Alle Tage wieder

Ein Leben lang

Als ich letztlich im Suicide Sue durch die Dummy-Ausgabe vom Sommer 2014 blätterte, bin ich bei der Fotostrecke von Sibille Fendt hängen geblieben. Oder was es treffender beschreibt: Erstarrt! Die Dokumentarfotografien ließen mein Herz kurz aussetzen, als ich die Geschichte hinter der ästhetischen Anmutung erfuhr.

Fendts Motive sind nämlich das Ehepaar Lothar und Elke Gärtner. Ihr Leben lang zusammen, diagnostizierte man 2006 Demenz bei Elke. Obwohl sie ihren Mann nicht mehr erkennt, vergessen hat, welche Rolle er in ihrem Leben gespielt, welche Gefühle und Momente die beiden verbunden hat; beschloss Lothar seine Frau bis an ihr Lebensende zu pflegen. Vor der Krankheit sind beide ihr Leben lang mit dem Wohnwagen durch Europa gereist. Im Sommer 2008 wagte Lothar eine letzte große Tour mit seiner Frau.
Fendt dokumentierte sie auf dieser Reise durch Polen, Lithauen, Lettland und Estland bis nach St. Petersburg. Ihre Fotos halten die Orte aber nur unterschwellig fest. Vielmehr sind sie Zeuge der besonderen Beziehung der beiden zueinander.

Für mich sind die Fotografien Beweismaterial. Dokumente, dass es sie tatsächlich gibt: Die Liebe, die einen Leben lang hält, und an der man festhält, selbst wenn man am liebsten loslassen würde.

Theresa Bäuerlein ist eine der Suchenden: “Was sich bei mir nicht änderte, war die Sehnsucht, jemand zu finden, mit dem ich mein ganzes Leben verbringen wollte. Ob es an dem Vorbild meiner Eltern lag, den Filmen oder Büchern, die ich konsumiere, oder an einem gesellschaftlichen Anspruch, der zu mir durchsickerte: Bereits als Kind wusste ich, dass eine lebenslange Liebe eines der größten Werke war, die ein Mensch zustande bringen kann.” Diese Sätze hatte ich im Feburar 2010 irgendwo abgeschrieben, weil ich mich darin wieder gefunden hab.

Dass es ein Werk sein muss, vermute ich wenn ich nach links und rechts schaue: Auf der einen Seite die befreundeten Paare, die sehr jung geheiratet haben – der erster Freund war dann der Ehepartner – und dem Gegenüber unzählige Freunde mit geschiedenen Eltern und auch solche, deren eigene Ehe gescheitert ist oder die nun in der zehnten Beziehung stecken. Zwischen den beiden Kontrasten schwirren wohl bei allen Menschen Fragen. Viele. Die prägnanteste davon: Wie erreicht man dieses Beziehungswunder? Denn wir wissen, dass du bist. Dass du existierst, lebenslange Liebe.

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Weitere Eindrücke von “Gärtners Reise” hier. Oder so mit Blättern statt Klicken.

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Alle Tage wieder

Rückschau

Im mutigen Abenteuer angekommen, umgeben mich nun wieder Gipswerkstatt, Glasurlabor und Brennöfen. Nur eben alles vierfach so gut ausgestattet! Dennoch denke ich gerne an die kleine Keramikwerkstatt in Weißensee zurück. Gerade wenn der Ofen noch abkühlte, war es so gemütlich warm dort drinnen. Die Erinnerung ist ein guter Anlass, um auf mein Abschlussprojekt zurück zu blicken. Und endlich davon zu zeigen!

Ausgangspunkt des Projektes waren meine Beobachtungen, wie Kaffee und Kuchen am Sonntag aktuell stattfindet. Auffällig war dabei der Einzug der Büffetkultur. Sie löste die strikte Ordnung von  Geschirr und Schlemmereien auf der klassischen Kaffeetafel auf. Heute stehen meist nur noch Kaffee und Gebackenes auf dem Tisch – nebst Stapel an Tassen, Tellern und Besteck, an denen die Gäste sich selbst bedienen. Gegessen wird deshalb meist im Stehen oder im Sitzen auf der Couch.

