FOOD

Croissant mal ganz anders

Kochbücher benutzen wir vermutlich anders als es ihre Autoren sich gedacht haben. Statt stupide nachzukochen oder zu backen, was uns an Bildern und Worten das Wasser im Munde zusammen laufen lässt, lassen wir uns von Rezepten lediglich inspirieren. Die Zutatenliste wird wie wild ergänz und umgeschrieben, manchmal sogar bis das ursprüngliche Gericht kaum noch zu erahnen ist. Oder wie im Fall von Fannys Patisserie (Fanny Zanotti bloggt übrigens auch),  als aus einem zuckersüßen Croissant pain perdu zum Frühstück  bei uns ein herzhafter Starter für einen sommerlich leichtes Abendessen wurde:

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Zutaten
2 Croissants
2 Eier
2  Zweige frischer Rosmarin
Salz & Pfeffer
50ml Vollmilch 3,8%
Butter
Parmigiano-Reggiano

Zubereitung
Eier und Milch zusammen mit Salz, Pfeffer und dem Rosmarin verquirlen.
Die Croissants halbieren und in einem flachen Gefäß in der Eiermischung
für etwa 1 min von jeder Seite einweichen lassen.
Butter in einer Pfanne zerlassen und die Croissants darin
beidseitig backen bis sie mit ihrem Gold locken.
Angerichtet mit Parmesan verfeinern
und jauchzend genießen.

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Die Croissants von einer kleinen, aber höchstfeinen Boulangerie in der Lettestraße 2 am Helmholzplatz, Berlin, liebe ich wie verrückt. Seit unserem Pain Perdu-Experiment kaufe ich dor immer auf  Vorrat ein. Die französische Variante des armen Ritters war zu sehr geglückt! Hach, wenn ich jetzt schon allein an den herzhaften und doch leicht süßen Geschmack zurück denke, huschen mir unbemerkt Mmmhms über die Lippen. Diese kleine Leckerei könnte es jeden Abend geben! Denn im Nu sind die Croissants geschnitten, Eier verschlagen und ein Deluxeessen mit kleinem Aufwand, aber großer Gaumenfreude auf dem Tisch gelandet.

In dem Sinne: Essen ist fertig!

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CRAFTS

Zickzack für die kleinsten Füße

Wahre Stricker kennen keine Sommerpause! Diesen Ehrencodex treu zu bleiben, fällt bei diesem kühlen Sommer (kann man das überhaupt so betiteln?) ziemlich leicht. Ich persönlich mag es auch lieber, wenn das Garn sommerlich dünn ist, das durch meine Finger läuft, während die Nadeln wild zappeln. Socken sind da von Juni bis September ideale Strickprojekte ! 

Und wie hab ich mich letztlich unsterblich in dieses graphischen Paar verliebt! Doch weil aktuell nur Zeit für Kurzprojekte und stash-Aufbrauchen bleibt, musste eine Babyversion draus werden. Gesagt getan – zwei Muster schnell  zusammengeworfen, hier und da etwas abgeändert. Klapper klapper und nach wenigen Abenden war sie fertig: Meine Graphic Chevron Baby Socks-Abwandlung, die bald die zarten Füße eines kleinen Mega-Bootsbauers umzickzacken und beringeln.

Zum Nachstricken gibt es eine englische Anleitung mit Infos wie Nadelstärke und verwendeter Wolle hier im pdf. In dem Sinne: Happy summer knitting!

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FOOD, GO THERE

Berlin: Patisserie Latodolche

Wenn der F-Mann sein Mitten-in-der-Woche-Wochenende feiert, durchstreifen wir regelmäßig Berlin auf der Suche nach seinen süßesten Plätzen. Das eigentliche Ziel hieß letztlich Anna Durkes. Eher enttäuscht über den fettigen Geschmack des Gelato, ließ ich meine Blicke nach Besserem schweifen und entdeckte dabei eine unscheinbare Patisserie schräg gegenüber. Ja, ich musste meine Augen spitzen, um Latodolche zu entdecken. Wegen ihrem zart-weißem Branding und lauter Glasscheiben ist die italienische Patisserie eher unauffällig. Eben ein echter Geheimtipp! Denn wer die delikaten Gebäcke und Törtchen probiert, meint einen Goldschatz am Ende des kulinarischen Regenbogens gefunden zu haben.

