Boxhagener Str. 76-78
10245 Berlin

Mo – Fr 8:00 – 18:00 Uhr
Sa – So 9:00 – 18:00 Uhr

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Standard
DESIGN, INTERIOR

Zum Rumkullern schön: Filzkugelteppiche

Bisher tauchten vor meinem inneren Auge Bilder von Hippis mit Dreadlocks oder Kinderbasteln auf, wenn ich an Filz dachte. Farbenfroh, naturverbunden und verfusselt. Unter diese Assoziation mischt sich die Erinnerung an meinen eigenen Filzversuch – der erste und letzte zugleich. Denn das Geduldsspiel aus nicht endendem Einstechen mit einer Filznadel in ein kleines Wollbündel war einfach kein Handwerk für jemanden Ergebnisorientierten wie mich. Umso sprachloser war ich, als ich zum ersten Mal einen ganzen Teppich aus Filzkugeln sah. Kugel an Kugel: Was für eine beeindruckende Handarbeit! Was für eine geordnet rhythmische Struktur! Da zieh ich den Textildesigner-Hut.

Die Herstellung eines Filzkugelteppichs ist Handwerk- und Kunstwerk zugleich. Echte Schurwolle wird gekämmt und eingefärbt. Die Kammzüge, so nennt man die losen Wollstränge, werden portioniert und zu kleinen Kugeln durch Nassfilzen verdichtet. Schließlich werden bis zu 5000 dieser kleinen Kullern wie Perlen zu einem Teppich aufgefädelt. Klar, dass so aufwendige Produktionen in Billiglohnländer verlagert werden. Doch entgegen den gewohnten Berichten kann die Arbeit dort auch fair ablaufen. FilzKugelTeppiche ist da ein Paradebeispiel: Deren Filzschönheiten werden in Nepal produziert, doch die Mitarbeiter überdurchschnittlich entlohnt und ihnen ermöglich, auch von zu Hause zu arbeiten. Homeworkshop quasi.

 

Die wortwörtlich geballte Ladung innerer Schönheit strahlt natürlich nach Außen. Wie in einer Bienenwabe schmiegt sich Kugel an Kugel und ergibt eine atemberaubende Struktur. Die kann sich nicht nur sehen lassen, sondern auch erspüren. Es fühlt sich wie eine sanfte Massage an, wenn man auf den Filzkugeln steht. Für dieses haptische Erlebnis, mache ich ab und an Umwege durch die Wohnung, um nur ein weiteres Mal darüber laufen zu können.  Ihr merkt: Ich bin verliebt in meinen runden Filzteppich in Dunkelgrau. Und selbst unsere Gäste zieht der textile Kreis mit Optik und Haptik in seinen Bann.

Immer noch SOS
Die Erdbeben im Himalaya von April und Mai diesen Jahres sind bei uns längst vergessen. Die Menschen dort, darunter auch Frauen und Männer, die diese Filzkugelteppiche herstellen, kämpfen aber immer noch mit dem tragischen Verlust von Familienangehörigen und die große Verwüstung; die ehe schon müheseligen Wiederaufbauarbeiten werden von Monsunregen erschwären. FilzKugelTeppiche hilft seinen nepalesischen Mitarbeitern  ihr Leben mit finanziellen Mitteln – wie es eben aus der Ferne am besten geht – neu aufzubauen. Wer das ebenso gut findet, kann die Bemühungen direkt über eine Paypal-Spende (an payments@feltballrug.com) oder über das Rote Kreuz unterstützen.

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Dieser Post ist eine Kooperation aus Überzeugung.

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INTERIOR

Kleine Schönheitsentdeckungen

Vom Pendeln zurück nach Hause zu kommen, ist in den letzten Monaten zum schönsten aller Gefühle geworden. Um das Zuhausegefühl bis ins Letzte auszukosten, hole ich mir Woche für Woche einen Sommergruß in die Wohnung. Kornblumen, Kosmeen, Wicken, Fingerhut, Schafgarbe. Je wild-romantischer, umso bezaubernder der Anblick.
Aktuell klebe ich vor Arbeit am MacBook, die Blumenvasen bleiben ungewohnt leer. Und dann kam die kleine Entdeckung. Egentlich immer dagewesen, steht die Petersilie auf dem Balkon nun in ihrer Blüte und hat so meine Aufmerksamkeit geweckt. Schnipp schnapp. Schon steht eine unverhoffte Schönheit auf dem Betttisch. Die Blütenstände der Balkonkräuter als kleine Minibumensträuße – so simpel. So gut. Erst Recht neben dem neuen Strickprojekt… 

Vase: Lyngbyvase von Lyngby Porzellan
Wolle: Marokko Cotton von Gedifra
Weinkiste: unbekannt (Geschenk meiner Tante – wie hab ich sie dafür gern)
Schiefertablett: Slate Plate von Nicolas Vahé 