Das OFF THE TABLE Set aus Teller, Unterteller, Tasse und Kuchengabel passt sich diesen veränderten Gewohnheiten an. Der Porzellanteller fasst bequem ein großes Stück Kuchen und Tasse zugleich. Aufgrund des voluminösen Bodens des Untertellers aus Ahorn lässt sich das Set problemlos in verschiedenen Positionen in einer Hand halten oder kann bequem auf dem Schoß beim Sitzen abgestellt werden. Der Teller wird also zum neuen Tisch.Kuchengabel und Kaffeetasse sind dabei so konzipiert, dass sie kleinere Postionen bedingen und auf diese Weise auch bewusstes Genießen. Ist man mit dem Kaffee und Kuchen fertig, lässt sich der Porzellanteller abnehmen und der Ahornteller für einen leichten nachfolgenden Gang nutzen – Baguette, Käse und Trauben eignen sich dafür perfekt.

Hier ein kleiner Einblick in das Making-Of der Porzellanteile: 

Einen vollständigen Einblick in die Entwicklung meiner Arbeit gibt’s in der digitalen Version des OFF THE TABLE Buches – von der Ausgangsidee, über Entwurfsprozess und Umsetzung bis hin zu den finalen Fotos.  Allerdings auf Englisch.

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Alle Tage wieder

Im Lebenslauf

Pause. Hier. Den letzten Monat über. Denn bisher geschah einiges. Leben war im Lauf. Nicht nur haben sich meine Lebensjahre um eines vermehrt. Auch mein Lebenslauf ist länger geworden: Ich bin nun ganz offiziell und beurkundet Bachelor of Arts – Textil / Flächendesign. Wenn auf dem letzten Metern noch Herzkasper-Drama mit Happy End geworden…

Wie es weiter geht? Die Weichen dazu wurden bereits vor einem halben Jahr gelegt, als ich mich für den Master in Produktdesign mit Schwerpunkt Glas-Keramik-Porzellan an der Burg Giebichtenstein bewarb. Mein Pokern ging auf, ich wurde angenommen. Und entschied mich Mut zu haben. Mut, Berlin unter der Woche zu verlassen, um meinen beruflichen Träumen Schritt für Schritt entgegen zu stolpern und laufen. Zwei Jahre pendeln zu wollen, um Freund, Freunde und Berlinfreude kein Stück loslassen zu müssen. Getragen hat mich bei der Entscheidung – die auch bei dem ein oder anderen Naserümpfen entgegenbrachte – der Post von meinmorgenstern.

[...] don’t waste [your time] living someone else’s life [...] have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truely want to become.

Dem Herzen folgen. Mutig sein, ungewohnte Wege gehen. Dem Träumen wegen. Auf dass sie werden und dann einmal sind. All das vergisst unsere Karusell-Gesellschaft zu oft in ihrer immer schneller werdenden Umdrehung um sich selbst … U-Turn bitte – zurück ins wahrhaftige Leben!

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Ausgeflogen, Design + Wohnen

Das Beste zum Schluss

Vielleicht ist euch das tannengrüne Poster mit dem versteckten großen D darauf in Erinnerung geblieben, als mich MiMa damals gebeten hat ein paar Fotos aus meiner Wohnung zu zeigen. Das D von PLAYTYPE war Liebe auf den ersten Blick – ästhetisch-minimalistische Typo und Farbgespür haben mich sofort gecatcht. Da lässt sich gut ausmalen in welchem Wall an Hochgefühlen ich den Store in CPH betreten habe! 

Den kleinen Laden hatte ich am letzten Tag des Kurztrips zufällig auf dem Weg zum Bäcker entdeckt. Ich wusste zwar, dass PLAYTYPE dort sitzt, war aber dennoch überrascht den unscheinbaren Store erkannt zu haben. Wahrscheinlich weil das Corporate Identity gut gewahrt ist: Drinnen sieht es aus wie auf der Homepage selbst – sehr weiß, sehr grafisch, eine Menge Buchstaben. Zu schön.
Auf den non-virtuellen Ladenregalen findet sich jedenfalls neben einer Auswahl aktueller Poster und Prints auch Mode, RAINS-Regencapes im PLAYTYPE-Style, Laptopcases, Papiere, Notizbücher und Becher, die an die Letter Cups von Arne Jacobsen erinnern.  Auch wenn es eindeutige Unterschiede zwischen der Jacobsen- und der PLAYTYPE-Variante gibt (Stapelkante und langgestreckte Typo bei ersterem, Kantenrundung und breitere Typo bei letzerem), selbst das Packaging weist eindeutige Parallelen auf. Das muss wohl der unveränderliche Spirit der Stadt sein …

Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin oder her, ein Stop in dem kleinen Store lohnt sich. Und alle die es in nächster Zeit nicht nach CPH schaffen, können hier schon einmal den virtuellen Concept Store betreten.