Kleine Törtchen schwebten auf Porzellan trapiert im Schaufenster. Von Pistaziencreme bis Lemon Meringue reichte die Palette der Minis. Sie sind tatsächlich nur Babyhand-groß. Aber das sagt nichts über ihre wahre Größe aus. Ganz im Gegenteil: Der Lemoncheesecake im Quadrat (der F-Mann stupst ihn gerade an) hat auf 4cm x 4cm x 2 cm alles an Geschmack, was sonst ein Kuchenviertel zusammenbringt. Vollste Kontentration an sonnengeküsster Zitrone und cremigem Weichkäse (schäzungsweise Mascarpone oder Ricotta, schließlich ist es eine Patisseria Italiania) par excellence. Neben diesen Geschmacksbomben fertigt Latodolche auch klassisch italienische Leckereien wie z.B. Tiramisu, italienische Brioche (die lustigen Hutbrötchen, in denen manche Italiener ihr Eis essen) und Canestrelli.

Auch wenn Latodolche noch ein Geheimtipp sein dürfte, da es die Patisserie erst seit etwa 3 Wochen gibt, macht sie kein Geheimnis darum, wie produziert wird. Alles passiert direkt hinter Schaufensterglas. Wer durchlugt entdeckt also typische Edelstahlflächen, Backutensilien und eine Kitchenaid neben der anderen. Wie alles in Aktion ist, können alle Neugierigen am Vormittag bestaunen; den Latodolche-Patissiers auf die Finger schauen, wenn sie ihre Kostlichkeiten herstellen.  Auch wenn wir das Showbanking verpasst hatten, waren wir nach der Gelato-Panne englich auf unseren Geschmackssinn gekommen und drehten deshalb schon an der Türschwelle für italienischen Nachschub um. Das allein ist doch bereits ein Statement für sich.

LATODOLCHE
Paticceria Italiania
Gräfestr. 11
10967 Berlin

Do – So 13:00 – 20:00 Uhr

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DESIGN

Farbenfrohe Möbel: outforspace

Seine Surflust trieb ihn immer wieder nach Indonesien. Doch Julian Reuter fand dort mehr als nur Spaß auf dem Wasser. Kurz vor seinem Bachelorabschluss in Produktdesign entdeckte er eine in Indonesien weit verbreitete Palme für sich. Und damit sein nächstes gestalerisches Projekt, eine Materialinnovation. Im Grunde seine Zukunft und die von Peter Kraft, Tobias Esser, Moritz Fuhrmann und Miriam Bröckel.
Zusammen sind die Fünf outforspace und haben Julians Rattan-Entdeckugen zu farbenfrohen Möbeln, Wohnaccesoires und Spielzeug weiterentwickelt, die es wortwörtlch in sich haben. Nämlich ein farbiges Wachsgemisch, das in einem mit dem Innovation Center Lichtenfels und der Universität Coburg entwickelten Patentverfahren in die Kapillarstränge der Rattanpalme injiziert wird. Damit werden die Hohlfasern der Pflanze vollständig gefüllt, das Naturmaterial gegen Wasser und folglich auch gegen Modern ressistent, wie es bisher in den feucht-tropischen Anbauregionen unumgänglich war. Dank Wachsinjektion ist Naturrattan jetzt endlich im Außenbereich nutzbar – eben outforspace.

Ihre Materialinnovation nennen nennen die outforspacer karrun. Die wächst vergleichbar schnell wie Bambus und ist auch mit Farbfülung rundum nachhaltig. Theoretisch kann karuun im hauseigenen Kompost neben Kartoffelschalen und Salatblättern abgebaut werden. Doch soweit kommt es mit sicherheit nicht. Die Produkte von outforspace sind viel viel zu schön dafür. Ihre Superior Ästhetik – wie outforspace sie selbst beschreibt – gründet sich in modern-bauhäuslierischer Formexzellent und Materialoptik. Letztere entsteht durch die Füllung aus farbigem Wachs, die im Rattan hauchfeine, linienartige bzw. punktierte Strukturen hervorruft– je ob Quer- oder Längsschnitt im Ratten. Ihre ästhetische Vollendungen finden die Strukturen in der Kombination miteinander, so potenzieren sie ihren eigenen Reiz. Vom Sofa rest bis zur Uhr time – alle Produkte spielen mit dieser Farbe- und Strukturkombination. Verbreiten Farbenfreude.