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FOOD

Croissant mal ganz anders

Kochbücher benutzen wir vermutlich anders als es ihre Autoren sich gedacht haben. Statt stupide nachzukochen oder zu backen, was uns an Bildern und Worten das Wasser im Munde zusammen laufen lässt, lassen wir uns von Rezepten lediglich inspirieren. Die Zutatenliste wird wie wild ergänz und umgeschrieben, manchmal sogar bis das ursprüngliche Gericht kaum noch zu erahnen ist. Oder wie im Fall von Fannys Patisserie (Fanny Zanotti bloggt übrigens auch),  als aus einem zuckersüßen Croissant pain perdu zum Frühstück  bei uns ein herzhafter Starter für einen sommerlich leichtes Abendessen wurde:

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Zutaten
2 Croissants
2 Eier
2  Zweige frischer Rosmarin
Salz & Pfeffer
50ml Vollmilch 3,8%
Butter
Parmigiano-Reggiano

Zubereitung
Eier und Milch zusammen mit Salz, Pfeffer und dem Rosmarin verquirlen.
Die Croissants halbieren und in einem flachen Gefäß in der Eiermischung
für etwa 1 min von jeder Seite einweichen lassen.
Butter in einer Pfanne zerlassen und die Croissants darin
beidseitig backen bis sie mit ihrem Gold locken.
Angerichtet mit Parmesan verfeinern
und jauchzend genießen.

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Die Croissants von einer kleinen, aber höchstfeinen Boulangerie in der Lettestraße 2 am Helmholzplatz, Berlin, liebe ich wie verrückt. Seit unserem Pain Perdu-Experiment kaufe ich dor immer auf  Vorrat ein. Die französische Variante des armen Ritters war zu sehr geglückt! Hach, wenn ich jetzt schon allein an den herzhaften und doch leicht süßen Geschmack zurück denke, huschen mir unbemerkt Mmmhms über die Lippen. Diese kleine Leckerei könnte es jeden Abend geben! Denn im Nu sind die Croissants geschnitten, Eier verschlagen und ein Deluxeessen mit kleinem Aufwand, aber großer Gaumenfreude auf dem Tisch gelandet.

In dem Sinne: Essen ist fertig!

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CRAFTS

Zickzack für die kleinsten Füße

Wahre Stricker kennen keine Sommerpause! Diesen Ehrencodex treu zu bleiben, fällt bei diesem kühlen Sommer (kann man das überhaupt so betiteln?) ziemlich leicht. Ich persönlich mag es auch lieber, wenn das Garn sommerlich dünn ist, das durch meine Finger läuft, während die Nadeln wild zappeln. Socken sind da von Juni bis September ideale Strickprojekte ! 

Und wie hab ich mich letztlich unsterblich in dieses graphischen Paar verliebt! Doch weil aktuell nur Zeit für Kurzprojekte und stash-Aufbrauchen bleibt, musste eine Babyversion draus werden. Gesagt getan – zwei Muster schnell  zusammengeworfen, hier und da etwas abgeändert. Klapper klapper und nach wenigen Abenden war sie fertig: Meine Graphic Chevron Baby Socks-Abwandlung, die bald die zarten Füße eines kleinen Mega-Bootsbauers umzickzacken und beringeln.

Zum Nachstricken gibt es eine englische Anleitung mit Infos wie Nadelstärke und verwendeter Wolle hier im pdf. In dem Sinne: Happy summer knitting!

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FOOD, GO THERE

Berlin: Patisserie Latodolche

Wenn der F-Mann sein Mitten-in-der-Woche-Wochenende feiert, durchstreifen wir regelmäßig Berlin auf der Suche nach seinen süßesten Plätzen. Das eigentliche Ziel hieß letztlich Anna Durkes. Eher enttäuscht über den fettigen Geschmack des Gelato, ließ ich meine Blicke nach Besserem schweifen und entdeckte dabei eine unscheinbare Patisserie schräg gegenüber. Ja, ich musste meine Augen spitzen, um Latodolche zu entdecken. Wegen ihrem zart-weißem Branding und lauter Glasscheiben ist die italienische Patisserie eher unauffällig. Eben ein echter Geheimtipp! Denn wer die delikaten Gebäcke und Törtchen probiert, meint einen Goldschatz am Ende des kulinarischen Regenbogens gefunden zu haben.

Kleine Törtchen schwebten auf Porzellan trapiert im Schaufenster. Von Pistaziencreme bis Lemon Meringue reichte die Palette der Minis. Sie sind tatsächlich nur Babyhand-groß. Aber das sagt nichts über ihre wahre Größe aus. Ganz im Gegenteil: Der Lemoncheesecake im Quadrat (der F-Mann stupst ihn gerade an) hat auf 4cm x 4cm x 2 cm alles an Geschmack, was sonst ein Kuchenviertel zusammenbringt. Vollste Kontentration an sonnengeküsster Zitrone und cremigem Weichkäse (schäzungsweise Mascarpone oder Ricotta, schließlich ist es eine Patisseria Italiania) par excellence. Neben diesen Geschmacksbomben fertigt Latodolche auch klassisch italienische Leckereien wie z.B. Tiramisu, italienische Brioche (die lustigen Hutbrötchen, in denen manche Italiener ihr Eis essen) und Canestrelli.