Playtype™ Concept Store
Værnedamsvej 6
1619 Copenhagen V
Dänemark 

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Ausgeflogen, In hohen Tönen gelobt

Copenhagen Summa(e)ry

Dass nach dem Abschlussendspurt mit Präsentationen und Ausstellung ein Trip in meine Herzensstadt København die Belohnung für alles Mühen sein würde, hatte ich schon erwähnt. Vor Abflug habe ich mich gefragt, ob man bei einer Reise in die Stadt, in der man bereits ein halbes Jahr gelebt hat, von Urlaub sprechen kann (erst recht, wenn es nur vier Tage sind). Wird es den Erholungsfaktor auch im Rummel einer Stadt geben? Und schließt sich der per se aus, wenn man seinen Laptop und Arbeitspflichten mit in den Koffer packt? 
Meine Antwort steht fest: In der Stadt Urlaub zu machen, die man bereits wie seine Westentasche kennt, entschlackt das Programm. Spannende Museen waren ja bereits besucht; die Must-See-Liste längst abgehackt. Damit blieb ausgiebig Zeit, um in Nostalgie zu schweben, alle alten Lieblingsorte zu besuchen und das feeling der Stadt auszukosten. Dank der vielen schönen Parks, die Ostsee in Fahrradfahrnähe (!) und kulinarischem Genuss lies die Erholung nicht lange auf sich warten. Am Ende ist das entscheidende am Urlaub ja doch, dass man das Gewohnte verlässt und den Gedanken wieder freien Lauf gibt. Das haben selbst eins zwei Stunden Arbeit am Laptop jeden Morgen nicht durchkreuzen können – Arbeit im Bett ist nur halbe Arbeit und mit Kaffee auf dem Nachttisch eigentlich schon Frühstück. Sag ich mal.

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Hier die Zusammenfassung meiner vier sommerlichen Tage in der Herzensstadt, kategorisiert in Verben:

OVERNATTE Übernachten 
ist für mich eigentlich keine große Sache. Wichtig ist mir nur ein einigermaßen bequemes Bett – den restlichen Tag ist man ehe so gut wie nie in der Unterkunft. Da Einzelzimmer im Hostel und Hotelzimmer sich kaum merklich im Preis unterscheiden, hab ich mir dieses Mal den Luxus gegönnt, in einem Hotel abzusteigen. Nach Empfehlung von Freunden ist es das Axel Guldsmeden geworden, das in Preis-Leistungs unschlagbar ist. Inklusive ist ein allmorgentlicher Bio-Äpfel und -kaffee und die hauseigene Bio-Pflegeproduktlinie. Dank Batterieproblem im Feuermelder gab es sogar ein Zimmerupgrade bekommen. Besser hätte es nicht sein können.

KOMME SIG  Erholen 
lässt sich in Kopenhagen am besten am Strand in Amager oder Klampemborg. Wenn das Wetter mal wieder weniger sonnig und warm ist, können auch die idyllischen Parks herhalten. Am hyggeligsten finde ich es im Frederiksberg Havne oder im zentral gelegenen Botanischen Garten

SPISE  Schlemmen 
kann man bestens in ganz København. Auch wenn man der Versuchung widerstehen sollte, von dänischen Kronen in Euro umzurechnen… Für ein gesundes Frühstück kann ich jedenfalls das Grød in der Jægersbroggade 50 wärmstens empfehlen. Der porridge ist nicht nur eine leckere Alternative zu boller und kanelsnegl (die würde ich dann bei der Meyers Bageri kaufen), es ist ernährungstechnisch ein optimaler Tagesstart, um einen Tag lang durch CPH zu radeln oder zu schlendern.

Kaffee danach und zwischendurch gibt’s an der Ecke vom Rosenborg Park im kleinsten Café der Stadt. Für eine längere Kaffeepause oder das nächste Frühstück sollte man unbedingt das Kompan’9 besuchen – mein absolutes und deshalb so viel beschriebenes Lieblingscafé.
Am Abend speist es sich modern und edel im Höst. Dort ist das Menü ein echtes Event  – jeder einzelne Gang wird wie ein Star vorgestellt, Kartoffeln dampfend serviert und Soßen vor den Augen über das Gericht gegossen. Alles sinnlich angerichtet auf feinster Keramik von New Norm und Menu-Glas. Wer sich durch die Links klickt, versteht, warum man dort einen Tisch reservieren muss.