Oder kurz gefasst: Ich ziehe als Textil- und Produktdesigner meinen Hut vor der Leistung der outofspacer. Ihr Produkte sehen nicht nur wie tausend andere einfach gut aus. Sie belegen darüber hinaus eine bewusste Auseinandersetzung mit dem genutzten Material, seine funktionale und ästhetische Optimierung. Genau das ist meiner Meinung nach Design auf höchstem Niveau: Innovativ, nachhaltig, überzeugend schön. Deshalb kann ich nicht anders und möchte bitte play, hang und time in Rot als auch Schwarz auf einmal. 

Dieser Post ist keine Kooperation, kein bezahlter Artikel, nur ein Lob ab die Designleistung von outofspace. Peter und Julian haben mich in das Geheimnis von karuun an ihrem Stand auf dem Salite 2015 in Mailand eingeweiht und eben begeistert. Falls ihr beiden diesen Post lesen solltet: Tausend Dank noch mal für die Salone di Mobile-Eintrittskarten-Leihgabe – you made my day!

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FAMILY, MUSIC

365-Tage-Melodien

Du hast meine Neugier geweckt, da haben wir uns noch nie gesehen, nur über den halben Globus voneinander gehört. Und als du endlich den Raum betreten hast, hat deine Lebensfreude, dein breites Lächeln eine stille Kettenreaktion in mir ausgelöst, von der meine beste Freundin mehr wusste als ich selbst.
365+ und du bringst du mein Leben weiterhin zum Strahlen. Nie hab ich so gelacht wie mit dir, nie so tiefsinnig gut die süßen Seiten des Lebens geschmeckt. Mein Feinschmecker, mein Privatenternainer, Lebensberater, Endschleuniger und Motivator, Liebhaber, Designkritiker und großartigster Teampartner, den ich mir ausmalen konnte – take my love and take my time; tell your love she’s dear! 

Für den F-Mann / Last Love: Matrimony

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FAMILY

Jedes Detail zählt: Weißes Gold von Barbara Schmidt zu sehen

Unsere Wege kreuzten sich erstmalig in Weißensee, als ich für meinen Bachelorarbschluss in ihr Semesterprojekt wechselte. Damals hatte ich noch keinen blassen Schimmer, welche Persönlichkeit sich hinter dem Namen verbirgt. Ich wusste nur eines: Wer Projekte zum Thema “Mahlzeit” anbietet und in seinem Projekttext ausschreibt, Essen mit allen Sinnen zu erforschen, bespielen und durch Produkte aus Porzellan, Glas und/oder Metal mitzugestalten, ist – wie sagt man so schön – near and dear to my heard. Unsere Gemeinsamkeiten wurden um eine mehr, seitdem ich an der Burg Giebichenstein Halle/Saale mein Masterstudium angefangen habe. Denn etwa Ende der 1980er Jahre hat Barbara Schmidt die Ausbildung in dem Fachgebiet Glas-Keramik-Porzellan genossen. Unter dem selben Lehrer wie auch ich. Seit 1991 arbeitet sie bei KAHLA Thüringen Porzellan, wo sie immer wieder neue Essgewohnheiten in ihren Entwürfen aufgegriffen und so das Unternehmen auf neue, erfolgreiche Wege gelenkt hat. Ihren mehrfach preisgekröhnten Designs (meist KAHLA Produktionen) mit Gespür für Feinheiten, Sinnlichkeit und cleveren Benutzungsmöglichkeiten ist nun eine ganze Ausstellung in der Kunststiftung Sachsen-Anhalt gewidmet. 

Unter dem Motto “Fünf Sinne – Jedes Detail zählt” sind in der Einzelausstellung zahlreiche Service aus dem KAHLA Sortiment und ein paar wenige Arbeiten aus dem Berliner Atelier, das übrigens im Kollwitzkiez liegt, zu sehen. Wer die einzelnen Entwürfe vergleicht und mit dem Auge durchdringt, entdeckt Barbaras Leidenschaft für Funktion, Japanisches, Köstliches, Poetisches. So deckeln sich in mehreren Serien verschiedene Einzelteile untereinander ab – was die Untertasse des einem war ist der Deckel des anderen (z.B. Update). Oder die langgezogenen Tellerkanten bei Elixyr, die Barbara als modernen Henkel begreift. Letztes Jahr hat hat sie mir in der Metallwerkstatt der UdK verraten, dass sie der Gedanke, jeder Löffel sei eine kleine Schüssel mit Griff, zum Elixyr-Enwurf inspirierte. So poetisch und sinnlich wie dieser Ansatz sind auch ihre Atelierporzellane: Zylindrische Becher mit einem Bodenrelief, das wortwörtlich von Glück und anderem Wohlergehen erzählt. Strahlend weißes Obst und Gemüse als Tischaccessoires. Und ein Ring mit Korkdiamant, befüllbar mit dem feinsten Parfum, auf dass seine Trägerin immer und überall verführerisch gut riecht.