Auch wenn Latodolche noch ein Geheimtipp sein dürfte, da es die Patisserie erst seit etwa 3 Wochen gibt, macht sie kein Geheimnis darum, wie produziert wird. Alles passiert direkt hinter Schaufensterglas. Wer durchlugt entdeckt also typische Edelstahlflächen, Backutensilien und eine Kitchenaid neben der anderen. Wie alles in Aktion ist, können alle Neugierigen am Vormittag bestaunen; den Latodolche-Patissiers auf die Finger schauen, wenn sie ihre Kostlichkeiten herstellen.  Auch wenn wir das Showbanking verpasst hatten, waren wir nach der Gelato-Panne englich auf unseren Geschmackssinn gekommen und drehten deshalb schon an der Türschwelle für italienischen Nachschub um. Das allein ist doch bereits ein Statement für sich.

LATODOLCHE
Paticceria Italiania
Gräfestr. 11
10967 Berlin

Do – So 13:00 – 20:00 Uhr

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DESIGN

Farbenfrohe Möbel: outforspace

Seine Surflust trieb ihn immer wieder nach Indonesien. Doch Julian Reuter fand dort mehr als nur Spaß auf dem Wasser. Kurz vor seinem Bachelorabschluss in Produktdesign entdeckte er eine in Indonesien weit verbreitete Palme für sich. Und damit sein nächstes gestalerisches Projekt, eine Materialinnovation. Im Grunde seine Zukunft und die von Peter Kraft, Tobias Esser, Moritz Fuhrmann und Miriam Bröckel.
Zusammen sind die Fünf outforspace und haben Julians Rattan-Entdeckugen zu farbenfrohen Möbeln, Wohnaccesoires und Spielzeug weiterentwickelt, die es wortwörtlch in sich haben. Nämlich ein farbiges Wachsgemisch, das in einem mit dem Innovation Center Lichtenfels und der Universität Coburg entwickelten Patentverfahren in die Kapillarstränge der Rattanpalme injiziert wird. Damit werden die Hohlfasern der Pflanze vollständig gefüllt, das Naturmaterial gegen Wasser und folglich auch gegen Modern ressistent, wie es bisher in den feucht-tropischen Anbauregionen unumgänglich war. Dank Wachsinjektion ist Naturrattan jetzt endlich im Außenbereich nutzbar – eben outforspace.

Ihre Materialinnovation nennen nennen die outforspacer karrun. Die wächst vergleichbar schnell wie Bambus und ist auch mit Farbfülung rundum nachhaltig. Theoretisch kann karuun im hauseigenen Kompost neben Kartoffelschalen und Salatblättern abgebaut werden. Doch soweit kommt es mit sicherheit nicht. Die Produkte von outforspace sind viel viel zu schön dafür. Ihre Superior Ästhetik – wie outforspace sie selbst beschreibt – gründet sich in modern-bauhäuslierischer Formexzellent und Materialoptik. Letztere entsteht durch die Füllung aus farbigem Wachs, die im Rattan hauchfeine, linienartige bzw. punktierte Strukturen hervorruft– je ob Quer- oder Längsschnitt im Ratten. Ihre ästhetische Vollendungen finden die Strukturen in der Kombination miteinander, so potenzieren sie ihren eigenen Reiz. Vom Sofa rest bis zur Uhr time – alle Produkte spielen mit dieser Farbe- und Strukturkombination. Verbreiten Farbenfreude.

Oder kurz gefasst: Ich ziehe als Textil- und Produktdesigner meinen Hut vor der Leistung der outofspacer. Ihr Produkte sehen nicht nur wie tausend andere einfach gut aus. Sie belegen darüber hinaus eine bewusste Auseinandersetzung mit dem genutzten Material, seine funktionale und ästhetische Optimierung. Genau das ist meiner Meinung nach Design auf höchstem Niveau: Innovativ, nachhaltig, überzeugend schön. Deshalb kann ich nicht anders und möchte bitte play, hang und time in Rot als auch Schwarz auf einmal. 

Dieser Post ist keine Kooperation, kein bezahlter Artikel, nur ein Lob ab die Designleistung von outofspace. Peter und Julian haben mich in das Geheimnis von karuun an ihrem Stand auf dem Salite 2015 in Mailand eingeweiht und eben begeistert. Falls ihr beiden diesen Post lesen solltet: Tausend Dank noch mal für die Salone di Mobile-Eintrittskarten-Leihgabe – you made my day!

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