Nachdem ich Eis-verwöhnt vom Hokey Pokey bin, war es schwer in der Herzensstadt wirklich gutes Eis zu finden. Als einziges crème-Eis hat mich das von Social Food im Gammel Kongevej 115 zufrienstellen können, auch wenn es qualitativ nicht an das von Hokey Pokey herankommt. Doch sowohl konzeptionell als auch geschmacklich überzeugt haben mich ENGMARK, die einen kleinen Stand an den Travernehallen haben.  Dort bekommt man Jersey Milk Popsicles mit Bio-Zutaten ausschließlich aus Dänemark; in verrückten Kombinationen wie Minze mit Kornblumen, Kartoffeleis mit Kürbiskernen und Rosmarin oder Rhabarber mit Engelwurz. So lækker!

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Alle Tage wieder

Volle Koffer

Seid 10 Tagen bin ich fertig mit meinem Abschlussprojekt, vor 6 Tagen für 4 in der Herzenstadt zum Zwischenerholen gewesen und seid 2 wieder zurück in dem Berg, den ich zurück gelassen hatte. Zu dem hat sich also noch ein chaotisch-unausgepackter Koffer gesellt. Aber wer braucht auch schon etwas auf der Haut bei diesen Temperaturen? Ich bin jedenfalls zurück – nicht nur aus Kopenhagen, sondern auch der Blogpause und werde bald vom Hinterlassenen berichten. Von den Tagen in Kopenhagen, dem besagten Abschlussprojekt und wie es weiter geht in meinem echten Leben.

Bis dahin tauche ich noch mal kurz ab. Im Berliner Schlachtensee. Nur da und auch nur heute.

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Alle Tage wieder

Strategien für stressige Zeiten

Ich befinde mich mitten in der heißen Phase kurz vor Ende meines Coffee&Cake Projektes. Bis Nachts stehe ich manchmal in der Gips- und Porzellanwerkstatt. Doch so sehr diese Arbeit mir Freude macht und mich erfüllt, es verschont mir nicht vor Stress. Wer als Designer etwas erreichen will, muss stressresistent sein und darf nicht mit 40-Stunden-Wochen und freien Wochenenden rechnen,  meinte Barbara Schmidt gestern zu mir., als wir gegen 20:00 Uhr noch zusammen in der Werkstatt standen. Ich bin mir dessen bewusst und weiß genauso, dass es in solchen heißen Phasen umso wichtiger ist, für Erholungsmomente zu sorgen.

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Strategie #1 ist, das Zubereiten von den Mahlzeiten auszukosten wie das Essen selbst. Egal ob es Salatschneiden, Kaffeekochen oder gar eine aufwendige warme Mahlzeit ist – Kochen ist ein urkreativer Akt, der inspiriert und dessen Ergebnis neue Kräfte freisetzt.

Stategie #2 geht eigentlich über die kräftezehrenden Phasen hinaus: Sich mit Menschen zu umgeben, die eine positive Ausstrahlung besitzen, ist eigentlich eine ganz grundlegende Sache. Doch gerade wenn es Hart auf Hart kommt, merke ich umso mehr wie ich sie brauche – die, die Mut machen, inspirieren, anfeuern, mitfiebern, mitleiden und sich mitfreuen, wenn am Ende alles glatt ging.

Und hier tut sich schon Strategie #3 auf: Think positive! Denn am Ende ist die stressige Zeit eben auch nur eine Phase. Sie geht vorbei und es folgen wieder entspanntere Zeiten. Außerdem gönne ich mir nach den Deadlines etwas. Egal ob großes oder kleines; ob teuer oder ein Picknick mit Freunden. Das Belohnungsprinzip motiviert und gibt Vorfreude! Ihr vermutet es sicherlich – der Kopenhagen-Besuch wird dieses Mal meine Belohnung sein.

Doch die wichtigste ist die Strategie #4: Das Sabbat-Prinzip – einen Tag Ruhen. Das ist ganz schön herausfordernd, wenn der Zeitdruck immer großer wird. Doch nach einen halben Tag im Bett, mit Lektüre, Tagebuchschreiben und Musikgenuss ist der Akku wieder aufgeladen, ich viel ausgeglichener und bereit für die nächste herausfordernde Woche.

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Habt ihr noch weitere Tipps für meine nächsten 2.5 Wochen bis zu Präsentation und Ausstellung?

 

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