Mit offenen Augen durch die Ausstellung zu gehen. Das ist mein großer Rat an alle Besucher. Wer in kindlicher Manier unter die Tische mit seinem Blick kriecht, entdeckt Gießformen, Gipskerne und andere Dokumente des Entwurf- und Produktionsprozesses. Wer genau in die Schüsseln sieht, findet feines Süß aus Japan. Und auch die Vitrine im Eingang, die Barbara Schmidt mit ausgewählten Designklassikern bestückte, die sie persönlich als Designerin prägten, geben Einblicke in die Arbeits- und Denkweise dieser bedeutenden deutschen Gestalterin der jüngsten Vergangenheit. 

Wen es also bald nach Halle verschlägt, sollte unbedingt alle Sinne spitzen und hier auf Entdeckung des weißen Goldes gehen:

Fünf Sinne: Die Burg-Absolventin Barbara Schmidt im Kontext des 100. Jubiläums der Kunsthochschule Halle
25.04. – 17.06.2015

Kunststiftung Sachsen-Anhalt
Neuwerk 11
06112 Halle/Saale
Mi-So 14:00 – 18:00 Uhr
Eintritt 3€ /Ermäßigt 1€

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FOOD, GO THERE

Milano: Gelato Dreams

Was Eis angeht, kann man mir nichts mehr vormachen. Seit vier Jahren liegt das geliebte Hokey Pokey nur 7 min Laufweg von meinem Zuhause entfernt und über 1 Jahr lang kann man mich dort ab und an hinter der Vitrine entdecken. Dieses Deluxe-Eis hat meine Zunge geprägt. Und im Umkehrschluss alle Freude an dem Kühl geraubt, das vorher noch ziemlich nett war (ich sag nur Ben & Jerries und Florida Eis). Auch was italienisches Gelato betrifft, das alle Welt so lobt und bei dem ein oder anderen Totschlagargument für einen Urlaub in Bella Italia sein kann, bin ich vorbelastet. Patisseriemütze Niko und F haben mir eingetrichtert, dass Gelato ein cremiger Einheitsbrei aus Pulver- und Aromaeimern der Großindustrie sei. Mit unspektakulären Erinnerungen an das Eis in Kalabrien hatte ich die Message geschluck. Ich hege seither absolute Skepsis gegenüber Gelato.

Als mir in Mailand zum Salone Hanna und Romin von FAMOS in hohen Tönen von einem sagenhaft guten Eis in der Nähe von Cadorna vorgeschwärmten, konnte ich meine besagte Skepsis nicht unterdrücken. Doch ich hab mit den beiden den Schritt ins Shockolat gesetzt, hab bei ihrem Eis probieren dürfen und promt eine Gelato-Bekehrung erlebt. Was in meinem Mund dahin schmolz, war iatlienisch cremig. Ohne Stücke. Typisch Gelato. Doch geschmacklich soo soo gut, dass ich meine Einheitsbrei-Meinung über Board warf.  100% chocolate waren erdkerntief schokoladig und die kleinen Nibs darin ein haptischer Kontrast, der auf der Zunge einfach Spaß machte. Im Pistazien-Eis konnte man jeden Sonnenstrahl erschmecken, den die grünen Fruchtsteine darin je gesehen haben. Das hat tatsächlich einen Wettkampf mit dem Hokey Pokey-Pistazieneis entfacht, den das Shockolat – so ehrlich muss ich sein – gewinnt. 

Doch egal wie gut man den Geschmack eines sagenhaft leckeren Eises beschreiben kann, nichts überzeugt mehr als es selbst zu probieren. Also ab in das Shockolat, wenn ihr in Mailand seid! Für 2,50 € gibt es zwei Sorten zum Dahinschmelzen gutes Gelato in Becher oder Waffel inmitten eines stilvollen Ambientes. Um die Mittagszeit werden übrigens auch Pannini und Tramezzini angeboten, nachmittags und abends saftige Kuchen. 

Shockolat
Via Giovanni Boccaccio 9
20123 Mailand (IT)

Mo-Fr: 07:30 – 01:00 Uhr
Sa: 08:00 – 01:00 Uhr
So: 10:00 – 01:00 Uhr

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